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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Buch. Der Liberalismus
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

394 
Drittes Buch. Der Liberalismus. 
„Nachfrage“ die Anzahl der Arbeiter, die eine Anstellung suchen 1 ). 
Dieses Gesetz war schon von Cobden in volkstümlicher Art ausgedrückt 
worden, als er sagte, daß der Lohn steigt, wenn zwei Arbeitgeber einem 
Arbeiter nachlaufen, und daß er sinkt, wenn zwei Arbeiter einem Arbeit 
geber nachlaufen. 
Der natürliche oder notwendige Lohn wird auf die Dauer von 
den Produktionskosten der Arbeitskraft bestimmt, nämlich von den 
Kosten der Lebenshaltung des Arbeiters. Der Marktlohn strebt in seinen 
Schwankungen stets darauf hin, sich nach ihm zu regeln. 
Dieses Gesetz verdiente durchaus den Namen des ehernen Lohn 
gesetzes, mit dem Lassalle es später brandmarkte. Denn auf diese 
Weise wurde der Lohn von Ursachen abhängig gemacht, die außerhalb 
des möglichen Einflusses des Arbeiters standen, und die ohne jeden Zu 
sammenhang mit ihm selbst, mit seiner Arbeit oder seinem guten Willen 
blieben. Er war einem verhängnisvollen Gesetz ausgeliefert, dem er ebenso 
passiv gegenüberstand, wie ein Baumwollenballen seinem Marktpreis. 
Das ist aber nicht Alles! Nicht nur hängt der Lohn nicht von dem Arbeiter 
ab, sondern auch keine gesetzliche oder private Einmischung, keine Ein 
richtung, kein System kann an diesem Zustand etwas ändern — ausge 
nommen man kann eine der beiden bestimmenden Grundlagen des Ver 
hältnisses beeinflussen, nämlich entweder die Menge des für den Lohn 
verfügbaren Kapitals (den Lohnfonds) oder die Zahl der Arbeit suchenden 
Bevölkerung. „Jeder Verbesserungsplan, der nicht auf diesem Prinzip 
beruht, führt zu einer Enttäuschung.“ Aber hiermit noch nicht genug! 
Die Ursachen, die die beiden bestimmenden Grundlagen des Verhältnisses 
günstig beeinflussen könnten, können, was das Wachstum des Kapitals 
anlangt, nur die Spartätigkeit, und was die Verminderung der Arbeits 
kräfte anlangt, nur die Einschränkung des Geschlechtstriebes sein. Das 
sind zu guter Letzt die beiden einzigen Möglichkeiten zur Rettung der 
Lohnempfänger: die erste steht aber vollständig außerhalb ihrer Macht 2 ), 
und die zweite überliefert dem Zölibat oder dem Onanismus alle diejenigen, 
J ) „Die Löhne hängen von dem Verhältnis zwischen Bevölkerung und Kapital 
ab. Unter Bevölkerung ist die Klasse der Arbeiter und noch genauer die der Lohn 
empfänger zu verstehen, unter Kapital lediglich das für den Ankauf von Arbeit an 
gelegte Kapital ... Es muß nicht nur gesagt werden, daß der Lohn von dem Verhältnis 
zwischen der Bevölkerung und dem Kapital in dieser Bedeutung abhängt, sondern 
auch, daß er unter der Herrschaft der Konkurrenz von keiner anderen Ursache ver 
ändert werden kann.“ (Principles, Book, II, Ch. 1, § 1). 
2 ) Das Sparen zur Vergrößerung des „Lohnfonds“ ist nur den Reichen möglich, 
daher empfiehlt es ihnen Stuart Mill mit dem gleichen Nachdrucke, mit dem er de 
Arbeitern Zurückhaltung im Eingehen einer Ehe nahelegt. Er bemüht sich, in übriger^ 
dunklen und schwerfälligen Ausführungen nachzuweisen, daß: „man den Arbeiten e 
nicht nützt, weil man selbst verbraucht, sondern weil man denVerbrauch bei Ander 
fördert“, womit gesagt sein soll: nicht durch die Ausgabe, sondern durch das Spare
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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