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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

492 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
Kapitel III. 
Der Marxismus. 
I. 
Karl Marx. 
Wie Jedermann weiß, ist die marxistische Lehre die neueste Form 
des Sozialismus. Seit ungefähr vierzig Jahren hat sie alle anderen, die 
von ihr verächtlich als utopistisch bezeichnet werden, in den Schatten 
schiedensten Gegenstände veröffentlicht, wie über Währungsfragen, Bevölkerungs 
theorie und allgemeine volkswirtschaftliche Theorie. Diese Arbeiten sind in Zeit 
schriften und Rundschauen verstreut, — besonders in den Jahrbüchern für 
Nationalökonomie und Statistik, in Schönberg’s Handbuch und in dem 
großen Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Sie zeichnen sich alle 
durch ihre elegante Klarheit und einen bemerkenswerten wissenschaftlichen Sinn aus. 
Lexis scheint die Überlieferung der klassischen Volkswirtschaftler fortzusetzen, ver 
wirft aber ihren Optimismus, den man nur zu oft als untrennbar von dieser Tradition 
betrachtet. 1910 hat Lexis seine allgemeine Lehre endlich in einer Allgemeinen 
Volkswirtschaftslehre zusammengefaßt, in der man eine Gesamtansicht der wirt 
schaftlichen Welt als eines riesigen Güterumlaufs findet. Außer einer höchst inter 
essanten Krisentheorie, auf die wir hier nicht näher eingehen können, scheint uns der 
selbständigste Teil des Buches in der Theorie über die Verteilung des sozialen Pro 
duktes zwischen Arbeitern und Kapitalisten zu bestehen. Nach Lexis besteht die 
Gesamtmenge der (materiellen) Güter aus Arbeitserzeugnissen und kann sogar an 
der Arbeit gemessen werden. Woher kommt dann aber das Einkommen der Kapi 
talisten? Sein Profit stammt nicht, (wie Marx meinte), von einer Ausbeutung des 
Arbeiters in der Sphäre der Produktion, sondern davon, daß er auf den Verkaufspreis 
der Gegenstände, auf die Summe, die den Lohn des Arbeiters vorstellt, eine Summe 
aufschlägt, die den Zinsen seines Kapitals entspricht. Daher liege der Ursprung des 
Profites in der Sphäre des Umlaufs. Wozu dient den Kapitalisten aber die Erhöhung 
des Verkaufspreises, da doch unter diesen Umständen die Arbeiter die von ihnen er 
zeugten Gegenstände auf dem Markt nicht allein aus ihrem Lohn zurückkaufen können? 
— Es genügt, daran zu denken, daß die Arbeiter nicht nur Gegenstände her- 
stellen, die zu ihrem eigenen Verbrauch dienen, sondern auch solche, die zu dem der 
Kapitalisten bestimmt sind. Mit dem in der Herstellung dieser letzteren Produkte 
verdienten Lohn ist die' Arbeiterklasse, als Klasse, imstande, die ihr notwendigen 
Gegenstände zum Marktpreise zu bezahlen, d. h. also, einschließlich der Zinsen, die 
den Gewinn des Kapitalisten darstellen. Beim Ankauf ihrer eigenen Verbrauchsgegen 
stände zahlen die Kapitalisten sich gegenseitig die Zinsen, die im Warenpreise enthalten 
sind. Als Klasse verändert sich ihre Lage daher nicht, aber für jeden Unternehmer 
gerät individuell der Profit in ein gleiches Verhältnis zu seinem Kapital. Auf diese 
Weise wird der größte Einwurf gegen das von Marx zur Erklärung der Erhebung de» 
Profites aufgestellte Schema beseitigt. Diese Erklärung des von den Kapitalisten 
eingestrichenen Mehrwertes ist äußerst scharfsinnig. Wie man sieht, ist Lexis stark 
von Rodbertus und Marx beeinflußt, deren lebensfähigste Prinzipien er sich zu eigen 
gemacht zu haben scheint. Trotz der Einwürfe, die sein Buch hervorruft, ist es doch 
eins der selbständigsten Werke, die in den letzten Jahren erschienen sind.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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