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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Abtrünnigen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

532 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen. 
die zwingende Einmischung der Staatsgewalt bei ihnen erst an zweiter 
Stelle, da für sie die familienmäßige, die korporative oder die kooperative 
Assoziation an erster Stelle stehen. Wie könnte dies auch anders sein, 
da jede Kirche, schon auf Grund der Bedeutung des Wortes, eine Asso 
ziation ist. Vor allen Anderen ist dies die römisch-katholische Kirche, 
und was man auch sonst über sie denken möge, sie ist jedenfalls die groß 
artigste und die am festesten zusammengefügte Assoziation, die jemals 
unter den Menschen bestanden hat, da sie durch die Bande einer Soli 
darität, die sogar das Grab nicht lösen kann, die Ecclesia militans hier 
unten und die Ecclesia triumphans dort oben, hier die Lebenden umfaßt, 
die für die Toten beten, und dort oben die Heiligen, die für die Sünder 
eintreten. 
Vom Gesichtspunkte ihrer Gesellschaftskonstruktion aus aber ent 
ziehen sich diese Schulen jeder Klassifizierung. Man kann freilich sagen, 
daß sie alle eine Gesellschaft erstreben, in der alle Menschen als Söhne 
des gleichen himmlischen Vaters 1 ) Brüder sein werden. Aber es gibt viele 
unterschiedliche Arten, diese brüderliche Gleichheit zu verstehen. Auch 
kann man sagen, daß sie alle, wie schon die Kanoniker des Mittelalters 
taten, von dem gerechten Preise und von dem gerechten Lohne sprechen, 
womit gesagt werden soll, daß sie sieh weigern, zuzugeben, die Arbeit 
des Menschen sei nur eine Ware, die dem Spiel des Gesetzes von Angebot 
und Nachfrage überliefert ist; sie sehen in der menschlichen Arbeit etwas 
Heiliges: und schon das römische Recht gab nicht zu, daß die Res sacrae 
Gegenstände des Handels werden dürften. Sobald es sich aber darum 
handelt, ein Programm aufzustellen, trennen sich die Wege. Denn wenn 
in der Heiligen Schrift die Stellen über die wirtschaftlichen und sozialen 
Fragen zahlreich genug sind, so sind sie auch allgemein genug, um den 
verschiedensten Lehren als Stützpunkte dienen zu können. 
Vielleicht wird man denken, daß es nicht recht lohne, diesen Dok 
trinen ein besonderes Kapitel zu widmen, einmal wegen ihres mehr mora 
lischen als wirtschaftlichen Charakters, und dann, weil wir hier nicht’ 
wie in den vorhergehenden Kapiteln, die Namen bedeutender Meister 
finden, die die Wissenschaft mit selbständigen Beiträgen bereichert haben 
—, abgesehen von Le Play, der aber doch nur in recht loser Verbindung 
mit dieser Schule steht. Es gibt jedoch große Gedankenströmungen, 
die an fast keine Namen gebunden sind: die Bedeutung einer Lehre soll 
sich auch weniger aus dem Ruhm ihrer Urheber als aus ihrem Einfluß 
auf die Gemüter ergeben; und es kann nicht geleugnet werden, daß dm 
christlich-sozialen Ideen einen wirklichen und tiefgehenden Einfluß aU 
*) Nicht ein Christlich-Sozialer, sondern der Gründer dos PositiVismus, Auguste 
Comte, hat gesagt: „Die ursprüngliche Gleichheit der Menschen ist nicht eine a 
Beobachtung beruhende Tatsache . . . Klar ist sie zum ersten Male vom Christentu 
behauptet worden'* (Trait6 de Politique, Bd. I, S. 407).
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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