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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1029261784
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-50039
Document type:
Monograph
Author:
Gide, Charles http://d-nb.info/gnd/117543985
Rist, Charles http://d-nb.info/gnd/172332966
Title:
Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
Edition:
Zweite Auflage / nach der dritten französischen Ausgabe herausgegeben von Franz Oppenheimer
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1921
Scope:
1 Online-Ressource (XX, 804 Seiten)
Digitisation:
2018
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

Kapitel IY. Die Anarchisten. 
673 
-besuchten ebenfalls diese Abende. Einer der regelmäßigsten Teilnehmer 
war Stirner, der, ohne viel zu reden, den lebhaften Debatten seiner 
Freunde zuhörte; damals bereitete er das Buch vor, mit dem er sich an 
schickte, sie Alle in Erstaunen zu versetzen, und in dem er darlegte, daß 
die Kritik der Kritischsten unter ihnen noch nicht kritisch genug war. 
Denn diese extremen Radikalen standen noch unter der Herrschaft 
einer ganzen Reihe von Ideen, die für Stirner nichts als Phantome sind. 
Menschheit, Gesellschaft, Wahrheit, das Gute: all das sind veraltete 
Abstraktionen, Fetische, die unsere eigenen Hände geschnitzt haben, 
vor denen wir uns ehrfurchtsvoll verbeugen, und deren Autorität wir 
demütig anerkennen, wie die Gläubigen die ihres Gottes. Diese Ab 
straktionen haben aber ebensowenig Wirklichkeit, wie die Götter des 
Olymps oder die Gespenster, die das kindliche Gemüt schrecken. Die 
einzige Wirklichkeit ist das individuelle Ich. Eine andere kennen wir 
Dicht. Jedes Individuum stellt eine unabhängige und selbständige Kraft 
vor. Sein einziges Gesetz ist das seines persönlichen Interesses. Die 
'Grenzen seiner Entwicklung fallen mit denen seiner Interessen und seiner 
Kraft zusammen. Ein jeder Mensch muß sich sagen: „Ich will Alles sein 
und Alles haben, was ich sein und haben kann.“ 1 ) Bastiat schrieb: „Alle 
berechtigten Interessen sind harmonisch.“ Stirner erklärt: „Alle 
Interessen sind berechtigt . . . vorausgesetzt sie haben die Macht.“ „Der 
Tiger, der Mich anfällt, hat Recht und Ich, der ihn niederstößt, habe 
auch Recht“ 2 ). „Wer die Gewalt hat der hat — Recht; habt Ihr jene 
nicht, so habt Ihr auch dieses nicht.“ 3 ) 
Da das Ich die einzige Wirklichkeit ist, verschwinden alle angeblichen 
Kollektivitäten, die mein Ich begrenzen und es in ihren Dienst pressen 
wollen, wie Staat, Familie, Gesellschaft und Nation. Sie besitzen keinen 
5,Leib“, keine Wirklichkeit 4 ). Sie haben über mich nicht mehr Autorität 
als die, die ich ihnen beilege. Einfache Geschöpfe meines Geistes, ver 
lieren sie mit dem Tage, an dem ich aufhöre, sie anzuerkennen und sie 
zu achten, jedes Recht über mich, und ich bin wirklich frei. „Ich bin 
l ) Der Einzige und sein Eigentum (Verlag Otto Wiegand, Leipzig, 1901, 
3 - Aufl.) S. 143. 
a ) Ebenda, J3. 195. 
a ) Ebenda, S. 196. 
*) „Du zwar bist leibhaftig, auch Du und Du, — aber Ihr zusammen seid nur 
Leiber, kein Leib. Mithin hätte die einige Gesellschaft zwar Leiber zu ihrem Dienste, 
aber keinen einigen und eigenen Leib. Sie wird eben, wie die „Nation“ der Politiker 
nichts als ein „Geist“ sein, der „Leib an ihm nur Schein.“ (S. 120). Liegt nicht ein 
r echt grober Materialismus darin, aus dem Dasein eines „Leibes“ das Kriterium einer 
Wirklichkeit zu machen ? Auf diese Weise würde weder ein Gesetz, noch eine Gewohnheit 
Und nicht einmal die Sprache eines Volkes Wirklichkeit sein. Eine historische Tatsache, 
®‘ne Schlacht, eine Revolution haben ebenfalls keinen Körper, trotzdem sind ihre „wirk 
lichen“ Folgen unberechenbar! 
ßlde und Rist, Gesch. d. Volkswirtschaft!. Lehrmeinungen. 2. Aufl. 
43
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1921.
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