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Agrarkrisis und landwirtschaftliche Betriebsorganisation

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Bibliographic data

fullscreen: Agrarkrisis und landwirtschaftliche Betriebsorganisation

Monograph

Identifikator:
1691008664
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-102409
Document type:
Monograph
Author:
Aereboe, Friedrich http://d-nb.info/gnd/118647172
Title:
Agrarkrisis und landwirtschaftliche Betriebsorganisation
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Parey
Year of publication:
1926
Scope:
28 S.
Digitisation:
2020
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Agrarkrisis und landwirtschaftliche Betriebsorganisation
  • Title page

Full text

preise fielen. Es ist ausgeschlossen, daß so niedrige Getreidepreise, wie wir 
sie gehabt haben, leicht wiederkommen. Ja, auch die derzeitigen wieder 
besseren Preise müssen weiter steigen. Meines Erachtens müssen sich die 
Getreidepreise auf dem Weltmarkte – Meittelernten vorausgeseßktt – in 
den kommenden Jahren etwa auf mittleres Preisniveau der letzten Friedens- 
jahre plus Zuschlag für die Goldentwertung einstellen. Letztere beträgt 
z. Z. etwa 60 0/2. Das Niveau der Weltmarktgetreidepreise ist heute 
nur zufolge der großen Welternte ausnahmsweise niedrig. 
Die Inlandsgetreidepreise müssen jetzt nach Wiedereinführung der 
Einfuhrscheine ja annähernd um den Getreidezoll über den Weltmarktpreisen 
stehen. Die Einfuhrscheine sorgen eben dafür, daß solange Getreide exportiert 
wird, bis der Inlandspreis annähernd über dem Weltmarktpreis steht. Sie 
machen also die Zölle auch bei hohen Inlandsernten wirksam. In der so- 
genannten Caprivizeit war z. B. der Zollschutz für Getreide in Deutschland 
höher als in der Zeit vor dem Abgange Bismarcks, denn was Caprivi an 
den Zollsäteen abgebaut hat, das hat er durch die Aufhebung der Identitäts- 
nachweise und Einführung der Einfuhrsscheine mehr als eingebracht. Daß 
in der Caprivizeit troßdem die Getreidepreise so stark sanken, lag nicht an 
einem verminderten Zollschuße, sondern an dem ungeheuren weiteren Sturz 
der Weltmarktpreise. Dieser Sturz hätte auf die Inlandspreise bei Bei- 
behaltung der Bismarckschen Zollsätze mit Identitätsnachweis noch drückender 
gewirkt, als sie es in der Caprivizeit getan haben. 
Es ist töricht, zu behaupten, daß die Getreidezölle die Brotgetreide- 
preise des Inlandes nicht steigerten. Es ist nur eine andere Frage, ob 
die Landwirtschaft mehr Nutzen von einseitigen Getreidezöllen oder von 
einseitigen Zöllen auf tierische Erzeugnisse, insbesondere Molkereiprodukte, 
Gartenbauprodukte, Obst usw. hat und wie die ganze Volkswirtschaft dabei 
fährt. Ich kann hier heute auf diese und andere Zollfragen nicht näher 
eingehen. Sie wissen ja auch wohl, wie ich zu diesen Fragen stehe, und 
ich weiß, daß gerade die rheinischen Landwirte mit mir der Uberzeugung 
sind, daß es in erster Linie die tierischen Erzeugnisse und die Gartenbau- 
produkte sind, welche zollpolitisch geschittt werden müssen. Das wird in 
Zukunft noch mehr der Fall sein als bisher, denn die uns in Zukunft 
drohende Auslandskonkurrenz wird auf dem Gebiete der Viehzucht viel 
schneller wachsen als auf dem Gebiete des Getreidebaues. Schon heute ist 
diese Konkurrenz, namentlich auf dem Gebiete des Molkereiwesens und des 
Gemüsebaues, viel schlimmer als auf dem Gebiete des Getreidebaues, 
namentlich für den ganzen Westen Deutschlands. Unser Molkereiwesen ist 
zudem in der Kriegszeit viel rückständiger geworden als irgend ein anderer 
Zweig des landwirtschaftlichen Betriebes. Besonders aber ist an Moltkerei- 
produkten, Gemüse, Obst usw. viel mehr zu verdienen als am Getreide.
	        

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Agrarkrisis Und Landwirtschaftliche Betriebsorganisation. Parey, 1926.
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