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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
1746729937
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-119900
Document type:
Monograph
Author:
Földes, Béla http://d-nb.info/gnd/119338211
Title:
Finanzwissenschaft
Edition:
2., neubearbeitete Auflage
Place of publication:
Jena
Publisher:
G. Fischer
Year of publication:
1927
Scope:
XIV, 683 S.
Digitisation:
2021
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Viertes Buch. Die Staatseinnahmen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
    Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Alphabetisches Namenverzeichnis
  • Sachregister

Full text

512 
Viertes Buch. Die Abtrünnigen, 
muß diese Haltung- dem Einfluß anarchistischer Ideen auf die Führer 
der Gewerkschaftsbewegung in Frankreich zugeschrieben werden. 
Das Zusammenfallen dieser doppelten Ideenströmung — neo 
marxistisch und anarchistisch, — die’ die französische Arbeiterklasse 
dem Staatssozialismus abwendig macht, ist eine interessante Tatsache, 
deren politische Folgen leicht sehr beträchtlich werden können 1 ). 
') Wir bedauern, daß es uns nicht möglich gewesen ist, weder in diesem noch 
dem vorhergehenden Kapitel einen hervorragenden deutschen Nationalökonomen zu 
erwähnen, der aber ebensowenig der historischen Schule wie dem Staatssozialismus 
angehört; es ist das der Göttinger Professor Lexis. Er hat Arbeiten über die ver 
schiedensten Gegenstände veröffentlicht, wie über Währungsfragen, Bevölkerungs 
theorie und allgemeine volkswirtschaftliche Theorie. Diese Arbeiten sind in Zeit 
schriften und Rundschauen verstreut, — besonders in den Jahrbüchern für 
Nationalökonomie und Statistik, in Schönbehg’s Handbuch und in dem 
großen Handwörterbuch der Staatswissenschaften. Sie zeichnen sich alle 
durch ihre elegante Klarheit und einen bemerkenswerten wissenschaftlichen Sinn aus. 
Lexis scheint die Überlieferung der klassischen Volkswirtschaftler fortzusetzen, ver 
wirft aber ihren Optimismus, den man nur zu oft als untrennbar von dieser Tradition 
betrachtet. 1910 hat Lexis seine allgemeine Lehre endlich in einer Allgemeinen 
Volkswirtschaftslehre zusammengefaßt, in der man eine Gesamtansicht der 
wirtschaftlichen Welt als eines riesigen Güterumlaufs findet. Außer einer höchst 
interessanten Krisentheorie, auf die wir hier nicht näher eingehen können, scheint 
uns der selbständigste Teil des Buches in der Theorie über die Verteilung des 
sozialen Produktes zwischen Arbeitern und Kapitalisten zu bestehen. Nach Lexis 
besteht die Gesamtmenge der (materiellen) Güter aus Arbeitserzeugnissen und 
kann sogar an der Arbeit gemessen werden. Woher kommt dann aber das Ein 
kommen der Kapitalisten? Sein Profit stammt nicht, (wie Marx meinte), von einer 
Ausbeutung des Arbeiters in der Sphäre der Produktion, sondern davon, daß er auf 
den Verkaufspreis der Gegenstände, auf die Summe, die den Lohn des Arbeiters vor 
stellt, eine Summe aufschlägt, die den Zinsen seines Kapitals entspricht. Daher 
liege der Ursprung des Profites in der Sphäre des Umlaufs. Wozu dient den Kapi 
talisten aber die Erhöhung des Verkaufspreises, da doch unter diesen Umständen 
die Arbeiter die von ihnen erzeugten Gegenstände auf dem Markt nicht allein aus 
ihrem Lohn zurückkaufen können ? — Es genügt, daran zu denken, daß die Arbeiter 
nicht nur Gegenstände herstellen, die zu ihrem eigenen Verbrauch dienen, sondern 
auch solche, die zu dem der Kapitalisten bestimmt sind. Mit dem in der Herstellung 
dieser letzteren Produkte verdienten Lohn ist die Arbeiterklasse, als Klasse, im 
Stande, die ihr notwendigen Gegenstände zum Marktpreise zu bezahlen, d. h. also, 
einschließlich der Zinsen, die den Gewinn des Kapitalisten darstellen. Beim Ankauf 
ihrer eigenen Verbrauchsgegenstände zahlen die Kapitalisten sich gegenseitig die 
Zinsen, die im Warenpreise enthalten sind. Als Klasse verändert sich ihre Lage 
daher nicht, aber für jeden Unternehmer gerät individuell der Profit in ein gleiches 
Verhältnis zu seinem Kapital. Auf diese Weise wird der größte Einwurf gegen das 
von Marx zur Erklärung der Erhebung des Profites aufgestellte Schema beseitigt. 
Diese Erklärung des von den Kapitalisten eingestrichenen Mehrwertes ist äußerst 
scharfsinnig. Wie man sieht, ist Lexis stark von Eodbbrtus und Marx beeinflußt, 
deren lebensfähigste Prinzipien er sich zu eigen gemacht zu haben scheint. Trotz 
der Einwürfe, die sein Buch hervorruft, ist es doch eins der selbständigsten Werke, 
die in den letzten Jahren erschienen sind.
	        

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Geschichte Der Volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen. Verlag von Gustav Fischer, 1913.
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