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Allgemeine Gesellschaftslehre

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Bibliographic data

fullscreen: Allgemeine Gesellschaftslehre

Monograph

Identifikator:
1823562132
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-217461
Document type:
Monograph
Author:
Sander, Fritz http://d-nb.info/gnd/140473750
Title:
Allgemeine Gesellschaftslehre
Place of publication:
Jena
Publisher:
Verlag von Gustav Fischer
Year of publication:
1930
Scope:
XVI, 572 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
V. Kapitel. Vergesellschaftung und Gesellschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Allgemeine Gesellschaftslehre
  • Title page
  • Contents
  • I. Kapitel. Grundwissenschaft und Gesellschaftswissenschaft
  • Kapitel II. Das Wollen
  • III. Kapitel. Das Streben
  • IV. Kapitel. Vergemeinschaftung und Gemeinschaft
  • V. Kapitel. Vergesellschaftung und Gesellschaft
  • VI. Die Macht
  • VII. Kapitel. Die Besonderheiten der Vergesellschaftungs- Werbungs- Seelenaugenblicke und der Vergesellschaftungs- Seelenaugenblick hinsichtlich der Vergesellschaftungs-Interesse-Gedanken
  • VIII. Kapitel. Andere Besonderheiten der Vergesellschaftungs-Werbungs-Seelenaugenblicke und der Vergesellschaftungs-Seelenaugenblicke
  • IX. Kapitel. Staats-Gesellschaft, Rechts-Gesellschaft und Wirtschafts-Gesellschaft

Full text

276 
V. Kapitel. 
liebte Entgegensetzung von „Normen“ und „Naturgesetzen“ besteht also 
nur dann zu Recht, wenn man meint, daß sowohl die sogenannten 
„Normen“ als auch die sogenannten „Naturgesetze“ nichts Anderes sind 
als „Wirkensgesetze“ („Kausalgesetze“), d. h. „identisch begründete 
Wirkenszusammengehörigkeiten“, aber allerdings die sogenannten „Nor- 
men“ solche „identisch begründete Wirkenszusammengehörigkeiten“, in 
welchen sich als erste identische wirkende Bedingung ein besonderes 
identisches Wollen findet, hingegen die sogenannten „Naturgesetze“ 
solche „identisch begründete Wirkenszusammengehörigkeiten“, in welchen 
sich als erste identische wirkende Bedingung anderes besonderes iden- 
tisches Allgemeines findet. Klar ist nun, daß vielleicht ein göttliches 
Wesen, niemals aber ein Mensch eine „Richtlinie“ („Norm“) „setzen“ 
kann, wenn mit dem Worte „setzen“ ein „Bewirken“ gemeint ist, welche 
Meinung allerdings stets obwaltet, da man statt „Normen setzen“ gerne 
auch „Normen schaffen, stiften usw.“ sagt. „Richtlinie“ ist nämlich als 
„besondere identische Wirkenszusammengehörigkeit‘“ Etwas, das von 
Menschen nur „gefunden‘‘, „entdeckt‘, niemals aber „bewirkt“ werden 
kann, und niemand wird wohl bezweifeln, daß die Behauptung, jemand 
könne ein ‚„Wirkensgesetz‘“, überhaupt eine Zusammengehörigkeit be- 
wirken, ein sinnleerer Satz ist, um so mehr, als überhaupt niemals 
„Allgemeines‘‘, sondern nur die Zugehörigkeit besonderen Allgemeinens 
zu besonderem Einzelwesen gewirkt werden kann. 
Indes ist es nicht schwierig, zu bestimmen, was eigentlich —- 
wenn auch unklar — mit der Rede vom ‚Normen setzen, schaffen, 
stiften usw.‘ gemeint ist, Jeder nämlich, der einen „Handlungs-An- 
spruch‘ erhebt, zielt darauf, daß der Behauptungsadressat den „Fall“ 
einer besonderen „‚Richtlinie‘‘ („Norm“‘) verwirkliche, er zielt also zwar — 
was unmöglich ist — keineswegs darauf, eine „Richtlinie zu setzen‘‘, 
zu „Schaffen‘‘, zu „stiften‘‘, aber er zielt darauf, dem Anspruchadressaten 
identische Allgemeine aus jener Richtlinie zugehörig zu machen. 
Jeder, der einen ‚„Handlungs-Anspruch‘“ erhebt, will also Ander- 
Handeln besonderer Richtung, Ander-Handeln als Fall besonderer 
Richtlinie, welche wir „Richtlinie des Beanspruchten‘ nennen, 
als jene Richtlinie, deren ‚Fall‘ beansprucht wird. Da allerdings jeder 
Anspruch — z. B. der Anspruch, „ein Glas Wasser zu bringen‘ — 
auf verschiedene Weise erfüllt werden kann, müßte in genauer Rede 
nicht von einer „Richtlinie des Beanspruchten‘, sondern von einer 
„Gruppe hinsichtlich des Beanspruchten äquivalenter 
Richtlinien‘ gesprochen werden, da jener, der einen Handlungs- 
Anspruch erhebt, eigentlich nicht eine besondere Richtlinie des Ander- 
Verhaltens meint, sondern nur „Richtlinienstücke“ („‚Richtlinienfrag- 
mente*‘‘), welche von mehreren verschiedenen Richtlinien eingeschlossen 
sind, wobei es ihm gleichgültig ist, als „Fall“ welcher dieser „äqui-
	        

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Allgemeine Gesellschaftslehre. Verlag von Gustav Fischer, 1930.
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