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Der Bolschewismus

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Bibliographic data

fullscreen: Der Bolschewismus

Monograph

Identifikator:
1851174176
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-297428
Document type:
Monograph
Author:
Gurian, Waldemar http://d-nb.info/gnd/118699369
Title:
Der Bolschewismus
Place of publication:
Freiburg im Breisgau
Publisher:
Herder
Year of publication:
1931
Scope:
XI, 337 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. Kritik des Bolschewismus.
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Der Bolschewismus
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung.
  • Erster Teil. Die geschichtlichen und gesellschaftlichen Voraussetzungen des Bolschewismus.
  • Zweiter Teil Eroberung und Ausbau der politischen Macht in Rußland durch die bolschewistische Partei.
  • Dritter Teil. Die Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik des Bolschewismus.
  • Vierter Teil. Die bolschewistische Partei.
  • Fünfter Teil. Die bolschewistische Doktrin.
  • Sechster Teil. Kritik des Bolschewismus.
  • Bolschewistische Dokumente
  • Index

Full text

Die geschichtliche und gesellschaftliche Bedeutung. 211 
In Europa kann der Bolschewismus nur als eine Zerstörung der 
letzten Bindungen mit der Tradition und der Kultur wirken, als 
Ausdruck einer Gesinnung, die infolge der modernen Zivilisation 
nicht mehr fähig ist, etwas anderes außer dem sozialen Leben in 
seinen einfachsten Formen zu sehen. Er kann da nicht jenen 
Charakter des Glaubens an etwas Neues annehmen, den er in 
Rußland darum annehmen konnte, weil da die Zivilisation, die 
Herrschaft der Technik, der Aufklärung usw. noch nicht verwirk- 
licht war. Daher konnte der Bolschewismus für verhältnismäßig 
weite Kreise Rußlands als eine neue Religion erscheinen. Bei uns 
im Westen dagegen wirkt der Bolschewismus, mögen auch seine 
Theorien westlicher Herkunft in ihren wesentlichen Teilen unver- 
ändert geblieben sein, nur als eine politisch-soziale Theorie neben 
andern, die nur wirksam wird, wenn Krisen die bereits kapitali- 
stische Welt erschüttern. Das entscheidende Problem für die 
Zukunft des Bolschewismus besteht also in der Herstellung einer 
Dolitischen Ordnung, welche die allgemeine Unzufriedenheit zu 
Mindern geeignet ist!. Nicht zufällig rechnen die Bolschewisten 
mit einem Siege gerade in Ländern, die unter dem Versailler 
Vertrag am meisten leiden und die darum durch die Wirtschafts- 
krise doppelt hart getroffen werden. Die Stabilisierung politischen 
Unrechts in der heutigen Welt ist ja ein Hauptargument ihrer 
Propaganda. Der Bolschewismus ist nicht wegen seiner Doktrinen 
für die heutige Welt gefährlich, sondern darum, weil die heutige 
Welt stark an Vorstellungen festhält, die der gewandelten gesell- 
schaftlichen Wirklichkeit nicht entsprechen. Das führt zu einem 
Kampfe aller gegen alle, zu einer allgemeinen Unsicherheit, die 
nur als Rechtfertigung für den Bolschewismus dient. Denn sie 
liefert dem Bolschewismus den Vorwand, zu behaupten, daß sie 
die einzigen Gläubigen in der heutigen Welt sind, denn nur sie 
Seien es, welche einen Sinn der Geschichte kennen, der über die 
Verteilung der Welt in Einflußsphären hinausreicht. 
Man wird also den Bolschewismus geschichtlich als eine Macht 
betrachten können, welche die Träger der bestehenden Weltord- 
nung zur Selbstbesinnung über die Grundlagen ihrer Herrschaft 
und ihrer gesellschaftlichen Wirksamkeit treibt und zwingt. Er 
gehört zu jenen Mächten, welche die allgemeine Unsicherheit stei- 
gern und erhöhen. Zwar bringt er keine positiven Lösungen, zwar 
ist er gerade als Gegenspieler von der bürgerlichen Gesellschaft 
zu sehr abhängig, um sie wirklich überwinden zu können; aber 
damit ist seine Mission nicht erledigt, welche in der Enthüllung 
des Widerspruches zwischen der gesellschaftlichen Wirklichkeit 
14»
	        

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Der Bolschewismus. Herder, 1931.
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