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Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
  • Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
  • Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus

Full text

Das Musterbild der Mathematik, 
65 
fremden, von aussen gegebenen Materie beschränkt und verdun- 
kelt die Selbstsicherheit des geistigen Schauens und Erfassens.2?) 
Eine andereRichtlinieund ein neuerOrientierungspunkt muss 
daher gefunden werden, wenn das Wissen über den Bereich der 
„Mutmassung“ erhoben werden soll. Der Geist darf sein Ziel nicht 
mehr jenseits seiner eigenen Grenzen suchen, sondern er muss in 
sich selbst den Mittelpunkt der Gewissheit finden. Die echten 
Vernunftbegriffe dürfen nicht das Produkt und das Ende des Er- 
kenntnisprozesses, sondern sie müssen seinen Anfang und seine 
Voraussetzung bilden. Es ist die entscheidende logische Bedeutung 
der Mathematik, dass in ihr diese Umkehr vollzogen und be- 
glaubigt ist. Wenn der Geist den Begriff des Zirkels entwirft, wenn 
er eine Linie erdenkt, deren Punkte von einem gemeinsamen Mit- 
telpunkte aus gleich weite Entfernungen haben, so hat die Ge- 
stalt, die damit entsteht, nirgends ein gesondertes, stoffliches Sein 
ausserhalb des Denkens. Denn in der Materie ist eine exakte 
Gleichheit zwischen zwei Strecken, geschweige zwischen einer 
unendlichen Mannigfaltigkeit von Linien, unauffindbar und un- 
möglich. Der „Zirkel im Geiste“ ist das alleinige Musterbild und 
Maass des Zirkels, den wir im Sande hinzeichnen. Analog können 
wir bei jedem Inhalt, der uns entgegentritt, eine d oppelte Weise 
des Seins unterscheiden: sofern wir ihn das eine Mal in aller 
Zufälligkeit seines konkreten Daseins, das andere Mal in der Rein- 
heit und Notwendigkeit seines exakten Begriffs betrachten.®) Die 
Wahrheit der Dinge ergibt sich erst in dieser zweiten Art der 
Auffassung. Auch auf sie wendet Cusanus den Gesichtspunkt1 
der Assimilation an: ‘aber jetzt handelt es sich nicht mehr 
darum, dass der Geist sich den sinnlichen Einzeldingen, sondern 
dass er sich ihrer reinen mathematischen Definition, die all 
ihren wissenschaftlichen Gehalt darstellt, zuwendet und anpasst. 
Indem das Denken sich den „abstrakten Formen“, die es in sich 
selber findet, fortschreitend verähnlicht, entwickelt und erschaffi 
es damit die sicheren mathematischen Wissenschaften. Und 
während zuvor nur ein beschränktes, jederzeit aufhebbares Wissen 
zu Stande kam, wird auf diesem zweiten Wege absolute Gewisshei{ 
erreicht. Das Denken, das mit den Gegenständen beginnt, um sie, 
sei es in sinnlichen Eindrücken, sei es in allgemeinen, von ihnen 
abstrahierten Gattungsbegriffen abzubilden. erreicht nirgends das
	        

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Das Erkenntnisproblem in Der Philosophie Und Wissenschaft Der Neueren Zeit. Cassirer, 1906.
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