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Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Volume

Identifikator:
1876769408
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-262860
Document type:
Volume
Author:
Cassirer, Ernst http://d-nb.info/gnd/118519522
Title:
Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Cassirer
Year of publication:
1906
Scope:
XV, 608 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Volume
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Erstes Buch: Die Renaissance des Erkenntnisproblems
  • Zweites Buch: Die Entdeckung des Naturbegriffs
  • Drittes Buch: Die Grundlegung des Idealismus

Full text

78 
Carolus Bovillus. 
ihm dauernd verblieben ist, ist hierdurch bereits bezeichnet; denn 
während er auf der einen Seite an der Aristotelischen Auffassung 
des Intellekts festhält und sie seiner Erkenntnislehre zugrunde 
legt, sucht er andrerseits die herkömmliche Logik durch das 
tiefere Prinzip der „Coincidenz der Gegensätze“ zu ergänzen und 
zu befruchten. Als das Ziel der wahren Denklehre gilt ihm eine 
„Ars oppositorum“, die die Beziehung der gegensätzlichen Mo- 
mente, ihr Verhältnis und ihr schliessliches Zusammenfallen zur 
Darstellung bringen soll. Alle Widersprüche, die die Natur der 
Dinge uns darzubieten scheint, müssen zuletzt aus einem ur- 
sprünglichen und einheitlichen Akt der Entgegensetzung ab- 
geleitet werden, den es in unserem Geiste zu entdecken und fest- 
zustellen gilt. Nicht die an sich bestehenden Gegenstände, son- 
dern die Bilder und „Spezies“ in unserem Verstande sind es, bei 
denen von wahrhafter Gegensätzlichkeit gesprochen werden kann. 
Hier aber erweist sich der Widerstreit alsbald als ein nicht 
lediglich verneinendes und aufhebendes Prinzip, sondern als ein 
selbständiger Keim und unentbehrlicher Anfang. Der Begriff des 
Nichts, der seinem Seinsgehalt nach das Unfruchtbarste ist, wird 
zum fruchtbarsten Ursprung, wenn man ihn seinem Erkenntnis- 
gehalt nach betrachtet. Denn da das Denken bei ihm, als einem 
schlechthin Einzelnen nicht stehen zu bleiben vermag, da es das 
„Nichts“ stets nur in der Absonderung und Unterscheidung von 
„Etwas“ aufzufassen vermag, so wird es von hier aus zu immer 
neuen Setzungen gedrängt und in eine fortdauernde Bewegung 
hineingezogen, die erst im Gedanken des allumfassenden, abso- 
Iuten Seins ihr Ziel und ihren Ruhepunkt findet.®) So sehen 
wir, wie das neue Motiv, das wir im Begriff der „docta ignorantia“ 
erkannten, hier weiterwirkt: das Sein des echten Begriffes wird 
in seinem Werden, in den intellektuellen Betätigungen und 
Operationen, die er voraussetzt, gegründet. Und wie hier Merk- 
male und Verhältnisse, die wir der äusseren Wirklichkeit zuzu- 
sprechen gewohnt sind, auf Bestimmungen des Denkens zurück- 
geleitet werden, so ruht allgemein die Naturauffassung und -er- 
klärung auf der durchgehenden Uebereinstimmung, die zwischen 
Ich und Welt angenommen wird. Der Satz der Identität von 
Mikrokosmos und Makrokosmos, der von Cusanus nur gestreift 
wird, erhält hier zuerst die bestimmtere Gestalt und Prägung, in
	        

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Das Erkenntnisproblem in Der Philosophie Und Wissenschaft Der Neueren Zeit. Cassirer, 1906.
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