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Nationalökonomie (Teil 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886436398
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-235143
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
Teil 1
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 389 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (Teil 1)
  • Title page
  • Contents
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie

Full text

— 165 —- 
Frage kommt. Liegen in der Geschäftswelt viele Kapitalien unbe- 
nutzt brach, die deshalb der Bank zuströmen, ist dem gegenüber die 
Nachfrage nach kurzen Darlehen gering, so werden sich bedeutendere 
Summen bei den Banken aufhäufen, und der Diskont muß sinken. 
Wenn dagegen umgekehrt der Bedarf an Kapitalien zur Erweiterung 
der Produktion und zur Stützung der kaufmännischen Spekulation ein 
großer ist, so wird dieses den Diskont in die Höhe treiben. Ein 
hoher Diskont wird deshalb häufig die Folge eines wirtschaftlichen 
Aufschwungs sein, wie das gerade 1899 und 1900 in ausgedehntem 
Maße der Fall war. Ende des Jahres 1899 berechnete die deutsche 
Reichsbank 7 °%, die Bank von England über 5%, was die erstere 
überhaupt noch nicht, die letztere seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. 
Die Ursache war nur, daß die gesamte Produktion einen außergewöhn- 
lichen Aufschwung genommen hatte, und ganz besonders in Deutsch- 
land die vorhandenen Mittel nicht ausreichten, den Bedarf zu befrie- 
digen, Der hohe Diskont ist hier nur ein erfreuliches Zeichen gewesen, 
Das ist aber keineswegs immer der Fall. Abgesehen von dem letzten 
Jahre war der höchste Diskont bei dem Ausbruch des Krieges von 
1866 und 1870 dagewesen, dann nach dem Wiener Krach 1873, bei 
dem Ausbruch der großen wirtschaftlichen Krisis. In solchen Zeiten 
bleiben eine Menge Zahlungen aus, auf welche die Geschäftswelt ge- 
rechnet hatte; es wird schwierig, den laufenden Anforderungen zu ge- 
nügen, die Nachfrage nach Darlehen steigt in außerordentlicher Weise, 
während wenig Gelder zur Verfügung sind und nur sparsam den 
Banken zufließen. Je mehr außerdem der Kredit erschüttert ist, und 
damit ein Jeder sein Geld zurückbehält, und Keiner dem Anderen traut, 
um so höher muß der Zins im Bankverkehr steigen und nicht nur bei 
den großen Centralbanken, sondern auch bei dem kleinen Bankier und 
an der Börse, wie man sich ausdrückt, auf dem Markte. Hier sind 
es also ungünstige Verhältnisse, welche eine Erhöhung des Diskonts 
herbeiführen. 
In der gleichen Weise kann ein niedriger Diskont aus sehr ver- 
schiedenen wirtschaftlichen Zuständen hervorgegangen sein. Bei einer 
allgemeinen Erschlaffung des Geschäftslebens, wie es Anfang der 
neunziger Jahre bestand, wird wenig Geld gebraucht. Es staut sich 
in den Banken im Uebermaße an, der Zins muß zurückgehen. Der 
niedrige Diskont ist hier das Zeichen einer schleichenden wirtschaft- 
lichen Krisis gewesen. Er findet sich aber auch bei sehr günstigen 
Verhältnissen, wenn er nur der Ausfluß eines außerordentlichen Wohl- 
standes ist, so daß trotz sehr animierter Thätigkeit immer noch reich- 
lich Gelder flüssig bleiben. Aus diesem Grunde ist der Diskont in 
England im großen Ganzen niedriger als in Deutschland, hier niedriger 
als in Rußland. 
Die Höhe des Diskonts kann wesentlich von dem allgemeinen Diskont und 
Landeszinsfuße abweichen, der letztere ist sehr viel stetiger, der erstere Landeszins- 
sehr viel größeren Schwankungen unterworfen. Während der Landes- fuß. 
zinsfuß in Deutschland etwa 4°% beträgt, vor 25 Jahren dagegen noch 
5% war, ist der Diskont im letzten Dezennium zwischen 1!% und 
5% hin und her gependelt und war im großen Durchschnitt nur 
wenig über 3%. Auch am Ende des Jahres 1899, wo der Diskont 
der Reichsbank auf 7 stieg, wurde der Landeszinsfuß nur wenig davon 
berührt und hat sich von dem bisherigen Satze nur unbedeutend ent- 
fernt. Diese Verschiedenheit ist darauf zurückzuführen, daß es sich
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1902.
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