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Nationalökonomie (Teil 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886436398
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-235143
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
Teil 1
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 389 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (Teil 1)
  • Title page
  • Contents
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie

Full text

23 
Befriedigung zu verschaffen. Aber die Art, wie er seinen Zweck zu 
erreichen sucht, wird je nach der Stufe der Kultur eine sehr verschie- 
dene sein. Dieselben "Triebe, der Selbsterhaltungs- und der Geschlechts- 
trieb, die überall im Menschen vorhanden sind, wirken bei den ver- 
schiedenen Individuen sehr ungleich. Der Neger, der Indianer giebt 
sich denselben schrankenlos hin. Sie kennen keine andere Rücksicht, 
und werden ev, vor einem Morde nicht zurückschrecken, wenn sie sich 
dadurch das Gewünschte verschaffen können. Der Kulturmensch ist 
dazu nicht fähig. Die Rücksicht auf den Nebenmenschen, die zum 
Altruismus wird, wenn das Streben so weit geht, dem andern Vor- 
teile zuzuwenden, dann religiöse Grundsätze, das Ehrgefühl hindern 
ihn daran. Er würde durch eine solche Handlung sein Gewissen be- 
schweren, und trotz der Stillung des Hungers nicht zum Gefühl der 
Befriedigung gelangen. Je höher die Stufe ist, auf der er steht, um so 
mehr ist er gewöhnt, seine Triebe zu beherrschen, und wird bei dem- 
selben Anlaß zu ganz anderen Handlungen getrieben wie der Natur- 
mensch. Mit anderen Worten: die Art des Selbstinteresses ist eine 
durchaus andere geworden. Es wirken eine Menge anderer Motive 
auch bei rein wirtschaftlicher Thätigkeit mit, Dieselben Triebe ver- 
anlassen sehr ungleiche Handlungen. Die letzteren beruhen daher 
nicht auf einfachen Naturgesetzen, wie es die alte Schule annahm, 
die überall die gleichen sind; sondern jedes Volk, jede Zeit, jede 
Kulturstufe weist andere Handlungen der Menschen auf, die durch 
dieselben wirtschaftlichen Ursachen hervorgerufen sind. Daher können 
einzelne wirtschaftliche Erscheinungen nur auf Grund der genauen 
Kenntnis der vorliegenden Zustände beurteilt werden. Was für 
Wirkungen einzelne wirtschaftliche Veränderungen herbeitühren werden, 
täßt sich nur in wenigen einfachen Fällen aprioristisch vorherbestimmen, 
und nur unter Berücksichtigung der gegebenen Verhältnisse. Aus dem 
Gesagten geht hervor, daß auch die Lehren unserer Wissenschaft nur 
für eine bestimmte Kulturstufe maßgebend sein können. Wir unter- 
suchen die Verhältnisse, die vor uns liegen, und stützen auf Grund der 
Erfahrung gewisse Auffassungen, stellen den Zusammenhang von Ur- 
sache und Wirkung fest, wie er sich aus unserer Beobachtung ergiebt. 
Unser Urteil über wirtschaftliche Vorgänge komplizierterer Art wird daher 
stets das Ergebnis unserer Zeit sein und für andere Zeiten nicht mehr 
die volle Gültigkeit haben. Die Gegenwart für unsere Zwecke richtig 
zu beurteilen, hilft uns vor allem die Statistik, dann das Staats- und 
Verwaltungsrecht. Zu übersehen, wie die Verhältnisse geworden sind, 
lehrt uns die Geschichte, Sie sind die Grundlage unserer Wissenschaft, 
Es hat die Philosophie, vor allem die Psychologie hinzuzutreten, um 
uns die Eigentümlichkeiten des Menschen klar zu legen, und Schlüsse 
auf seine Handlungsweise zu ermöglichen. 
Wenn aber die Berliner sogenannte „historische Schule“ glaubt, 
allein auf dem historischen Wege eine neue nationalökonomische Wissen- 
schaft schaffen zu können, so erscheint uns das zu weit gegangen. Unsere 
Kenntnisse der früheren wirtschaftlichen Verhältnisse sind dazu viel zu 
uanvollkommen. Prinzipiell steht aber dem entgegen, daß jede Kultur- 
stufe viel zu große Verschiedenheiten aufzuweisen hat, als daß man aus 
den Vorgängen anderer Zeiten ohne weiteres unsere beurteilen lernen 
könnte, Wir werden aus der Wirkung einzelner Steuermaßregeln im 16,, 
17. Jahrhundert nur sehr beschränkt ein Urteil über den Einfluß ge- 
yinnen. den dieselbe Maßregel in unserer Zeit ausüben wird. Wir 
Historische 
Schule.
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1902.
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