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Nationalökonomie (Teil 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (Teil 1)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886436398
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-235143
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
Teil 1
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1902
Scope:
XVI, 389 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (Teil 1)
  • Title page
  • Contents
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie

Full text

34 
Sittliche 
Eigen- 
schaften. 
die Fähigkeit, sich nachhaltig und tiefer in eine Aufgabe hineinzu- 
arbeiten, ist wohl der germanischen Rasse im höheren Maße eigen als 
Slaven und Romanen, wie ebenso den Männern mehr als den Frauen. 
Diese: Gabe kommt besonders zur Geltung bei der philosophischen 
Spekulation; sie ist die Grundbedingung für Erfindungen und deren 
angemessene Verwertung. Sie bildet daher auf höherer Kulturstufe die 
Hauptgrundlage für wirtschaftliches Schaffen. Darauf ist es un- 
zweifelhaft zurückzuführen, daß gerade auf dem Gebiete der Philo- 
sophie die erheblichsten Fortschritte den Germanen zu danken sind, 
and sie ebenso die meisten und die bedeutsamsten Erfindungen gemacht 
aaben. Nach beiden Richtungen werden sicher die Frauen: auch trotz 
aller Gymnasialbildung, die man ihnen neuerdings oktroyieren will, nie- 
mals Erhebliches leisten, weil ihnen dazu die natürliche An- und 
Zrundlage fehlt. 
Doch auch die intellektuelle Leistungsfähigkeit genügt nicht zu 
höherem wirtschaftlichen Schaffen. Es müssen noch sittliche Eigen- 
schaften hinzutreten, wie Fleiß, Ausdauer, Pflicht-und Ehrge- 
fühl, Ordnungs- und Sparsinn, Ehrlichkeit und Freudean 
ler Arbeit. Hin deutscher Handwerker in Neapel sagte uns: „Ein 
italienischer Lehrling lernt in 6 Wochen, was ein deutscher sich erst 
in einem Vierteljahr erwirbt, aber doch habe ich noch keinen Neapolitaner 
soweit gebracht wie im Durchschnitt den deutschen Lehrling, weil ich 
in ihm niemals den nötigen Fleiß und Ausdauer vorfand.“ Im Durch- 
schnitt sind es nicht die Hochbegabten, die im Leben am meisten 
leisten, sondern die energisch Fleißigen, welche mit mäßiger Begabung 
ausgerüstet sind. Die intellektuellen Eigenschaften werden am meisten 
anterstützt durch die Lebensauffassung, daß der Mensch zur Arbeit 
auf der Welt ist und nur durch Arbeit und Pflichterfüllung dauernde 
Befriedigung erlangen kann. Darin, daß diese Lebensauffassung in 
Deutschland im großen und ganzen vorherrscht, und derjenige der Miß- 
achtung verfällt, der seine Arbeitskraft nicht angemessen verwertet, 
sehen wir die Grundlage der höheren Leistungen Deutschlands gegenüber 
z. B. Spanien, wo der Arbeit nicht die Achtung entgegengebracht wird, 
die man ihr bei uns gewährt. Die Hauptgefahr der Verbreitung sozıal- 
demokratischer Anschauungen liegt darin, daß durch sie die Freudig- 
keit an der Arbeit durch Weckung der MiBßBgunst gegen den Besitz 
ıntergraben wird, wie durch die Lehre, daß auch ohne intensive Arbeit 
Wohlstand und Glück zu erlangen sei. Auf der anderen Seite ist es 
als Anachronismus zu bezeichnen, wenn für die Frau aus der ge- 
”ildeten Klasse Erwerbsthätigkeit in Deutschland immer noch als an- 
stößig angesehen wird und dem thatkräftigen Mädchen, das sich einen 
eigenen Wirkungskreis im Geschäftsleben schaffen will, durch weit- 
gehende Vorurteile Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden. Darin 
sind die Ver. Staaten Nord-Amerikas und die Schweiz Deutschland 
„edeutend voraus. 
Sparsinn und Erwerbssinn sind wohl am meisten bei den 
Schweizern und Holländern ausgebildet, dann bei den Franzosen. Die 
Letzteren zeichnen sich sehr, z. B. Handwerker und Kaufleute, durch 
Zuverlässigkeit und Akkuratesse aus. Ebenso ist dort wie in England 
die Ehrlichkeit im Geschäftsleben sehr allgemein verbreitet. Nach 
beiden Richtungen steht der deutsche Gewerbestand. nicht besonders 
zünstig da, wohl aber der höhere Beamtenstand. Dies ist der 
aumanistischen Erziehung zu verdanken, die wiederum den Erwerbssiun
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1902.
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