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Nationalökonomie (1.1915)

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Bibliographic data

fullscreen: Nationalökonomie (1.1915)

Multivolume work

Identifikator:
1847028748
Document type:
Multivolume work
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1896-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1886443912
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236258
Document type:
Volume
Author:
Conrad, Johannes http://d-nb.info/gnd/118521853
Title:
Nationalökonomie
Volume count:
1.1915
Place of publication:
Jena
Publisher:
Fischer
Year of publication:
1915
Scope:
XVI, 460 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Einleitung
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriss zum Studium der politischen Oekonomie
  • Nationalökonomie (1.1915)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • Abschnitt I. Die Lehre von der Produktion
  • Abschnitt II. Die Verteilung des Ertrages der Volkswirtschaft
  • Abschnitt III. Die Geschichte der Nationalökonomie
  • Index

Full text

2 
Vesen der heu 
tigen Privat- 
wirtschaft. 
Daß unser Arbeiter aber die Produkte anderer Länder genießen 
kann, ist nur durch viele Vorbedingungen möglich. Nur der rege 
Schiffsverkehr und die Eisenbahnen verbilligen den Transport derart, 
daß seine Kaufkraft zum Bezuge der Artikel ausreicht. Aber diese 
wurden erst möglich durch bedeutsame Erfindungen als Ergebnisse 
Jahrhunderte alter Kultur, von der jeder von uns in jedem Momente 
Nutzen zieht, meist ohne es sich zu vergegenwärtigen. Mit Recht sagt 
Frederic Bastiat einmal: Der Kulturmensch müßte Jahrhunderte arbeiten, 
wenn er das sclbst herstellen wollte, was er an einem einzigen Tage ge- 
nießt; und die Sozialdemokraten sind sehr im Irrtume, wenn sie be- 
haupten, der Arbeiter habe nicht Anteil an den Segnungen der Kultur. 
Wie der Kulturmensch so verwertet, was Andere für ihn ge- 
schafft haben, arbeitet er auch für Andere ev. in fernen Gegenden, 
vielleicht noch für spätere Jahrhunderte. Der Maurer baut an einem 
Hause, das er nicht bewohnen wird, der Schlosser in einer Fabrik an 
einer Maschine, die vielleicht für Japan bestimmt ist, der Erdarbeiter 
schafft an einem Tunnel, der noch nach Jahrhunderten den Verkehr 
erleichtern soll, den er selbst aber nie durchfährt. Aber Jeder erhält 
schon hier sofort den Lohn für seine Arbeit, die einem anderen Welt- 
teil oder noch nach 100 Jahren seinen Nachkommen zugute kommt. 
Ebenso bezahlt der Arbeiter mit seiner Karre Erde das Brot des 
Bäckers, wie das Getreide, aus dem das Brot hergestellt war, und damit 
eventuell den Landwirt in Australien oder Nordamerika, der es gebaut 
hat; der Maurer mit seiner Arbeit trägt nicht nur die Schuld bei dem 
Händler für das Kleid seiner Frau ab, sondern entschädigt den Schiffs- 
kapitän, der die Baumwolle von New-Orleans herüberbrachte, wie den 
Farmer, der sie baute, und er bezahlt noch nachträglich den Aus- 
wanderer für die Kultivierung des Bodens vor mehr als 200 Jahren. 
So wird auf diese Weise die Tätigkeit nicht nur von verschiedenen 
Weltteilen, sondern auch von Generationen miteinander ver- 
bunden. Das Vorausgenießen von Leistungen, die erst später nutzbar 
werden, und das Heimzahlen für Nutzungen an frühere Generationen 
durch die Vermittlung des Kredites gehört zu den interessantesten 
Kapiteln unserer Wissenschaft. 
Es ergibt sich aus allem, daß heutigen Tages jede Privatwirtschaft 
der Kulturländer mitten im Strome des großen Weltverkehrs steht. 
Die heutige Privatwirtschaft ist zwar mit’ vieten-anderemn in Beziehung, 
aber sie streckt ihre Fühler nur von einem Zentrum nach verschiedenen 
Richtungen aus; erst durch jene innige Beziehung der Tausende mit- 
einander entsteht die Volkswirtschaft. Die Einzelwirtschaft ist nach 
Allem in dem volkswirtschaftlichen Getriebe unserer Zeit zu vergleichen 
mit der Masche eines großen, weitverzweigten Netzes oder dem Zahn 
eines Rades in einem komplizierten Mechanismus oder richtiger mit der 
Zelle eines tierischen Organismus, welche durch Osmose und Endosmose 
eine selbständige Lebenstätigkeit entfaltet, durch beständigen Austausch 
mit den Nachbarzellen Nahrung aufnimmt und wieder abgibt, während 
sie isoliert zugrunde geht, und nur im Zusammenhange mit anderen 
als Teil eines lebenden Organismus Höheres zu leisten vermag. 
Der oberflächliche Beschauer ahnt hier ebensowenig den inneren Zu- 
sammenhang der Tätigkeiten der Privatwirtschaften wie bei dem Hin- und 
Herlaufen der einzelnen Tiere in einem Ameisenhaufen, und es bedarf 
einer tiefgreifenden Untersuchung, um den Zusammenhang von Ursache 
and Wirkung dabei zu erkennen. Gerade so, wie in der medizinischen
	        

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Nationalökonomie. Fischer, 1915.
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