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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

—8 
7 
ev 
2 
Wir wissen heute, daß die psychische Kausalität eine andere ist als die mechauesche, aber 
wir betrachten sie als eine gleich notwendige. Wenn wir einen Menschen gahd direiye 
schauen, wenn wir einen Volkscharakter vollständig kennen, so deduzieren wir mit vollacs 
staͤndiger Sicherheit aus ihm. Wir glauben nicht mit den materialistischen Statistikern, 
daß ein blindes Schicksal jährlich so und so vielen Menschen die Pistole zum Selbstmord 
in die Hand drücke, aber wohl, daß bei der gleichmäßigen Fortdauer bestimmter mora— 
lischer uͤnd materieller Zustände in der gleichen Zahl von Selbstmorden und Verbrechen 
ein notwendiges Kausalergebnis liege. Wir finden die Freiheit des sittlichen Charakters 
nicht in der Leugnung der psychischen Kausalität, sondern in der Anerkennung der in di⸗ 
viduellen Energie als des wichtigsten Faktors unserer Entschließungen, in der Garantie, 
die der edle, durchgebildete Charakter giebt, nur gut handeln zu können. Wir finden 
die Berechtigung der Strafe für den Verbrecher gerade darin, daß die Strafe nicht bloß 
die Antwort' auf eine einzelne That, sondern auf eine lange innere Geschichte ist, die 
bis zum Verbrechen mit Notwendigkeit führt. 
Aber wir fragen, wie ist es moͤglich, den Menschen, die Menschen und alle Menschen 
so zu kennen, daß wir Sicheres aus ihrer Psyche schließen können. Die Psychologie ist 
uns der Schlüssel zu allen Geisteswissenschaften und also auch zur Nationalökonomie. 
Wir wissen, daß das Einjfachere in ihr seit Jahrtausenden allen Denkern klar ist, weil 
es auf der inneren Wahrnehmung, der sichersten Quelle aller Erkenntnis, beruht. Daher 
ist es auch erklärlich, daß das Verständnis für gewisse elementare psychische Ver⸗ 
ursachungen sehr alt ist; und so mußte es auch für die Nationalökonomie, die sich in 
der Epoche des Tausch- und Geldverkehrs ausbildete, nahe liegen, aus dem egoistischen 
Erwerbstcieb deduktiv zahlreiche Sätze abzuleiten; jeder Menschenkenner und jeder Poli⸗ 
tiker wendet jeden Moment weitere derartige generelle psychologische Wahrheiten an, um 
deduktiv aus ihnen vieles zu erklären. Aber von einer empirischen, wissenschaftlich 
vollendeten Psychologie, von einer ausreichenden psychologischen Völker⸗ und Klassenkunde 
können wir leider heute doch noch entfernt nicht reden. Und gerade sie müßten wir an 
Stelle der wenigen zu Gemeinpläßen gewordenen psychologischen Wahrheiten, mit denen 
wir jetzt haushalten, besitzen, um besseren Boden in der Volkswirtschafts- und Staats⸗ 
lehre uͤnter den Füßen zu haben. Jeder Forscher, der uns die Industrie eines Volkes, 
der uns nur die Arbeiter eines Fabrikzweiges vorführt, beginnt mit einer psychologischen 
Zeichnung; bei jedem allgemeinen Schluß uͤber die Wirkung einer Institution, einer Ver⸗ 
underung von Angebot und Nachfrage auf die Entschließungen der Menschen handelt es sich 
darum, die psychologischen Zwischenglieder der Untersuchung richtig zu bestimmen. Aber 
die Frage ist immer, ob und in wie weit man diese psychischen Faktoren genau genug kenne, 
in ihrer unendlichen Kompliziertheit beherrsche, ob man ihr Zusammenwirken mit den 
entsprechenden natürlichen Ursachen überhaupt ganz verfolgen könne. 
Und es wird kein Zweifel sein, daß wir in Bezug auf die kompliziertesten Zu⸗ 
sjammenhänge in den Geisteswissenschaften überhaupt die Strenge der Naturwissenschaften 
aicht leicht erreichen können. Zumal das Wenige, was wir über die entferntere Ver— 
gangenheit wissen, wird uns nie in den Stand setzen, den Gang der Geschichte als einen 
absolut notwendigen zu verstehen, wir werden zufrieden sein, wenn wir ihn nur im 
allgemeinen begreiflich und verständlich finden. Das Individuelle, das das Schicksfal 
jedes Volkes hat, liegt eben in der Kompliziertheit der Kausalitätsbeziehungen. Nirgends 
wiederholt sich da ganz dasselbe Schauspiel, wie freilich auch kein einziger Baum auf 
Erden ganz das Abbild eines anderen ist. Wir werden in Bezug auf das Gesamtschickfal 
der Völker, auch in Bezug auf ihr wirtschaftliches, niemals zu einer ganz sicheren Vor— 
aussagung kommen, weil wir nie die gesamten Ursachen einheitlich überblicken, sie quan— 
titativ messen können. 
Aber trotzdem werden wir uns nicht abschrecken lassen, immer wieder die Kaufalitäts- 
verhältnifse jo genau wie möglich zu erfassen, um so viel wie möglich zu verstehen und 
voraussagen zu können. Und vieles haben wir schon erreicht, noch mehr werden wir 
erreichen. Wir stehen erst am Anfange einer methodischen Erkenntnis der Zusaminen⸗ 
hänge. Zu ihr gehört es nun vor allem, daß wir uns für jede volkswirtschaftliche 
⸗ 
4 
— 
* 
*
	        

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