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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

Grenzen des technischen Fortschrittes. Sociale Folgen. 221 
Em. Hermann spricht Zweifel aus, ob unsere Ernährung und Wohnung besser sei als 
die der Griechen und Römer; nur unsere Werkzeuge und chemische Verfahrungsweise, 
meint er, ständen höher. Sicher ist, daß die hundertfache Leistung der Spinn- und Dampf— 
maschine gegenüber der Handarbeit nicht generell hundertfachen Reichtum bedeutet, noch 
weniger ihn für beliebig vermehrte Menschenmengen schafft. Und mögen wir uns noch 
so sehr rühmen, daß die Handarbeit der 1560 Mill. lebenden Menschen nicht ausreichte, 
um je zu spinnen, zu drucken, zu schleppen, was heute die Maschine spinnt, druckt und 
schleppt, von Gespinst, von gedruckten Nachrichten und vom gesteigerten Verkehr lebt 
der Mensch nicht allein. Aus demselben Grunde sind auch alle Specialberechnungen 
der Steigerung der produktiven Kraft des Menschen in diesem oder jenem Gewerbe, so 
richtig sie im einzelnen sein mögen, als Beweis fürs Ganze irreführend, so z. B. wenn 
Michel Chevalier für die Mehlbereitung seit Homer die Steigerung berechnet auf 1: 144, 
für die Eisenbereitung seit 4285 Jahrhünderten auf 1: 80, für die Baumwollverarbeitung 
1769 —1855 auf 1:700. Die Menschen in ihrer Gesamtheit sind deshalb nicht 144 
oder 80 oder 700 mal reicher. Man könnte bei aller Anerkennung der riesenhaften 
Leistungen der modernen Technik sagen, die Ungleichmäßigkeit ihrer Fortschritte sei 
zunächst das Charakteristische. Könnten wir mit atmosphärischer Luft heizen, und Mehl 
und Fleisch statt durch die pflanzen- und tierphysiologischen Prozesse durch die chemische 
Retorte herstellen, dann erst wäre der ideale Zustand geschaffen, den die technischen 
Optimisten oft heute schon gekommen glauben. — 
Natürlich erschöpft sich nun die Beurteilung des heutigen Maschinenzeitalters nicht 
in der Frage nach der Vermehrung und Verbilligung der wirtschaftlichen Produktion 
und deren Grenzen. Daneben kommt die Veränderung in der ganzen Organisation der 
Volkswirtschaft, in der Stellung der socialen Klassen, der Familie, der Unternehmung 
und Ähnliches in Betracht. Hierüber endgültigen Aufschluß zu geben, ist freilich heute 
sehr schwierig, weil wir, mitten in dem ungeheuren Umbildungsprozeß stehend, schwer 
sagen können, was vorübergehende, was dauernde Folge sei. Und an dieser Stelle 
darüber zu reden ist nur andeutungsweise möglich, weil wir die zu berührenden Fragen 
erst in den folgenden Büchern im einzelnen erörtern wollen. 
Das erste, was uns von solchen Folgen in die Augen springt, ist die Thatsache, 
daß, wie jeder große Fortschritt, so heute der technische, von einzelnen Individuen, 
Klassen, Völkern ausging, diese an Einkommen und Reichtum, Einfluß und Macht 
außerordentlich emporhob. Die Differenzierung der Gesellschaft steigerte sich; an dem 
Fortschritt und seinen ersten Folgen konnten nicht alle gleichen Anteil haben. Neue 
führende, herrschende, genießende, Macht und Reichtum teils richtig teils falsch brauchende 
Kreise stiegen empor, die übrigen sanken damit entsprechend, blieben zurück, wurden 
teilweise gedrückt, verloren durch den Konkurrenzkampf mit den emporsteigenden. Wie 
für die Maschinenvölker, so gilt das für die führenden Unternehmer, Ingenieure und 
Kaufleute innerhalb derselben. Die Kaufleute kommen nicht sowohl wegen der technischen 
Fortschritte des Handels in Betracht, als weil im Verkehr die wichtigste Verbesserung 
liegt, und diese gewissermaßen erst recht die fähigen Händler zu den Beherrschern der 
Volkswirtschaft machte, ihnen den größten Gewinn zuführte. Doch darf bei diesem 
Differenzierungsprozeß und seiner Wirkung auf das Einkommen und die Machtstellung 
nicht übersehen werden, daß an diese erste Folge sich bald Bewegungen im entgegen— 
gesetzten Sinne schlossen. Die andern Völker, bis nach Japan und Indien, begannen 
rasch die Maschinentechnik nachzuahmen, und sie ist lehrbarer, leichter zu übertragen, 
als es die technischen Vorzüge der früheren Zeiten waren, weil sie in Schriften und 
Modellen fixiert ist, in offenen Schulen jedem Fremden gelehrt wird, durch Maschinen⸗ 
ausfuhr überall hindringt. Ebenso gingen die höheren Kenntnisse und Fertigkeiten in 
Westeuropa doch bald auf die übrigen Klassen der Gesellschaft, wenigstens teilweise, 
über. Das äußerliche Hauptergebnis der Maschinentechnik, ein steigender Kapitalüberfluß 
und sinkender Zinsfuß setzte einen erheblichen Teil des ganzen Volkes in die Lage, 
seinerseits zu Verbesserungen in der Produktion zu schreiten, einen andern, die gesamten 
arbeitenden Klafsen, höhere Löhne zu erkämpfen.
	        

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