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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

Die Entstehung des heutigen Arbeiterstandes. 343 
gewöhnung, Begabung stark differenziert; die einen waren zu geistiger, die anderen zu 
mechanischer Arbeit brauchbarer. Die Leute, die vom Gebirge nach der Ebene, vom 
Lande nach der Stadt kamen, waren und sind härter, machen geringere Lebensansprüche, 
sind aber meist auch zunächst zu feinerer Arbeit weniger tauglich. 
Die Bevölkerung wuchs teilweise seit dem 16. Jahrhundert, noch mehr seit 1750; 
sie war fast überall seither über ihren Nahrungsspielraum hinausgewachsen; für über— 
flüssige Hände Arbeit zu schaffen, war das Losungswort der merkantilistischen Politik. 
Die Hausindustrien haben überall ihre Wurzel in einem Überangebot ländlicher oder 
städtischer Arbeitskräfte, wie auch ihre neueste Zunahme (z. B. in der Konfektion rc.) 
darauf zurückgeht. Auch wo keine Großindustrie, keine große Gutswirtschaft in Betracht 
kam, mußte die Bevölkerungszunahme auf die Bildung besitzloser Arbeiter hinwirken. 
Nehmen wir als einfachsten Fall die Geschichte eines freigebliebenen Bauerndorfes mit 
fester Gemarkung. Wo 1300 noch 20 Vollhufner saßen, lebten vielleicht 1500 noch 
sz Vollhufner, 12 Viertelshufner, einige Kossäten und Taglöhner, und im Jahre 1800 
waren daraus 2 oder 3 Vollhufner, 20— 30 Viertelshufner, 50 Kleinstellenbesitzer und 
ebenso viele grundbesitzlose Tagelbhner geworden, die in den Wirtschaften der Bauern, 
in Forst-, Berg⸗, Straßenarbeit, in der Hausindustrie einen Verdienst suchen mußten. 
Auch das Handwerk hat stets, gerade wenn es blühte, in 2—8 Generationen die drei— 
und mehrfache Zahl von Kandidaten für die meist nicht stark zunehmende Zahl von 
Meisterstellen erzeugt; sie fanden von 1300—1700 in den aufkommenden Söldnerheeren, 
in Schreibstuben und Beamtenstellungen, dann auch in Hausindustrie und Fabrik ihren 
Unterhalt. Wo vollends die neuere Großindustrie erblühte und exportierte, wuchs die 
Menschenzahl sehr rasch; es schien sich jetzt so leicht eine schrankenlose Erwerbsmöglich— 
keit zu eröffnen, und man beeilte sich, von 17891870 die alten etwa noch bestehenden 
Schranken der Niederlassung und Eheschließung zu beseitigen. Alle Schichten der Ge— 
sellschaft nahmen rasch zu, und wer nicht als Bauer oder Meister, als Künstler oder 
Beamter, als Kaufmann oder Krämer eine Stellung fand, dem blieb keine andere Wahl,. 
denn als Lohnarbeiter sich eine solche zu suchen. 
Das Geldlohnverhältnis für ältere verheiratete Leute war nun nicht etwa seit 1750 
etwas ganz neu sich Bildendes. Wo schon in älterer Zeit auf Grund der Geldwirt— 
schaft eiwas größere Betriebe sich gebildet hatten, da war neben dem Lehrling und Ge— 
sellen auch ein verheirateter, geldgelohnter Arbeiterstand erstanden, dessen Glieder nur 
ausnahmsweise noch Meister oder Unternehmer werden konnten. Die Berg- und Salinen⸗ 
arbeiter und die Matrosen sind frühe Beispiele von Gruppen von Arbeiterfamilien, die 
durch Generationen Arbeiter blieben. Gerade sie waren ursprünglich zu einem großen 
Teil Glieder primitiver Arbeitsgenossenschaften gewesen, auf die wir unten kommen, sie 
hatten sich aber in dieser Form nicht dauernd ordentlich ernähren können; die Genossen⸗ 
schaften wie die einzelnen Arbeiter waren unfähig, das von ihnen hergestellte ungeteilte 
oder geteilte Produit zu verkaufen, aus ihrer Genossenschaft ein lebensfähiges Unter— 
nehmen zu machen; der Verdienst war zu ungleichmäßig; es war für die Leute ein 
groößer Fortschritt, wenn besitzende Unternehmer sich fanden, die im stande waren, ihnen, 
so lange das Geschäft dauerte, aber unabhängig davon, ob es gut oder schlecht ging, 
einen sortlaufenden Geldlohn zu zahlen. Und als in neuerer Zeit eine immer erheb⸗ 
lichere Zahl von größeren Betrieben und Anstalten der dauernden Arbeitskräfte bedurfte, 
da haben fie wohl auch noch, wie seither die kleinen Betriebe, jüngere Leute beschäftigt; 
sie haben jogar teilweise übermäßig Kinder und Frauen herangezogen, „Lehrlinge ge— 
züchtet“, — 'aber im ganzen war doch damit die Notwendigkeit gegeben, die brauchbaren 
Arbeiter Zeit ihres Lebens oder wenigstens bis ins 40., 80. Jahr im Dienst zu be— 
halten; der Geselle konnte immer seltener Meister werden. Ein breiterer Stand älterer 
verheirateter gewerblicher Arbeiter mußte in der Stadt mit dem Großbetrieb entstehen, 
wie auf dem Lande der Stand verheirateter Tagelöhner mit dem Großgutsbetrieb. 
Insofern ist es wahr, daß die größeren Unternehmer und ihr Besitz den heutigen 
Arbeiterstand schaffen halfen; man muß aber hinzufügen, die Leute waren schon da, sie 
entschlossen sich lange Jahrzehnte hindurch ungern und schwer genug, in die Fabrik
	        

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