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Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

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Bibliographic data

fullscreen: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

Multivolume work

Identifikator:
1887156356
Document type:
Multivolume work
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1900-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1887156429
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236518
Document type:
Volume
Author:
Schmoller, Gustav von http://d-nb.info/gnd/118609378
Title:
Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft
Volume count:
1.1901
Place of publication:
Berlin [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot
Year of publication:
1901
Scope:
XIII, 482 Seiten
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Grundriß der allgemeinen Volkswirtschaftslehre
  • Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung. Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode
  • Erstes Buch. Land, Leute und Technik als Massenerscheinung und Elemente der Volkswirtschaft
  • Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft, ihre wichtigen Organe und deren Hauptursachen
  • Index

Full text

146 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft. 
Gewinn erzielen will, der an die Mitglieder meist nach dem Maße ihrer Einkäufe ver— 
teilt wird. Die Vorschuß- und Darlehnskassen, wesentlich dem Handwerker⸗, Klein— 
kaufmanns;, Bauernstande entsprossen, sammeln von ihren Mitgliedern in kleinen Bei— 
trägen ein eigenes Kapital, entleihen daneben fremdes und geben damit den Genossen 
Personalkredit. Die Rohstoffgenossenschaften kaufen Roh- und Hülfsstoffe für Handwerker 
und Landwirte ein, um sie ihnen gut und billig zu liefern; sie haben auf dem Lande 
vielfach auch den Verkauf von Maschinen und Geräten übernommen. Wo sie dem 
Landwirte seine Produkte abnehmen, werden sie zu Verwertungs⸗, Kornhausgenossen⸗ 
schaften ꝛc. Die Magazingenossenschaften suchen dem städtischen Handwerker, z. B. dem 
Tischler, den Absatz ans Publikum abzunehmen. Einzelne schwierige Teile des technischen 
Prozesses, häufig einschließlich des Verkaufes, nehmen die Werkgenossenschaften den 
kleinen Produzenten, teilweise auch schon den mittleren und größeren Landwirten ab: 
so die genossenschaftlichen Mühlen und Bäckereien, die Schlächtere en, die Obstverwertungs⸗ 
vereine, die Zuchtgenossenschafien; am großartigften haben sich neuerdings die Molkerei— 
und Winzergenossenschaften entwickelt; sie konzentrieren in technisch vollendeten, gemein— 
'amen Anstalten die Butter-, Käse- und Weinbereitung und übernehmen den Vertrieb 
ür die Genossen. Die Baugenossenschaften sammeln teilweise nur Kapital, um es ihren 
Mitgliedern zum Bau zu leihen, teilweise bauen sie selbst Einzelhäuser, die sie an ihre 
Mitglieder vermieten oder verkaufen, oder große Logierhäuser, die in erster Linie ihren 
Mitgliedern zur Miete angeboten werden. Die Produktivgenossenschaften endlich gehen 
weiter, sie vereinigen eine Anzahl Schuhmacher, Schneider, Buchdrucker, Tischler, teil— 
weise auch Fabrik- und Erdarbeiter zu einem Geschäft, in welchem die Genossen allein 
oder mit Lohnarbeitern thätig sind, mit eigenem und fremdem Kapital wie andere Unter— 
nehmungen für den Markt arbeiten. 
Wenn die Produktivgenossenschaften bis jetzt am wenigsten gediehen, so ist das 
natürlich; die Leitung und Geschäftsführung, die Gefahren und die inneren Reibungen 
sind am größten, viel stärker als bei den sämtlichen anderen Formen, die nur dem 
Arbeiter seine Familienwirtschaft, dem Bauer und Handwerker sein Geschäft erleichtern 
wollen, wie die Konsum- und Vorschußvereine. Die meisten Genossenschaften sind so 
nicht ein Ersatz der bisherigen bestehenden wirtschaftlichen Organe und Geschäfte, sondern 
tur Hülfsorgane für sie. Die Genossen verlassen ihre Stellung und Lebenssphäre nicht, 
londern treten nur zusammen, um einen Aufsichtsrat und Vorsiand zu wählen; Beiträge 
zu sammeln, die Leiter zu kontrollieren. 
Die Rechtsformen, welche erst das praktische Leben und die Sitte für die Genossen⸗ 
schaften schufen, dann in Gesetzen firiert wurden, sind teils der offenen Handelsgesellschaft, 
teils der Aktiengesellschaft entlehnt. Aber der Geist war doch ein anderer, am die allen 
brüderlichen Sippen sich anschließender. Suchen wir ihn und in Zusammenhang damit 
die für Genossenschaften so wichtige Solidarhaft kurz zu charakterisieren und daran einige 
Bemerkungen über die Verfassung der Genofsfenschaften zu knüpfen. 
Die übrige Geschäftswelt, wo sie einfeitig und schroff, ohne sittliche Schranken 
dem Erwerbstriebe folgt, arbeitet mit der Losung: jeder fuͤr sich, jeder gegen seinen 
Bruder, und den letzten beißen die Hunde; die Genossenschaft mit der Losung: einer 
ür alle und alle für einen. Dort der volle Kampf ums Dasein, hier seine Aufhebung 
im Kreise der Genossen und auch darüber hinaus reelle, gerechte Gegenseitigkeit und 
Ehrlichkeit; dort der Egoismus, hier die Sympathie, dort Niederwerfung der Schwachen, 
hier Hebung und Erziehung derselben. Diese Tendenzen finden nun ihren lebendigsten 
Ausdruck in der solidarischen Haftung aller Genossen für das Geschäft. Sie setzt voraus, 
daß man sich kennt, schätzt und helfen will, sie ist voll und ganz im kleinen Kreise 
von Gleichen und Bekannien angemessen; fie gedieh stets besser in der kleinen Stadt, 
m Dorfe, im Gebirge, als im Treiben der egoistischen Weltstadt. Die Handwerker und 
leinbürger deutscher Mittelstädte, das puritanisch ernste Geschlecht der englischen Weber 
und Fabrikarbeiter im gebirgigen Nordwesten, die Elte französischer Industriearbeiter 
and Werkmeister, jetzt die rheinhessischen und westdeutschen Bauern, sie gaben den Kern 
der Bewegung, sie hatten die sittliche Kraft für die Solidarhaft. Und sie waren daneben
	        

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