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Völkerrecht und Landesrecht

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Bibliographic data

fullscreen: Völkerrecht und Landesrecht

Monograph

Identifikator:
189206295X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-239471
Document type:
Monograph
Author:
Triepel, Heinrich http://d-nb.info/gnd/117417920
Title:
Völkerrecht und Landesrecht
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
Mohr Siebeck
Year of publication:
1907
Scope:
XII, 452 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Völkerrecht und Landesrecht
  • Title page
  • Contents
  • Erstes Kapitel. Völkerrecht und Landesrecht als Gegensätze
  • Zweites Kapitel. Das Verhältniss der Rechtssätze
  • Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
  • Sachregister

Full text

277 
lich geboten sind, wenn sie nicht selbst etwa auf das Bundesrecht 
Bezug nehmen?!) Umgekehrt: wie nahe liegt nicht oft die Ver- 
muthung, dass „internationales“ Landesrecht auf der Grundlage 
völkerrechtlicher Gebote oder Ermächtigungen entstanden sei? 
Nur sehr selten ist das Gegentheil ohne weiteres selbstverständlich. 
Höchstens dann, wenn der Gesetzgeber sich auf die Aufstellung 
eines Programms für auswärtige Politik beschränkt hat, dessen 
einzelne Nummern sich nicht über das Niveau feierlicher Dekla- 
mation erheben; die pathetischen Erklärungen der ersten franzö- 
sischen Konstitutionen bieten hierfür das beste Beispiel.2?) We- 
niger klar aber ist das Verhältniss überall da, wo in einer Form, 
die an der ernsten Absicht der Rechtsquelle, verbindliche Satzungen 
aufzustellen, nicht zweifeln lässt, fremden Staaten oder ihren An- 
1) So verweist z. B. die preuss. Verordnung wegen Bildung der ersten 
Kammer vom 12. October 1854, $ 2 Z. 2 bei Einräumung der Standschaft 
an die Mediatisirten auf die Bundesakte, während die entsprechenden Ver- 
fassungsgesetze anderer Staaten, z. B. Sachsens, das Motiv verschweigen. — 
Die bequemste Form, völkerrechtsgemässes Landesrecht herzustellen, nämlich 
die schlichte Publikation eines Vertrags im Gesetzblatte, zeigt zwar am deut- 
lichsten, dass das so geschaffene Landesrecht völkerrechtlich relevant ist, 
sie lässt nur leider oft sehr im Dunkeln, was dieses Landesrecht besagen will. 
Darüber nachher mehr. 
2) Vergl. den sechsten Titel der Verfassung vom 3/14. September 1791, 
wo nach der Versicherung völkerrechtlicher Loyalität im allgemeinen, der 
Verzicht auf jeden Eroberungskrieg und auf jede Gewaltanwendung gegen 
die Freiheit eines Volkes ausgesprochen wird. (Daneben steht aber auch die 
generelle Abschaffung des droit d’aubaine und andere fremdenrechtliche Be- 
stimmungen, deren völkerrechtliche Bedeutung nicht ohne nähere Untersuchung 
geleugnet werden kann). Sodann die Verfassung vom 24. Juni 1793, in der 
die „natürliche“ Freundschaft und Allianz des französischen Volks mit allen 
freien Völkern (Art. 118), das Prinzip der Nichtintervention (Art. 119) aus- 
gesprochen, allen um der Sache der Freiheit willen aus fremden Staaten 
Verbannten Asyl verheissen, den Tyrannen aber versagt (Art. 120) und jeder 
Friedensschluss mit einem Feinde, der fa Lande steht, perhorrescirt wird 
(Art. 121), Das Vagste in dieser Richtung war die vom Abbe Gregoire dem 
Nationalkonvent in der Sitzung vom 4. florcal an III vorgeschlagene „De- 
claration du droit des gens“, die sich in genau so abstrakten Gängen bewegte 
wie die Erklärung der Rechte des Menschen und Bürgers. (Abgedruckt ist 
sie u. a. bei Leseur, Introduction. p. 147 et suiv.; vergl. über sie neuer- 
dings Nys, Etudes de droit international. p. 394 et suiv., p. 403 et 8uiv.) — 
Ob es sich hier überall überhaupt um wirkliches Recht oder um „unverbind- 
lichen“ Getetzesinhalt handelt, kann ich dahingestellt sein lassen; jedenfalls 
haben wir es, wenn das erstere zutrifft, mit völkerrechtlich irrelevantem Rechte 
zu thun.
	        

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Völkerrecht Und Landesrecht. Mohr Siebeck, 1907.
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