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Völkerrecht und Landesrecht

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Bibliographic data

fullscreen: Völkerrecht und Landesrecht

Monograph

Identifikator:
189206295X
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-239471
Document type:
Monograph
Author:
Triepel, Heinrich http://d-nb.info/gnd/117417920
Title:
Völkerrecht und Landesrecht
Place of publication:
Tübingen
Publisher:
Mohr Siebeck
Year of publication:
1907
Scope:
XII, 452 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Völkerrecht und Landesrecht
  • Title page
  • Contents
  • Erstes Kapitel. Völkerrecht und Landesrecht als Gegensätze
  • Zweites Kapitel. Das Verhältniss der Rechtssätze
  • Drittes Kapitel. Das Verhältniss der Rechtsquellen
  • Sachregister

Full text

413 
genereller oder spezieller Weisung zu versehen. Ein derartiges 
Gesetz würde auch im konstitutionellsten Staatswesen unbedenk- 
lich sein. Wenn also trotzdem der Staat den Befehl an den 
Richter sofort in die Form des Gesetzes kleidet, so ist wiederum 
das Gesetz, soweit es den Befehl enthält, nicht international 
unentbehrlich; wir werden sehen, dass der Gesetzesbefehl einem 
ganz anderen Motive entspringt als dem, die völkerrechtliche 
Pflichterfüllung zu ermöglichen. 
Wir fragen endlich: wie verhält es sich mit den Befehlen 
an die Staatsunterthanen, die der Staat aus völkerrechtlichen 
Gründen, vielleicht im Anschlusse an einen Staatsvertrag erlässt? 
Zweifellos liegt ihm sehr oft die Pflicht zu solchem Befehle ob; 
kleidet er Gebot oder Verbot in die Form des Gesetzes, so ist 
dieses natürlich unmittelbar gebotenes Landesrecht. Dagegen 
leugne ich auch hier, dass ein ohne besondere Pflicht zum Be- 
fehle selbst erlassenes Gebots- oder Verbotsgesetz als international 
unentbehrliches Recht aufzufassen sei. Das klingt wiederum zu- 
nächst sehr merkwürdig. Wenn der Staat völkerrechtlich ver- 
pflichtet ist, zu strafen — nicht bei Strafe zu verbieten, sondern 
schlechtweg zu strafen —, muss er denn hierzu nicht ausser dem 
Strafgesetze, das ihm das subjektive Strafrecht erwirbt, die Norm!) 
schaffen, welche die zu strafende Handlung verbietet, — schaffen, 
wenn er sie nicht schon im Bestande seiner Rechtsordnung besitzt, 
aufrechterhalten, wenn dies letztere der Fall ist? Ist also nicht 
nach Landesrecht ohne vorheriges Verbotsgesetz die Bestrafung 
unmöglich, weil eben nach Landesrecht keine Handlung bestraft 
werden darf, die nicht zur Zeit ibrer Begehung verboten war? 
Ist demnach nicht die Norm international unentbehrlich? Das 
scheint unwiderleglich zu sein und ist es doch nicht. Setzen 
wir einmal den Fall, der Staat habe den Satz: nulla poena sine 
lege praevia, wie z. B. das Deutsche Reich, in dem strengeren 
Sinne zum positiven Recht gemacht, dass eine Handlung nicht bestraft 
werden kann, wenn nicht bereits zur Begehungszeit das Straf- 
gesetz bestand. Nun wird der Staat durch völkerrechtlichen 
Vertrag verpflichtet, gewisse Handlungen, z. B. die Uebertretung 
der Zollgesetze des Vertragsgegners, von bestimmtem Tage an zu 
bestrafen. Aus irgendwelchem äusseren Grunde erlässt er das 
1) Ich nehme hier „Norm“ immer in dem durch Binding festgestellten 
Sinne als Gegensatz zum Strafgesetz.
	        

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Völkerrecht Und Landesrecht. Mohr Siebeck, 1907.
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