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Neueste Zeit (Abt. 3)

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Bibliographic data

fullscreen: Neueste Zeit (Abt. 3)

Multivolume work

Identifikator:
1892063557
Document type:
Multivolume work
Author:
Lamprecht, Karl http://d-nb.info/gnd/118569015
Title:
Deutsche Geschichte
Place of publication:
Berlin
Publisher:
Gaertner
Year of publication:
1891-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1892071576
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-237660
Document type:
Volume
Author:
Lamprecht, Karl http://d-nb.info/gnd/118569015
Title:
Neueste Zeit
Volume count:
Abt. 3
Place of publication:
Freiburg im Breisgau
Publisher:
Heyfelder
Year of publication:
1906
Scope:
VIII, 302 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
II. Neue Gesellschaft, neues Seelenleben
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Deutsche Geschichte
  • Neueste Zeit (Abt. 3)
  • Title page
  • Contents
  • Einleitung
  • I. Entstehung und erste Entwicklungsperiode des modernen Bürgertums
  • II. Neue Gesellschaft, neues Seelenleben

Full text

230 
242 
Zweiundzwanzigstes Buch. 
ihrer Farbe und ihrer Fußbekleidung zufiel. Darüber hinaus 
aber wurde nach geselliger Ungezwungenheit gestrebt: bei Tisch 
zab es keine peinliche Rangordnung mehr, und ein Moderner 
vermied die alte Plage hergebrachter oder gar vorgeschriebener 
Redensarten und Gespräche. Kurz: eine nicht geringe Anzaähl 
von Konventionalismen fielen, was vielfach als Erleichterung 
empfunden wurde. Aber die ganz Modernen gingen weiter. 
Sie verpönten das Kaffeehaus, den klassischen Zusammenkunfts⸗ 
ort des Rokokos, und zogen in dunkle Kneipen oder in die 
hadernde Natur bei Donner und Blitz, sie rauchten bei jeder 
Gelegenheit Tabak und kümmerten sich den Teufel darum, ob 
dadurch die „wohlriechenden Kleider der Frauenzimmer“ das 
Gegenteil ihrer Eigenschaft erhielten; sie wüteten im Theater 
bei Stücken des Sturmes und Dranges wie halb Wahnsinnige, 
und sie ersetzten in der Liebe die zierliche Phraseologie des 
anakreontischen Cupido wie ihr Objekt durch robustere Mittel. 
Der grobe Verfall einer hetäristischen Gesellschaft zog ein, und 
das Räuspern und Spucken der armen Schlucker, die sich auf 
Originalgenie eingestellt hatten, wurde zur Ungezogenheit. 
Über all diesen Begleiterscheinungen aber, ja über den 
genialischen Auswüchsen der Zeit überhaupt darf nicht übersehen 
werden, was schon die Jahrzehnte des Überganges zu dem neuen 
Zeitalter Großes und auf Jahrhunderte Unsterbliches gebracht 
haben. Eine den Zeitgenossen selbst fast ungeheuerlich erscheinende 
Weitung des Seelenlebens trat ein: ganz neue Gebiete, un— 
erforschte Regionen der eigenen Brust erschlossen sich, und unter 
dem Einflusse ihres Lebens wandelten sich auch die schon be— 
kannten seelischen Aktualitäten, indem sie sich zu bei weitem 
feineren Schattierungen ihrer bisher bekannten Entwicklung und 
Auswirkung umbildeten. Es ist der Prozeß, der recht eigent⸗ 
lich die neue Zeit einleitete, und dessen Ergebnisse dauernd er— 
halten geblieben sind bis auf heute; im nächsten Abschnitte soll 
er in wenigstens den wichtigsten Richtungen dieser dauernden 
Wirkung geschildert werden. 
Anfangs aber trat auch dies positiv Neue doch noch merk— 
würdig übertrieben auf.
	        

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Neueste Zeit. Heyfelder, 1906.
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