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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404219
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236878
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1114 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
II. Zivilrecht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • I. Rechtsphilosophie und Universalrechtsgeschichte von Professor J. Kohler in Berlin
  • II. Zivilrecht

Full text

55 
vVorbemerkung. 
Das römische Recht nennen wir nach einer Stadt, die sich im Laufe der Jahr— 
hunderte zum Universalstaate des Altertums aufgeschwungen hat. Dem deutschen Rechte 
gab ein ganzes Volk den Namen, das einer straffen Zusammenfassung stets entbehrte, 
auch in der Zeit, als es im Rahmen des heiligen römischen Reiches deutscher Nation seine 
staatsrechtliche Einheit gefunden hatte. Damit ist von vornherein ein tiefgreifender Gegen— 
satz in der Geschichte beider Rechte angedeutet. In Deutschland gebrach es an den Voraus— 
etzungen der einheitlichen und künstlerisch abgeschlossenen Ausbildung des römischen Rechts. 
Der deutschen Rechtsentwicklung fehlte ein Kristallisationspunkt, wie ihn das römische 
Recht in der urbs gefunden. Von oben her war sie fast vollständig sich selbst überlassen. 
Nie hat ein deutscher Herrscher auf die Rechtserzeugung einen so nachhaltigen Einfluß 
Zenommen, wie ihn der Papft als das Haupt einer festgegliederten Hierarchie durch seine 
Dekretalen auf die Gestaltung des kanonischen Rechts ausübte. Umsonst suchen wir in 
der Geschichte des deutschen Rechts nach einer Periode, da die Justizpflege in den Händen 
Anes absoluten Königtums und eines von ihm abhäaͤngigen Juristenstandes zentralisiert 
wurde, wie dies in England unter den normannischen Koͤnigen der Fall war. Bis zur 
Brundung des neuen Deutschen Reiches fehlte die Fähigkeit oder die Möglichkeit, im Wege 
der Gesetgebung ein einheitliches Recht zu schaffen, wie es Frankreich seit Ludwig XIV. 
durch königliche Drdonnanzen, dann unter Napoleon J. durch dessen Kodifikationen erhalten 
hatte. Miu dem hervorgehobenen Mangel kräftiger Organe einer einheitlichen Rechts— 
bildung hängt es zusammen, daß es dem deutschen Rechte nicht beschieden war, seine Ent— 
wicklung selbständig zu vollenden. Zu einer Zeit, als es seine Jugendperiode noch nicht 
überschritten hatte, seit der Mitte des fünfzehnten Jahrhunderts, wurde in Deutschland 
remdes Recht rezipiert, nämlich römisches Recht, kanonisches Recht und langobardisches 
wehnrecht. Diese bedeutungsvolle Tatsache rechtfertigt es, die Geschichte des deutschen 
Rechts in zwei Hauptperioden zu teilen: die Periode der nationalen Rechtsbildung und 
die Periode der Vorherrschaft des fremden Rechtes. Innerhalb des äalteren Zeitraums 
Anterscheiden wir wieder die germanische Rechtsbildung bis zum Abschluß der Völker— 
hnderung, die Rechtsbildung in der fraͤnkischen Monarchie und die des Deutschen Reiches 
pue zum Ausgang des Mittelalters. Eine dritte Hauptperiode wird der Rechtshistoriker 
Zukunft mit den Kodifikationen der deutschen Reichsgesetzgebung zu beginnen haben, 
ie der Herrschaft des fremden Rechtes in Deutschland ein Ende machten. 
all Die Geschichte des Rechts zerfällt nach dem Gegenstande ihrer Betrachtung in die 
* gemeine und in die besondere Rechtsgeschichte, je nachdem sie die Entwicklung des Rechts 
sae Totalität oder die Entwicklüng der änzelnen Rechtsinstitute verfolgt. Man 
—* dafür sonst von ußerer und von innerer Rechtsgeschichte zu sprechen, Ausdrücke, 
nvenig passen, weil das Ganze eines Organismus nicht mit seiner Außenseite zusammen— 
und ebensowenig die einzelnen Glieder seine innere Seite bilden 
J Auch in der Geschichte des Rechts waltet das Gesetz der allmählichen Differenzierung. 
ul Vtungen— die sich in jüngeren Perioden mit scharf ausgeprägten Gegensätzen als ver— 
iedenartige Rechtsinstitute geenüherstehen, sind in den Anfängen der Entwidlung gegen—
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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