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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404219
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236878
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 1
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1114 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
II. Zivilrecht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 1)
  • Title page
  • Contents
  • I. Rechtsphilosophie und Universalrechtsgeschichte von Professor J. Kohler in Berlin
  • II. Zivilrecht

Full text

2. H. Brunner, Quellen und Geschichte des deutschen Rechts. 189 
fertigte Sammlung angeblicher Kapitularien aus, deren Verfasser sich als Levite Benedikt 
von Mainz einführt. Das Werk ist zum größten Teile eine in kirchlichem Interesse 
unternommene Fälschung. In Italien wurde gegen Ende des zehnten Jahrhunderts eine 
Sammlung der daselbst zur Geltung gelangten Kapitularien veranstaltet, die man Capitulare 
schlechtweg oder Capitulare Langobardorum nannte. 
3. Die Formelsammlungen und Urkunden. Um Formulare für die Ab— 
fassung von Urkunden darzubieten, wurden im fränkischen Reiche zahlreiche Formel— 
sammlungen abgefaßt, juristische Privatarbeiten, die das Urkundenwesen, wie sich an ein— 
zelnen Beispielen nachweisen läßt, mitunter auf Jahrhunderte hinaus beherrschten. Unter 
ihnen seien als die wichtigsten hervorgehoben: 1. Die formulae Andecavenses, 
vermutlich das Formelbuch eines Schreibers der städtischen Kurie oder eines Gerichts- 
schreibers der Stadt Angers, aus dem Anfang des sfiebenten Jahrhunderts. 2. Die 
kormulas Mareu—lfi, von einem Mönche Markulf abgefaßt und einem Bischof Landerich 
zewidmet, der von manchen als Bischof von Paris, von anderen als Bischof von Meaux 
betrachtet wird. Die Sammlung, deren Entstehungszeit in die zweite Hälfte des siebenten 
Jahrhunderts fällt, bietet in einem ersten Buche Muster für cartas regales, in einem 
zweiten Formulare für Privatkunden, eartas pagenses. 8. Die formwulae PTuronens es, 
lünger als Markulf, aber noch der merowingischen Zeit angehörig, in Tours vermutlich 
um die Mitte des achten Jahrhunderts verfaßt. 4. Die formulae Senonenses, un— 
passend auch Appendix Marculf genannt, wahrscheinlich das Formelbuch eines Schreibers 
des Grafen von Sens. Der Grundstock der Sammlung entstand in den Jahren 768 
zis 775. 5. Die formulae Bignonianae, auf salischem Rechtsgebiete vor 775 ent— 
tanden. 6. Eine westfränkische Formelsammlung, welche Merkel zuerst herausgegeben 
hat, erst in karolingischer Zeit in einer Gegend mit dichter salischer Bevölkerung ab— 
gefaßt, aber doch schon um 775 durch einen Nachtrag aus den Bignonschen Formeln 
ergänzt und später mit weiteren Zusätzen versehen. 7. Die formulae Salicae 
Lindenbrogianaé, eine zuerst von Lindenbruch veröffentlichte Sammlung, die auf 
altsalischem Boden, vermutlich in den Gebieten an der Maas und Schelde, gegen Ausgang 
des achten Jahrhunderts entstand. 8. Die formulae imperiales, Formeln für 
Kaiserurkunden, uͤm 830 in der Kanzlei Ludwigs J. zusammengestellt. 9. Das sogen. 
Formelbuch des Bischofs Salomo IUI. von Konstanz, das der Mönch Notker der 
Stammler gegen Ende des neunten Jahrhunderts in Sankt Gallen zusammenschrieb. 
Das germanische Urkundenwesen ist aus dem spätrömischen Urkundenwesen hervor— 
gegangen, hat aber im Laufe seiner selbständigen Weiterentwicklung tiefgreifende Um— 
gestaltungen erfahren. Die Urkunden scheiden sich in Königsurkunden und Privaturkunden. 
Nur die Königsurkunden, von denen die dipliomata, capitularia, placita und indiculi 
als Rechtsdenkmäler am meisten ins Gewicht fallen, sind öffentliche, d. h. an sich beweis— 
kräftige, weil unanfechtbare Urkunden. Im Gegensatz zu den Privaturkunden können sie 
der Zeugen entbehren, eine Eigenschaft, welche die langobardische Geschichtsurkunde mit 
hnen teilt. Die Privaturkunden zerfallen in cartas und notitiae. Die carta ist kon- 
stitutive Urkunde, Geschäftsurkunde. Durch sie soll das Rechtsgeschäft, das sie beurkundet, 
nicht bloß bewiesen, sondern abgeschlossen werden. Sie wird von dem Vertragsgegner 
des Destinatärs der Urkunde, d. h. desjenigen, der sie erhalten soll, ausgestellt. Die 
Form des mittels carta abzuschließenden Rechtsgeschäftes bildei der Urkundungsakt, 
welchem die traditio cartae, die Begebung der (noch unvollständigen) Urkunde aus der Hand 
des Ausstellers in die Hand des Destinatärs, wesentlich ist. Bei der Übergabe werden 
von dem Aussteller mündliche Erklärungen über das abzuschließende Rechtsgeschäft ab⸗ 
zegeben, denen der Tert der Urkunde in dem die rechtliche Disposition enthaltenden 
Teile entspricht. Nach der Begebung der carta nehmen die Zeugen die rmstio, roboratio, 
züpulatio, die Handfestung vor, darin bestehend, daß sie die Urkunde entweder berühren 
seartam tangero) oder signieren oder unterschreiben. Die Unterzeichnung durch den Aus⸗ 
steller ist üblich;, aber nicht wesentlich. Schließlich vollzieht der Schreiber die Urkunde 
durch seine Unterschrift. Eine besondere Form der Urkundentradition bestand bei den 
Franken, Alamannen und anderen Stämmen. Hier pflegte nämlich der Aussteller die
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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