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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
II. Zivilrecht (Fortsetzung)
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

II. Zivilrecht. 
internationalen Privatrechte kann es gewohnheitsrechtliche Normen geben, wie denn in 
England das internationale Privatrecht wesentlich auf der Autorität der Präzedenzfälle 
beruͤht. Inwieweit Gewohnheitsrecht auf dem Gebiete des internationalen Privatrechts 
neben den gesetzlichen, das internationale Privatrecht betreffenden gesetzlichen Vorschriften 
gelten oder solchen Vorschriften gegenüber selbst derogatorische Kraft ausüben kann, ist 
nach den allgemeinen Vorschriften zu —D 
hälinis des Gewohnheitsrechtes zum Gesetzesrecht gelten. 
Insofern es nun früher ein gemeines, über die Grenzen der einzelnen Staaten 
hinausreichendes Recht gab, mußte auch ein allgemeines, nicht an die Grenzen des einzelnen 
Staates gebundenes Gewohnheitsrecht anerkannt werden, und in der Tat beruhen 
wichtige, jetzt auch in die Gesetzgebung aufgenommene Sätze, namentlich der Satz „locus 
regit actum“ auf solchem allgemeinen Gewohnheitsrechte. Die fortdauernde Geltung 
desselben ist anzunehmen, insofern die Gesetzesbestimmungen und die aus ihnen zu ent— 
wickelnden Konsequenzen dem Gewohnheitsrechte nicht widersprechen, das Gewohnheits⸗ 
recht also, ebenso wie ein neu entstehendes Gewohnheitsrecht, Lücken des Gesetzes auszu— 
füllen geeignet ist. 
Daneben verdient eine etwa in anderen Staaten bestehende konstante Jurisprudenz 
iber mlernationale Anwendung eines Rechtssatzes, wenn in der fraglichen Materie unsere 
Gesetzgebung mit der des Auslandes auf den Zleichen Grundlagen beruht, auch bei uns 
Beachtung. 
8 9. Provinzial-(und Lokal-Mecht innerhalbdesselben Staates 
einer“ und Gesetze auswärtiger Staaten anderseits. Die Frage, ob 
und inwieweit ein auswärtiges Provinzial- oder Lokalrecht des selben Staates an— 
zuwenden sei, ist nach denselben Grundsätzen zu beurteilen, welche für die Anwendung 
—DD schon daraus, daß, wenn z. B. 
eine bisher dem Staate 4 angehörige Provinz jetzt dem Staate B angeschlossen wird, 
dadurch an der Geltung der Privatrechtsnormen in jener Provinz nicht das mindeste 
Jeändert wird; und wenn man bedenkt, daß einerseits Provinzen und Gebiete selbst von 
sußerst verschiedener Kultur unter derselben obersten Staatsgewalt vereinigt sein können — 
sae einem Gebiete kann ja der Islam anerkannt sein, während in dem anderen das 
Christentum Staatsreligion ist —, und daß anderseits selbst der Unterschied von pro— 
binzieller Abhängigkeit und bloßer Personalunion selbständiger Staatsorganismen unter 
demselben Hetrscherhause möglicherweise im konkreten Falle sehr kontrovers sein kann, so 
ist d Zrigleit er atgegengesehten, jetzt aber wohl allgemein aufgegebenen Ansicht leicht 
einzusehen. 
8 10. Sogenannte zwingende oder Pzohibitiogesetze. Es ist un— 
richtig, mit Savigny und anderen eine Klasse von Rechtsnormen auszuscheiden, welche 
aAbsolbut die Anwendung gewisser auswärtiger Rechtsnormen ausschließen sollen, und 
ganz besonders unrichtig war es, wenn Savigny dahin gar alle Gesetze rechnen wollte, 
die auf anderen Gründen als der reinen Rechtskonsequenz zu beruhen scheinen, z. B. alle 
Gesetze, die auf nationalökonomischen Gründen beruhen, wonach denn, genau betrachtet, 
die Auwendung auswärtiger Rechtsnormen auch z. B. bei Bestimmung der Erbfolge 
absolut ausgeschlossen sein würde. Wenn ferner die französische Wissenschaft und Praxis 
die inländischen Gesetze des Ordre publie oder, wie neuerdings gesagt wird, die inlän⸗ 
dischen Gesehe des Ordre public international unbedingt unter völligem Ausschluß des 
auswärtigen, von solchen Gesetzen abweichenden Rechtes angewendet wissen will, so sind 
diese Kategotien in höchstem Grade unbestimmt. Vielmehr läßt sich von keiner auch noch 
so sehr selbst unseren sittlichen Anschauungen oder unserer Rechtsauffassung widersprechenden 
zusländischen Rechtsnorm behaupten, daß sie nicht irgend eine auch bei uns oder vor 
unseren Gerichten anzuerkennende Nach- oder Nebenwirkung haben könne. So wird die 
Polygamie nach unseren sittlichen und Rechtsanschauungen verworfen; aber eine Erbfolge, 
die fich auf eine umn Auslande rechtsbeständige Polygamie gründete, wäre doch auch bei
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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