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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
II. Zivilrecht (Fortsetzung)
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

9. v. Bar, Internationales Privatrecht. 
21 
nordamerikanischen Rechte geltenden Gewohnheitsrechte und ist erst seit dem späteren 
Mittelalter nachweisbar und ihrem Ursprung nach duf den gerichtlichen Abschluß von 
Rechtsgeschäften zurückzuführen. Die im Mitttelalter vorherrschende Form für wichtigere 
Rechtsgeschäfte war die Vornahme derselben vor Gericht“ das Gericht aber beobachtete 
seine Gesetze, die für den Gerichtsbezirk geltenden Formen, und zwar um so mehr, als 
nicht selten Rechtsgeschäfte in die Form eines Scheinprozesses eingekleidet wurden. Der 
gerichtlichen Form aber vindizierte man allgemeine Gültigkeit: „acta facta coram uno 
iudice fidom faciunt apud alium.“ 
Schon diesem Ursprunge nach ergibt sich, daß man in unserer Regel nur eine den 
Rechtsverkehr erleichternde zu erblicken, daß man ihr daher auch einen nur fakultativen 
und nicht einen imperativen Charakter beizulegen hat, und dies ist auch überwiegend 
die Meinung der Schriftsteller, und nicht selten in den Gesetzbüchern, sofern sie sich über— 
haupt darüber auslassen, und so im italienischen Gesetzbuche, ebenso aber auch im E.G. 
z. B. G. B. Art. 11 Abs. 1 ausgesprochen. Freilich wird in ber Regel bei Nichtbeachtung 
der lex loci actus zur Gültigkeit des fraglichen Rechtsgeschäfts vorausgesetzt werden 
müssen, entweder daß dasselbe ein einseitiges ist, z. B. ein holographes Testament, welches 
ein Franzose im Auslande errichtet, oder daß die beteiligten Personen demselben Staate 
angehören; denn ohne diese Voraussetzung wuͤrde entweder schon die Absicht, sich bindend 
zu verpflichten, leicht zweifelhaft sein, oder man würde z. B. bei Verschiedenheit der nach 
den heimatlichen Gesetzen der Kontrahenten geforderten Formen zu dem unbilligen Re— 
sultate kommen, den einen, nicht aber den anderen Kontrahenten fuͤr gebunden zu erklären. 
Es gibt aber auch Ausnahmen von der Regel, welche demnach die Rechtskonsequenz 
wiederherstellen. So hat dieselbe unbestrittenermaßen me gegolten für die Formen des 
Erwerbs und des Verlustes dinglicher Rechte an Immobilien und gilt der richtigen Ansicht 
nach auch nicht in dieser Beziehung für bewegliche Sachen (wie dies auch ausdrücklich 
erklärt ist im Abs. 2 des Art.117 des E.G. z. B.G. B.), während sie allerdings gegolten 
hat und gilt der richtigen Ansicht nach füͤr letztwillige Verfügungen und Erbverträge, 
insoweit die erbrechtliche Verfügung nicht als Verfügung über die einzelnen Sachen, 
sondern als Verfügung über die Gesamtheit des Nachlasses betrachtet wird (vgl. unten 
das Erbrecht). Ebenso kommt es vor, daß das im übrigen über das fragliche Verhältnis 
entscheidende Gesetz die Regel „Jocus regit actum“ ganz oder teilweise außer Kraft setzt; 
z. B. kann das in der Heimat der Beteiligten geltende Gesetz für eine im Auslade 
einzugehende Ehe gleichwohl gewisse Förmlichkeiten vorschreiben? Eine derartige Rechts⸗ 
vorschrift ist keines wega ungunig bder völkerrechtswidrig, wenn auch möglicherweise wegen 
der Schwierigkeit, im Auslande die im heimatlichen Gesetze vorgeschriebenen Formen zu 
beobachten, bedenklich, auch unter Umständen deshalb, weil daraus sehr leicht TAuschungen 
und Schädigungen hervorgehen önnen 
Nur fur die von den Gesetze des Orts der Errichtung (genauer von dem Staate, 
welcher die Autorisation verliehen hat) für einen Akt mit pubsca ßdes vorgeschriebenen 
FJormen ist jedes Geseh ooligetorish Denn ur nte Voraussetzung der Besbachtung 
ener Formen ist dem Beamten, den Notar, Konsul publica sides überhaupt verltehen 
Dagegen ist es allerdings ein Verstoß gegen die vom Gesetzgeber innezuhaltende Zu— 
tändigleitsgrenze, wenn“ der Gesetzgeber fur gewisse etwa in seinem Territorium dor— 
genommene Rechtsakte, die materiel durchaus einem fremden Gesetzgebungsgebiet an— 
gehören, die Beobachtung der in seinem Gebiete geltenden Form für obligatorisch erklärt. 
Eine solche, unter Umständen zu schweren und unlösbaren Verwiglungen Anlaß gebende 
Vorschrift sindet sich aber oet pehe Febr. 1878 8 419. im Ari. 18 des 
E. G. 3. B.G.B: „Die Form einer Ehe, die im Inlande geschlossen wird, bestimmt sich 
ausschließlich nach den deutschen Gesetzen.“ (S. unten 8 25)Form eines Rechtsgeschäfts 
ist das und nur das, was jeder beobachten kann, wenn auch beobachten muß, um seinen 
freien Willen zur Geltung zu bringen. Das Erfordernis einer fremden Zuͤftimmung, 
wenn diese rechtlich verweigert werden kann, z. B. Zustimmung des Vaters, des Vor— 
Nundes Chemanns, ist nicht Form des Rechtögeschäsran d englisch⸗nordamerikanische 
Jurisprudenz wendet ubrigens di⸗ Regel „loeus regit actum“ in einem weiteren Umfange
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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