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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Öffentliches Recht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

1. G. Anschütz, Deutsches Staatsrecht. 607 
wenden. Sie darf Vorschriften enthalten, welche den Gesetzestert im einzelnen ausführen, 
a, selbst ergänzen. Dabei ist freilich die in dem Gedankeu des Gesetzesvollzuges liegende 
Richtschnur streng innezuhalten: die Ausführungsverordnung soll den Zwed des Gesetzes 
herbeiführen helfen, nicht aber hemmen, auch nicht ihn erweitern. Sie soll wollen, was 
das veranlassende Gesetz will: alles, aber nicht mehr. 
II. 8 41. Die Justiza. 
1. Begriff. — Das Verhältnis der Begriffe „Justiz“ und „Rechtspflege“ 
ist der Unterscheidung zwischen formeller und materieller —— 
znalog. Der Begriff der Rechtspflege ist ein materieller; er entspricht dem der Gesetz— 
gebung im mat. S., der Rechtssetzung. Diese hat es zu tun mit der Schaffung und 
Fortbildung der Rechtsordnung, jene, wie der Name sagt, mit deren „Pflege“. 
Rechtspflege ist die auf die Erhaltung der Rechtsordnung gerichtete Tätigkeit; ihr 
Beruf ist es, unklares Recht zu klären, bedrohtes zu schirmen, verletztes wiederherzustellen 
und zu sühnen, überall ohne begriffliche Einschränkung auf den Rahmen des Schutzes 
ubjzektiver Rechte: auch wo solche nicht in Frage koͤmmen, wo es sich lediglich um 
die Wahrung objektiven Rechts, den Schutz der Rechtsordnung als solcher handelt, 
kann die Rechtspflege rein „dans l'intérôt de la loi“ tätig werden (man denke an die 
Jurisdiktion in Verfassungsstreitigkeiten, Entscheidung von Kompetenzkonflikten, an die 
Funktionen der Staatsanwaltschaft im gerichtlichen Verfahren). Demgegenüber ist 
Justiz“ eine formelle Kategorie: Zustandigkeit und Wirkungskreis desjenigen 
Organismus, dem die Rechtspflege vornehmlich und spezifisch, wenngleich nicht ausschließlich 
übertragen ist: der ordentlichen Gerichte. Wie bei dem Verhaͤltnis der analogen 
Begriffe auf dem Gebiete der Gefetzgebung, so entsteht auch hier, wenn man den materieuen 
und den formellen Begriff, wenn' man „Rechtspflege“ und „Justiz“ in Beziehung setzt, 
das Bild zweier sich schneidenden Kreise (oben S. 596); es gibt nicht nur Akte, welche 
eiden Kreisen angehören, materiell Rechtspflege, formell Justiz sind, sondern auch solche, 
die inhaltlich Rechtspflege darstellen, aber nicht im Justiz(ordentlichen Rechts⸗)wege ergehen 
3. B. Entscheidungen des Bundesrats bezw. der Reichslegislative auf Grund von 
R.V. Art. 76), und schließlich Justizakte, welche materiell etwas anderes enthalten 
als Außerungen der Rechtspflege (z. B. Justizverwaltungsakte). 
Die Justiz teilt mit der dritten staatlichen Grundfunktion, der Verwaltung, 
in gemeinsamer Unterscheidung von der ersten, der Gesetzgebung, die Eigenschaft der recht 
lichen Gebundenheit (s. oben S. 1735), und es gilt das hieraus sich ergebende 
Merkmal der Unterordnung unter die gesetzgebende Gewalt für die Justiz sogar in noch 
höherem Grade als für die Verwaltung, sofern die Verwirklichung des rechtssetzenden 
Willens im Einzelfalle, die Findung des Rechts, der einzige Zweck der Justiz ist, waͤhrend 
für die Verwaltung das Gesetz nicht so sehr Zweck als Schranke bedeutet, eine Schranke, 
innerhalb deren die verwaltenden Staatsorgane in oft weit bemessenem Spielraume dem 
Gemeinwohl zweckmäßig dienen, Nutzen schaffen, Schaden hindern sollen. Die Justiz ist 
also, und sie besonders, der Gesetzgebung nicht neben⸗, sondern untergeordnet. Die 
Struktur der Gewaltenteilung, wie sie in Deutschland durchgeführt ist, beruht nicht auf 
dem Gedanken der Gleichberechtigung und Ebenbuͤrtigkeit der richterlichen mit der gesetz⸗ 
gebenden Gewalt, derart, daß beide einer höheren, der verfafsunggebenden, von 
besonderen Organen auszuübenden Gewalt gleicherweise untergeordnet sind (so nach dem 
Staatsrecht der Vereinigten Staaten von Amerika). Die Verfassung ist bei uns weder 
im Reich noch in den Einzelstaaten eine Instanz, welche über dem Gesetzgeber so hoch steht 
i htli i i besten und voll⸗ 
Die staatsrechtlichen Grundlagen der deutschen Justizverfassung sind am 
ständigsten deeen ed III 88 83-94. Vgl. außerdem: v. Gerb ndb 
; Haenel, Sianisr. j 711ff.; G. 88 170 ff.; Otto Mayer, rrdeusee 
über preußisches Recht insbes. Stoelzel, Brandenburg⸗Preußens dn een r echts⸗ 
derfassung; Loening, Gerichte und —S—— in Br.⸗Preußen (Verwaltungsarchid, 
Bd. II und IIIs.
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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