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Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

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Bibliographic data

fullscreen: Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)

Multivolume work

Identifikator:
1896404200
Document type:
Multivolume work
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904-
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Volume

Identifikator:
1896404294
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-236881
Document type:
Volume
Title:
Encyklopädie der Rechtswissenschaft
Volume count:
Bd. 2
Place of publication:
Leipzig [u.a.]
Publisher:
Duncker & Humblot [u.a.]
Year of publication:
1904
Scope:
1184 S.
Digitisation:
2022
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Multivolume work
Structure type:
Chapter
Title:
IV. Öffentliches Recht
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft
  • Encyklopädie der Rechtswissenschaft (Bd. 2)
  • Title page
  • Contents
  • II. Zivilrecht (Fortsetzung)
  • III. Strafrecht
  • IV. Öffentliches Recht
  • Namen- und Sachregister

Full text

4. Alrich Stutz, Kirchenrecht. 893 
deren jede in ihrem Territorium möglichst die einzige „Zwangsversicherungsanstalt für die 
Ewigkeit“ zu sein bestrebt war. Und sie vollzog sich fast nur dem Namen und Begriff 
aach. Die sichtbare lutherische Kirche entstand bloß, um binnen kurzem tatsächlich und 
praktisch im Staat aufzugehen, indes der Staat, der nach der Erwartung der Reforma— 
toren von den Grundsätzen der Reformation sich hätte leiten lassen sollen, seinerseits je 
änger desto weniger dieser Anforderung entsprach. Eine neue, mit kirchlichen Mitteln 
erzeugte, bewußt an die Antike, unbewußt vielleicht auch an nachwirkende germanische 
Vorstellungen sich anlehnende Form des Staatskirchentums bahnte sich an. Der katho⸗ 
lische Gallikanismus erhielt sein deutsch-evangelisches Gegenstück, und beide gerieten nach 
und nach in den Dienst des machtvoll werdenden Staatsabsolutismus. 
ie Luther und die Ordination?, 1889; Rieker, Rechtliche Stellung (346); Lambert, 
Ia doctrine du ministère écclésiastigue d'après “les livres symboliques de l'église lutherienne, 
Thèse, Paris 1894; Thomas, Die Anschauungen der Reformatoren' vom geistlichen Amt, 1901; 
BIanc, L'idée de l'église d'après les reformateurs et les confeggions de foi, 1900; Einicke, 
UÜber die Verwendung der Klostergüler im Schwarzburgischen zur Zeit der Reformation, Zeitschr. des 
Vereins f. thür. Gesch., XIII, 1908; Herme tink, Geschichte des allgemeinen Kirchenguts in Württ. 
Ib. 1903, Die Anderung der Klosterverfassung unter Herzog Ludwig, Württ. Vierteljahrshefte, 
R. F. XII, 1908, Papst Klemens XII. und di⸗ Kirchengüter in protestantischen Landen, Z. f. Kg. 
XXIV, 1903: val. Pestalozzi (5 39. 2) und die Lit. zu F . 
8 49. Die theoretische Rechtfertigung der lutherischen Kirchenverfassung; 
Dreiständelehre. 
Mit den ersten Ansätzen des praktischen Landeskirchentums übernahmen die Re— 
formatoren vom ausgehenden Mittelalter gewisse Begründungen seiner Daseinsberechtigung, 
die allerdings erst durch sie größere Bedeutung erlangten. Sie sahen in der weltlichen 
Obrigkeit einmal den custos utriusquo tabulae, der beiden mosaischen Gesetzestafeln, 
also namentlich auch prioris tabulae, der ersten, welche die auf das Verhältnis der 
Menschen zu Gott bezüglichen Gebote enthält. Aus vieser custodia ließen sie eine 
dauernde, ständige Fürsorge (im Gegensatz zu dem nur gelegentlich praktisch werdenden 
ius reformandi) für die wahre Religion, die reine Lehre und den rechten Gottesdienst 
hervorgehen. Und sie erblickten in der Obrigkeit das membrum praceipuum éecclegiae, 
das vornehmste Glied der Christenheit, und verpflichteten sie als solches zum Eingreifen 
besonders in außerordentlichen Fällen. 
v. Scheurl, Das Wächteramt über beide Tafeln, in s. S. kr. A.; Sohm, Kr. 1887: 
Brandenburg, Luthers Anschauung vom Staat (8 19. 
Mit dem evangelischen Kirchenrecht wuchs aber auch eine evangelische Kirchenrechts— 
wissenschaft heran, welche diese mehr theologische Begründung durch eine juristische ersetzte. 
Diese bediente sich gleichfalls einer Anschauung, die in das ausgehende Mittelalter (Wiclif, 
huß) und durch es ins Altertum (Plato) zurückreichte, aber, wie wir schon sahen, auch 
von den Reformatoren geteilt wurde, nämlich der Lehre von den drei Ständen (triplex 
ardo hierarehieus). Nach ihr zerfiel die Christenheit in drei (zwei) Regimente oder 
Stände: a) in den status politieus, das weltliche Regiment, die christliche Obrigkeit 
zur Aufrechterhaltung des ordo politicus, b) den status éeclesiastieus, vas geistliche 
Regiment, Prediger und Theologen, denen der ordo écclesiasticus anvertraut ist und 
) in den, weil für das politische Leben nicht bedeutsam, oft übergangenen ordo oeco- 
nomicus sive domesticus, den gemeinen Mann, den Hausvaterstand, der Weib, Haus, 
dof, den ordo domesticus, regiert und dem Ganzen fuͤr Nahrung sorgt. 
ca. Fürstenau, Wiclifs Lehren von der Kirche und der weltlichen Gewalt, 1900; Köhler, Die 
altproteftantische Lehre von den drei kirchlichen Ständen, Z. f. Kr. XXI, 1886. 
.Indem mit dieser Ständelehre die geschichtlichen Tatsachen auf dreifache Art kom— 
biniert wurden, ergaben sich drei Systeme. 
1. Nach dem einen, dessen Hauptvertreter besonders die Brüder Stephani 1599 
und 1611, Reinkingk 1616, der Jurift Benedikt und der Theologe Johaun Beneditt 
Carpaov 1849 und 1696 sowie Stryk 1694 waren, stand die Kirchengewalt eigentlich
	        

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Encyklopädie Der Rechtswissenschaft. Duncker & Humblot [u.a.], 1904.
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