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Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

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Bibliographic data

fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Monograph

Identifikator:
834619415
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-77999
Document type:
Monograph
Author:
Kolb, Georg Friedrich http://d-nb.info/gnd/118564765
Title:
Handbuch der vergleichenden Statistik der Völkerzustands- und Staatenkunde
Place of publication:
Zürich
Publisher:
Meyer & Zeller
Year of publication:
1857
Scope:
1 Online-Ressource (XII, 387 S.)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen
  • Title page
  • Allgemeine Inhaltsangabe
  • Erstes Buch. Die Begründer
  • Zweites Buch. Die Gegner
  • Drittes Buch. Der Liberalismus
  • Viertes Buch. Die Abtrünnigen
  • Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit
  • Analytische Inhaltsübersicht
  • Index

Full text

592 
Fünftes Buch. Die Lehren der neuesten Zeit. 
dasselbe wie 100 Fr., die heute gezahlt werden; die Gleichwertigkeit 
wird nur wieder hergestellt, indem man auf die Wagschale, die in einem 
Jahre die 100 Fr. erhalten soll, einen Wertzuschuß legt, der Zins heißt, 
oder indem man von der Wagschale, die heute die 100 Fr. trägt, einen Bruch 
teil hinweg nimmt, der Diskont genannt wird 1 ). 
Was das Lohngesetz anlangt, nach dem der Lohn sich nach der 
Produktivität des „Grenzarbeiters“ regelt, so ist es so wenig optimistisch, 
daß es, worauf wir schon hingewiesen haben, eher das eherne Lohngesetz 
bestätigt, denn es besagt, daß der an letzter Stelle angestellte Arbeiter — 
der, nach welchem der Unternehmer weiter keinen mehr anstellt, weil 
jeder mehr angenommene ihm Verlust bringen würde — nur gerade den 
Gegenwert seiner Unterhaltsmittel erzeugt und erhält. 
Kurz, die hedonistische Schule hat kein Verteilungsgesetz und will 
auch keines haben: sie kennt keine Anteilhaber am Gesamtprodukt, 
sondern nur produktive Dienste, deren Wert sie berechnet. Die Kenntnis 
des Teiles, der in Wirklichkeit dem Kapital oder der Arbeit in jeder erzeugten 
Einheit zufällt, ist eins: etwas Anderes ist die Untersuchung, ob Kapita 
listen oder Arbeiter ungerecht behandelt werden. 
Übrigens liegt der beste Beweis dafür, daß die Hedonisten keines 
wegs das Laisser-faire befürworten, in der von ihren Führern eingenommenen 
Haltung. Allerdings hat sich die österreichische Schule ziemlich gleich 
gültig demgegenüber gezeigt, was man soziale oder Arbeiterfrage nennt * 2 )- 
Doch es war sicherlich ihr Recht, sich auf die reine Ökonomik zu be 
schränken. Aber andere Führer dieser Schule haben es sehr wohl ver 
standen, darzulegen, daß sie sich durch ihre Methode keineswegs dem 
Optimismus und dem Quietismus verschrieben hätten. Ohne von Stanley 
Jevons zu sprechen, der sich in seinem Buch „Social Reforms“ klar 
und deutlich zum Interventionismus bekennt, hat sich Walras in die 
Vorhut der Agrarsozialisten gestellt. Wenn er aus dem Bereich der Nütz 
lichkeit in den der Gerechtigkeit übergeht (er selbst hat mit großem Naeh- 
*) Diese Theorie wird nicht von allen hedonistischen Volkswirtschaftlern ange 
nommen, besonders nicht von Walkas, der sie in der vierten Ausgabe seiner Kconomie 
pure kritisiert. In neueren Werken haben sich A. Landey in IntdrSt du capital 
(1904) und Professor Ibving Fisher in The rate of interest (1907) bemüht, diese 
Theorie nicht gerade zu zerstören, aber doch sie durch eine noch tiefergehende Analy se 
der Gefühle zu verändern, die in jedem Individuum die Schätzung seines zukünftige 0 
Einkommens bestimmen. — Diese Schätzung (time preference) ist übrigens je nach 
der Vermögenslage eines jeden und noch anderer Umstände verschieden. 
2 ) Wir haben dies eben hinsichtlich der Theorie Böhm-Bawerk’s festgestellt. 
Übrigens behält auch hierin die hedonistische Schule eine der Methoden der 
klassischen Schule bei, auf die Courcelle-Seneui und Chekbuliez mit Nachdruck 
hingewiesen hatten: die Notwendigkeit, die Wissenschaft unbedingt von der Kunst, 
die reine Ökonomik von der angewandten Ökonomie getrennt zu halten. Wie 
sehr richtig sagt: das Maximum an Ophelimität kann in einer Gleichung ausgedrück 
werden, das Maximum an Gerechtigkeit nicht.
	        

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Neuere Zeit. Heyfelder, 1904.
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