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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

10. Alfred Krupp. 
23 
genossen, sondern aller seiner Landsleute zu einer Stellung sich emporzuschwingen, welche 
so hervorragend und einzigartig erschien, wie der Gußstahl der Kruppschen Fabrik selbst. 
Das war jener selbstbewußte Vertreter des Bürgeradels, welcher in seinem Frei 
heitsgefühle es verschmäht hatte, durch die Annahme der ihm angebotenen Erhebung 
in den Adelstand seinen bürgerlichen Namen mit einem anderen Glanze umgeben zu 
lassen, als der war, welcher aus der eigenen Tatkraft und Tüchtigkeit entstammte, in 
ihnen seine fortwährende Erneuerung fand. 
Alfred Krupp war von einer gewinnenden Liebenswürdigkeit. Anzertrennlich 
verband er damit jene Bescheidenheit, welche ein Kennzeichen alles tiefen Wissens ist. 
Auf jedermann machte sein Wesen einen geradezu hinreißenden Eindruck. Seinen Be 
amten und Arbeitern trat er stets als ein väterlicher Freund gegenüber. Er war ihnen 
„ein guter, edler, lieber Äcrr", wie Herr Iencke so treffend am Grabe Alfred Krupps 
ihn kennzeichnete. Das schloß freilich nicht aus, daß er von jedermann seiner Ange 
stellten unbedingten Gehorsam und strengste Pflichterfüllung verlangte. War er darin 
doch am strengsten gegen sich selbst. Tag und Nacht beherrschte ihn die Sorge um 
das Gedeihen seiner großen Schöpfung. Tatsächlich verwandte er bis in die letzten 
Lebensjahre hinein schlaflose Stunden der Nacht zur Arbeit. An seinem Bette befand 
sich beständig ein Schrcibapparat mit Papier und riesigen Bleistiften, so daß er jeden 
Gedanken sofort fixieren konnte. Am anderen Morgen fanden die Bogen, in seinen 
energischen, großen, charakteristischen Schriftzügen seine Fragen, Befehle, Anregungen 
und Erörterungen enthaltend, ihren Weg in die Fabrik. Läufig und gern fügte er 
Konstruktionsskizzen bei, die er mit rascher und sicherer Land hinzuwerfen wußte. 
Wer von seinen Arbeitern sich den Satzungen und Geboten der Fabrik nicht 
fügen wollte, den traf unerbittlich Strafe und in schlimmen Fällen die Ausschließung. 
Denn das großartige Getriebe des Werkes erforderte die peinlichste Aufrechterhaltung 
und Beobachtung der Ordnung. Wie sehr Alfred Krupp auf der andern Seite ein 
Lerz für jeden seiner Arbeiter hatte, braucht hier nicht hervorgehoben zu werden. 
Laut bezeugen das die fürsorglichen Einrichtungen, die er als der Erste unter den deutschen 
Fabrikhcrrn schon zu einer Zeit ins Leben rief, da er selbst den Schwierigkeiten seiner 
Lage noch keineswegs enthoben war. Das würden auch viele Tausende seiner Arbeiter 
und Beamten persönlich bezeugen können, die sich niemals vergebens an ihn wandten, 
wenn sie ein besonderes Anliegen hatten und bei ihrem Lerrn vertrauensvoll Rat, 
Lilfe oder Anterstützung suchten. Diejenigen seiner Angestellten, welche länger auf der 
Gußstahlfabrik beschäftigt waren, kannte er alle von Angesicht zu Angesicht. Noch bis 
in die achtziger Jahre hinein pflegte er oft selbst in den Werkstätten zu erscheinen, um 
sich persönlich davon zu überzeugen, wie dieser oder jener Auftrag ausgeführt wurde. 
Als er schon längst seine Wohnung auf dem „Lüget" bei Bredeney, anderthalb Stunden 
von Essen, bezogen hatte, konnte nmn ihn fast täglich früh morgens zur Fabrik reiten 
sehen. In seiner dunkelgrauen Klappmütze, seinem eng anschließenden Zacket und den 
hohen Reiterstiefeln hätte man den großen schlanken Mann mit dem scharfen Auge 
und den feingeschnittenen geistvollen Zügen, mit der jugendlich elastischen Laltung, die 
den weißen Bart Lügen zu strafen schien, eher für einen eleganten Edelmann vom 
Lande gehalten, als für den Beherrscher jenes großartigen Gemeinwesens, welches 
der Prinz Napoleon im Jahre 1867 nicht unrichtig als einen „Staat im Staate" 
charakterisiert hatte. 
Der „Staat im Staate", dazu hatte sich die Essener Gußstahlfabrik in der Tat 
unter des Meisters scharfblickendem Verstände und einem unvergleichlichen Organisations 
talent in Zeit von kauin zwanzig Jahren enttvickelt. Aber dieser Musterbau der Technik 
nahm nicht, wie der Napoleonide befürchtet hatte, eine Sonder- oder partikularistische 
Stellung dem Gesamtstaat gegenüber ein, sondern fügte sich als ein lebendiges Glied 
eng dem politischen und kommunalen Organismus an, aus dem er hervorgegangen war.
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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