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Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

482 
Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in Amerika. 
Diese Agenten erhalten von den Verwaltungen für die Transporte, die sie ihnen 
zuweisen, vielfach gewisse Anteile an der Fracht, und es kommt ihnen nicht viel darauf 
an, auf wie hoch sich die Fracht fiir diese von ihnen angeworbenen Güter stellt. Sie 
jagen daher ein jeder für seine Linie dem andern rücksichtslos die Transporte ab und 
sind auch selbstverständlich sehr geneigt, von den Verfrachtern dafür, daß sie ihnen die 
Fracht recht billig berechnen, kleine oder große Trinkgelder anzunehmen, auf diese Weise 
also ein doppeltes Geschäft zu machen. 
Linker derartigen Mißständen leidet hauptsächlich und in erster Linie der anständige, 
ehrenhafte Geschäftsmann. In Chicago beispielsweise bestehen neben den öffentlichen 
auch im Privateigentum befindliche Getreidespeicher. Die ersteren haben richtige, die 
letzteren unrichtige Wagen, deren Gewichtsangaben gleichwohl von einigen Eisenbahnen 
als richtig angenommen werden. Nun hat sich nach und nach herausgestellt, daß die 
Getreidehändler, die auf den Privatspeichern ihre Ware lagerten und von diesen zuin 
Versand brachten, erheblich billigere Preise stellen konnten als ihre Mitbewerber, die 
sich der öffentlichen Lagerhäuser bedienten. Auf die Dauer können letztere einen solch 
unehrlichen Mitbewerber nicht aushalten, sic sind gleichsam genötigt, zu denselben 
Mitteln zu greifen, wodurch das ganze Geschäft geradezu entsittlicht wird. Bei einer 
in Chicago angestellten Llntersuchung sind kaum glaubliche Tatsachen ermittelt, Fracht 
hinterziehungen für Gewichtsmengen von 8, 10, ja 15 Tausend Pfund bei einer einzigen 
Wagenladung berechnet worden. Ein Wagen der Chicago- und Northwestern Eisen 
bahn sollte 21600 Pfd. Kleie enthalten; die Fracht war vorausbezahlt. Beim Über 
gang auf eine andere Bahn wurde er nachgewogen; das wirkliche Gewicht betrug nicht 
weniger als 45500 Pfd., also war die Fracht für 23900 Pfd. von Chicago bis 
zur Llmladestation „gespart". 
Auch bei vielen anderen Frachtgegenständen, bei Vieh, Fleisch, Speck u. dgl. 
sind ähnliche Dinge vorgekommen. Besonders zahlreich sind auch die falschen Inhalts 
angaben der Stückgüter. An einem einzigen Tage, dem 29. Februar 1888, wurden 
auf den Bahnhöfen in Chicago und St. Louis 14 Fälle falscher Inhaltsangaben 
ermittelt, indem die einer höheren Klasse angehörigen Artikel als unter eine niedrigere 
fallende fälschlich angegeben waren. So waren z. B. Glaswaren (Klasse 1) bezeichnet 
als irdene Ware (Klasse 4), Drucksachen (Klasse 1) als Druckpapier (Klasse 3), Spiegel 
glas (Klasse 1) als Fensterglas (Klasse 4) u. dgl. Als Inhalt eines Wagens waren 
Äolzwaren angegeben. Die Untersuchung ergab, daß er zahlreiche andere Gegenstände, 
als Bürsten, Drogen, Pappsachen, ja sogar ein Zimmerharmonium enthielt. Die 
Frachthinterziehung belief sich für diesen Wagen auf etwa 1800 Dollars. 
Einen weiteren Mißstand bildet der Fahrkartenhandel auf den amerikanischen 
Bahnen, das sog. „Skalpiergeschäft" (man bezeichnet die Fahrkartenhändler mit dem 
Ausdruck: Ticket scalpers). 
Die Skalper sind wohl zu unterscheiden von den, von den Eisenbahnen selbst 
angestellten Fahrkartenhändlern, die im Auftrage der Bahnen die Fahrkarten zu 
denselben Preisen wie die Bahnen verkaufen. Die Skalper verkaufen billiger als die 
Bahnen. Ihr Gewerbe besteht darin, daß sie einmal von den Eisenbahnen die für 
längere Reisen, für Rückfahrten, zu ermäßigteil Preisen ausgegebenen Fahrkarten, 
ferner die Zeitkarten, die Tausendincilenkarten usw. erwerben und dann Teile dieser 
Karten für Einzelreisen wieder an das Publikum abgeben. Wenn sie sich von den 
Reisenden auch ein Aufgeld hierfür geben lassen, so können sie doch immer geringere 
Preise stellen als die Bahnen. Ferner erwerben die Skalper von dem Publikum 
unbenutzte Rückfahr- und sonstige ermäßigte Karten zu geringerem Preise, die sie dann 
mit Nutzen weiterveräußern und dabei doppelten Gewinn erzielen. Besonders sind 
sie stets bei der Land, wenn bei Tarifkriegen die Eisenbahnen Massen von Karten 
zu Schleuderpreisen auf den Markt werfen. Da blüht so recht ihr Weizen, denn
	        

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Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
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