Digitalisate EconBiz Logo Full screen
  • First image
  • Previous image
  • Next image
  • Last image
  • Show double pages
Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Access restriction


Copyright

The copyright and related rights status of this record has not been evaluated or is not clear. Please refer to the organization that has made the Item available for more information.

Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute

Monograph

Identifikator:
879457236
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-16989
Document type:
Monograph
Title:
Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
Place of publication:
Frankfurt a. O.
Publisher:
Verlag der Waldow'schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler)
Year of publication:
1905
Scope:
1 Online-Ressource (XV, 514 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. — Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Lesebuch für Kaufleute
  • Title page
  • Contents
  • Erster Teil. — Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. — Handel
  • Dritter Teil. — Industrie
  • Vierter Teil. — Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. — Verkehrswesen
  • Sechster Teil. — Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Autorenverzeichnis
  • Index

Full text

78 Zweiter Teil. Lande!. III. Zur Geschichte von Lande! und Industrie. 
noch haushälterisch und sparsam, bald nach dem Kriege aber tadelt ein Besucher ihre 
„Pracht, Üppigkeit und stolze Selbstüberhebung". And in den achtziger Jahren klagt der 
Bürgermeister der übrigens doch reichen und durch den Seehandel hervorragenden 
Landelsstadt: „In 8iimma: Pracht und Losfahrt nimmt zu, und im Gegenteil nimmt 
Landel, Wandel und Nahrung leider sehr ab". Daß aber eben bei niedergehenden 
wirtschaftlichen Verhältnissen doch der Luxus zunahm, das lag zum größten Teil an 
dem Einfluß des höfischen Glanzes, der auf unsolidesten Grundlagen und in ver 
schwenderischster Weise von den Fürsten und Lerren des Zeitalters der Perücke ent 
faltet wurde. Was „bei Lose" galt, das wurde das Ideal aller übrigen Einwohner. 
And so suchte der höhere Bürger, insbesondere der größere Kaufmann, auch seinerseits 
das möglichste in äußerlichem Prunk zu leisten. 
Das Äußerliche war überhaupt für diese Zeit entscheidend. Rang, Titel und 
äußeres Benehmen gaben allein die Möglichkeit, dem ersehnten Eldorado, dem Lose, 
nahe zu kommen. Nicht darin erblickte der führende Teil des Bürgertums die Auf 
gabe, die gesunkenen bürgerlichen Kräfte zu heben, nicht Selbstachtung und Stolz auf 
seine Tätigkeit wohnten in ihm, sondern ein wahnwitziges Streben nach oben, eine Sucht, 
eben nicht „bürgerlich" zu heißen und zu leben, sondern sich von dem Pöbel, der 
Kanaille zu unterscheiden. Anter solchen Einflüssen mußte das Streben reicher Kauf 
leute nach dem Adel in den Jahrzehnten nach dem Dreißigjährigen Kriege noch außer 
ordentlich zunehmen. Zu berücksichtigen ist dabei allerdings, daß in den großen Landels- 
städten eine hochfahrende Geschlechteraristokratie ja seither bestand. Diese Geschlechter 
wurden, in Nürnberg z. B., jetzt so exklusiv, daß sie den Landel, doch die Grundlage 
ihrer ererbten Stellung, als unehrenhaft betrachteten. Anderswo aber bildeten gerade 
die vornehmen Kaufleute den neuen Stadtadel, der sich sein Wappen und seinen Adels 
brief jetzt leicht vom Kaiser holen konnte. Nach dem Dreißigjährigen Kriege wurden 
trotz des Protestes des alten Adels immer zahlreicher die Adelsbriefe erteilt, natürlich 
wegen der Einnahmen, die der Kaiser daraus bezog. Äbrigens nahmen an diesem 
eitlen Laschen nach dem Adel die Kaufleute der großen Lansestädte, wie Lamburg, 
nicht teil. Am meisten taten sich aber darin die in Breslau und Prag hervor. Gerade 
diese Kreise waren es naturgemäß, die jenen ungesunden Luxus am meisten übertrieben. 
Wir hören wohl von diamantenen Schlössern, die ihre Frauen auf den Schuhen trugen. 
Aberall suchte man es der Vornehmheit der Lofgesellschaft gleichzutun, kam dabei 
freilich zuweilen zu ergötzlichen Dingen, wie z. B. der Lehrling oder der Markthelfer, 
in Livree gesteckt, als Lakai benutzt wurde. And rechten Respekt konnte sich der neu 
geadelte Kaufmann selbst in dieser so devoten und kriecherischen Zeit bei den Leuten auch 
nicht erwerben, hörte vielmehr oft Spott und Lohn über die unsolide Lcrkunft seines Geldes. 
Wurde aus dem vornehmen Kaufmann zum Teil eine Karikatur des höfischen 
Kavaliers, so wurde aus dem mittleren Kaufmann und dem Krämer der elendeste und 
servilste Spießbürger. Sein Lorizont wurde so beschränkt wie möglich, auch ihm ging 
die Sonne nur an seinem kleinstaatlichen Lose auf, seine Anschauungen wurden eng 
herzig und philisterhaft, seine Moral aber sehr wenig achtungswert. Latte der Groß 
kaufmann nur allzuoft durch Fortsetzung der bereits besprochenen Monopolwirtschaft 
und Wuchergeschäfte und weiter durch die gewissenlose Ausnützung des Münzelends, 
durch die „Kipperei und Wipperei" selbst in dieser niedergehenden Zeit Reichtümer zu 
erwerben verstanden, so pflegte der kleine Ländler nicht selten mit falschem Maß und 
Gewicht, mit verfälschten Waren zu hantieren. Der betrügerische Zug, den die sattrischen 
Sttmmen des 16. Jahrhunderts bereits gelegentlich bei dem Krämer hervorhoben, wird 
jetzt teilweise sehr bedenklich. Wie ein Teil des gesamten Bürgertums, so verkam auch 
ein großer Teil der Kaufleute moralisch. 
And dieses minderwerttge Bürgertum hatte auch jede Stellung im absoluten 
Staate verloren. Neben dem Losadcl und dem Offizier konnte der Bürger nur noch
	        

Download

Download

Here you will find download options and citation links to the record and current image.

Monograph

METS MARC XML Dublin Core RIS Mirador ALTO TEI Full text PDF EPUB DFG-Viewer Back to EconBiz
TOC

Chapter

PDF RIS

This page

PDF ALTO TEI Full text
Download

Image fragment

Link to the viewer page with highlighted frame Link to IIIF image fragment

Citation links

Citation links

Monograph

To quote this record the following variants are available:
URN:
Here you can copy a Goobi viewer own URL:

Chapter

To quote this structural element, the following variants are available:
Here you can copy a Goobi viewer own URL:

This page

To quote this image the following variants are available:
URN:
Here you can copy a Goobi viewer own URL:

Citation recommendation

Volkswirtschaftliches Lesebuch Für Kaufleute. Verlag der Waldow’schen Buch- und Kunsthandlung (R. Wengler), 1905.
Please check the citation before using it.

Image manipulation tools

Tools not available

Share image region

Use the mouse to select the image area you want to share.
Please select which information should be copied to the clipboard by clicking on the link:
  • Link to the viewer page with highlighted frame
  • Link to IIIF image fragment

Contact

Have you found an error? Do you have any suggestions for making our service even better or any other questions about this page? Please write to us and we'll make sure we get back to you.

What is the first letter of the word "tree"?:

I hereby confirm the use of my personal data within the context of the enquiry made.