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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

114 Zweiter Teil. Handel. IV. Handelskrisen. 
leichtsinniger Überschätzung der eigenen Mittel geschah. Gefälligkeit im Schulden 
übernehmen ist jedoch keine Tugend des Handels. 
Von Hamburger Häusern — man würde unrecht tun, zu sagen von Hamburg 
— und ihren Kommanditen wurde der Wechselmißbrauch besonders stark in allen Ab 
stufungen getrieben. Äußere Verhältnisse, welche die Schuld der Schuldigen begreif 
licherweise nicht aufheben, geben hiefür einen Erklärungsgrund: der von Hamburg 
nach allen Teilen der Welt ausstrahlende Handelsverkehr, die bisherige seit 60 Jahren 
allen Stürmen trotzende Solidität des Platzes, die Abwesenheit aller sonstigen pa 
pierenen Wertzeichen, die Abwesenheit einer zentralen, auch den Kreditmißbrauch der 
größten Häuser zeitig wahrnehmenden Kreditanstalt, die Basierung des Wechselgeldes 
auf die unabänderlich gleiche reine Silbervaluta des Bankogeldes verliehen dem 
Hamburger Wechsel eine Gesuchtheit, eine Umlaussweite, einen ausschließlichen 
Spielraum und eine Kontrollelosigkeit, welche ebenso die Verführung zum Mißbrauch 
als die Größe des letzteren erklären. 
Überall beweist die Krisis, daß der Wechsel in weit höherem Grade als der 
Bankzettel zur Fiktion von Kapitalien mißbraucht worden ist. Man darf sogar 
sagen, daß nur in Amerika, wo vermöge der Dezentralisation des Bankwesens und 
der Weite aller Verkehrsverhältnisse der Zettel faktisch die Rolle eines reinen Wechsels 
annimmt, der Zettel zur Kapitalfiktion mißbraucht worden ist. 
Im Bankwesen hat sich vielmehr als das gefährlichste Element das verzinsliche, 
zu gewagter Anlage in Diskont und Darlehen treibende Depositum von kurzer Kün 
digung erwiesen. Nicht als imaginäres, sondern als höchst reelles Kapital entflieht 
es den Banken gerade in der Not, sobald der leiseste Hauch des Mißtrauens weht. 
Doch trat in der Krisis an hervorragenden Beispielen auch die Erscheinung auf, daß 
gutbeglaubigte Bankinstitute großen Depositenzufluß erhielten, welcher durch ihre 
Vermittlung ein sehr wertvoller Helfer in der Not geworden ist. 
Nichts hat, um es schließlich zu sagen, so gründlichen Bankerott gemacht als 
der doktrinäre Absolutismus der ökonomischen Theorie und 
Praxis. Während man in Europa in Doktrin und Gesetzgebung dem Phantom 
der Zettelüberschwemmung als einziger Gefahr nachjagte, schuf die Wechselreiterei 
Hunderte von Millionen fiktiver Werte; während die Aktiengesellschaften alles 
ruinieren sollten, überließ sich die Privatindustrie im Handel, welcher seiner Natur 
nach von je die individuelle Wirtschaftsform vorherrschend für sich hat wählen müssen, 
Übertreibungen aller Art und brachte die Krisis auf den Gipfelpunkt; während die 
absoluten Freihändler der Hansestadt und der skandinavischen Plätze um Staats 
unterstützung auf den Knieen lagen, mußten die büreaukratisch gescholtenen Re 
gierungen Frankreichs und Preußens das Prinzip der selbstverantwortlichen Frei 
heit im Handel vertreten; während die Notendeckung der Bank von England als die 
stärkste Seite des Institutes erschien, machte gerade sie Fiasko; während bisher die 
großen Bankinstitute einander in blindem Nachahmungstrieb die geringsten Zins 
fußänderungen nachmachten, emanzipierten sie sich diesmal mit Erfolg und ließen 
— bloß nach den konkreten Verhältnissen des heimischen Geldmarktes sich richtend 
— wochenlang Differenzen von 4 % im wechselseitigen Bankzins bestehen. Die Bei 
spiele ließen sich häufen, in welchen die absolute Doktrin, der theoretische und 
praktische Schlendrian, vor den Erfahrungen und Notwendigkeiten der Krisis zu 
Schanden geworden sind. Auf dem Gebiete der Öffentlichkeit scheint uns vor 
allem die Aufgabe der wirtschaftlichen Gesetzgebung und Verwaltung zu liegen. 
Wenn der Staat im Zivil- und Handelsrecht, in der Gewerbeordnung, in der Ge 
werbekonzession, in der Beförderung und rechtzeitigen Veröffentlichung der volks 
wirtschaftlichen Statistik die ganze volkswirtschaftliche Bewegung in den durchsichtigen 
Spiegel der Öffentlichkeit zu reflektieren trachtet, auch wo es unbequem ist, so unter-
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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