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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

208 Zweiter Teil. Handel. VIII. Der Wettbewerb im Handel rc. 
welche gewerkschaftlichen Vereinigungen angehören. Vermag der Gewerkoerein auch 
nicht, selbst bei aufsteigender Konjunktur, mit absoluter Sicherheit die Löhne zu 
erhöhen, so kann er doch Lohnherabsetzungen ungemein erschweren. Kein Arbeit 
geber wird leichten Herzens wagen, die Löhne herabzusetzen, wenn ihm eine wohl 
organisierte Arbeiterschaft, insgesamt von dem Bestreben beseelt, in ihrer Lebens 
führung fortzuschreiten, gegenübersteht. Bereits erreichte Vorteile, an deren Genuß 
man sich gewöhnt hat, wieder zu verlieren, bedeutet für die meisten Menschen ein 
weit empfindlicheres Opfer, als etwa auf eine vielleicht mögliche Verbesserung ganz 
zu verzichten. Mit der Stärke des Opfers wächst der Widerstand. Der Arbeitgeber 
muß sich darauf gefaßt machen, daß die Arbeiterschaft eine geplante Herabsetzung 
der Löhne bis aufs äußerste bekämpfen und ihre Lebenshaltung mit größter Zähigkeit 
zu bewahren trachten wird. überdies wird ein gegen Lohnherabsetzungen geführter 
Kampf in der öffentlichen Meinung, auf die heute doch viel ankommt, leicht mehr 
Sympathien zugunsten der Arbeiter als der Arbeitgeber hervorrufen. 
Mit Hilfe der Gewerkvereine ist es englischen Arbeitern sogar gelungen, trotz 
der Preisermäßigungen, welche durch die überseeische Konkurrenz und die Frei- 
handelspolitik in den wichtigsten Lebensbedürfnissen eingetreten sind, und die an Be 
deutung die Verbilligung durch die Konsumvereine erheblich überragen, die Lohnbe 
wegung in aufsteigender Linie zu erhalten. 
Die Kritik der Konsumvereine hat an andern Punkten einzusetzen. Zuerst ist 
geltend zu machen, daß die unteren Schichten der Arbeiterklasse, wie an freien Orga 
nisationen überhaupt, so auch an den Konsumvereinen gar nicht oder nur in geringem 
Maße beteiligt sind. „Menschen, die unter einer gewissen Lebenshaltung oder isoliert 
leben"', schreibt treffend Frau S. Webb, „Bevölkerungen, welche unausgesetzt ihren 
Wohnort wechseln und ihre Beschäftigung ändern, sind unfähig zur freiwilligen 
Assoziation, sei es als Konsumenten, sei es als Produzenten. Dies von der „Hand 
zum Mund"-Leben des unregelmäßig beschäftigten Arbeiters, die physische Apathie 
des Opfers des Schweihtreibers, die Gewohnheit des Vagabundierens und die unge 
regelten Wünsche des Straßenhausierers und der bunt durcheinander gewürfelten Be 
wohner des gewöhnlichen Logierhauses, — kurz die Rastlosigkeit und tödliche, aus 
Mangel an Nahrung entstehende, durch Nichtstun gemilderte oder durch körperliche 
Erschöpfung noch erhöhte Müdigkeit gestatten in dem einzelnen Individuum ebenso 
wenig wie in der ganzen Klasse, die Eigenschaften zu entwickeln, die zur demokratischen 
Geno enschaft und demokratischen Selbstregierung notwendig sind." 
Zweitens bleibt zu beachten, daß der Konsumverein nur denjenigen Teil des 
Arbeuerkonsums zu verbilligen imstande ist, in bezug aus welchen der Arbeiter ohne 
Dazwischentreten des Konsumvereines vom Detailhandel abhängig wäre. Der 
Arbeiter bedarf aber auch einer Wohnung, er bedarf Gas und Wasser, er bedarf 
Transportleistungen usw. 
Wenn in bezug auf die Beschaffung billigerer und besserer Wohnungen auch 
die Konsumvereine selbst nicht eingreifen, so haben doch immerhin die Bau- und 
Sparvereine, deren es 1907 681 mit 129 232 Mitgliedern im Deutschen Reiche gab, 
schon schöne Ergebnisse erzielt. 
Unter diesen Umständen wird sich die Kritik, die an der Wirksamkeit der 
Konsumvereine zu üben ist, hauptsächlich gegen den Versuch aussprechen müssen, die 
Konsumgenossenschaftsbewegung in den Dienst parteipolitischer Zwecke zu spannen. 
An und für sich sprechen dieselben Gesichtspunkte, welche eine parteipolitisch-neutrale 
Gewerkschaftsbewegung verlangen, auch für die neutrale Haltung der Konsumvereine. 
Obwohl besorgniserregende Erscheinungen in dieser Hinsicht leider nicht fehlen, 
wird selbst derjenige, der den Genossenfchaftsidealen kritisch gegenübersteht, zugeben 
müssen, daß der Gedanke der freien genossenschaftlichen Vereinigung zu den sozial-
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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