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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Zweiter Teil. Handel
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

306 
Zweiter Teil. Handel. XII. Bankwesen. 
bei Deckung des ersten Geldbedarfs für Kriegszwecke zu erfüllen. Die Banken können 
zwar nicht aus ihren eigenen Kapitalmitteln, die auch in Kriegszeiten wirtschaftlichen 
Zwecken ihres Landes zu dienen haben, die Kosten eines Krieges bestreiten; aber die 
Banken find es, die dem ersten Anlauf zu begegnen und für die Aufrechterhaltung 
des Kredites, wenn auch nicht des Staates, so doch ihres Landes zu sorgen haben, 
und die Banken sind es, die den sich zu Kriegszeiten ganz anders als in Friedens 
zeiten gestaltenden Geldbedarf in die neuen Wege hinüber zu leiten haben. 
Und wie sieht es nun im übrigen speziell mit der deutschen wirtschaftlichen 
Rüstung für den Kriegsfall aus? Um dem sich sofort nach Ausbruch eines Krieges 
geltend machenden Bedarf nach vermehrten Umlaufsmitteln — barem Gelde — zu 
begegnen, steht der Regierung zunächst der im Juliusturm in barem Gelde auf 
bewahrte Kriegsschatz zur Verfügung. Von vielen Theoretikern wird dieser Kriegs 
schatz für eine ganz armselige Summe Geldes gehalten im Vergleich zu den enormen 
Kriegskosten, die Deutschland schon während der Dauer weniger Wochen und Monate 
aufzuwenden haben wird. Dennoch wird in der Praxis auch diese Reserve ein sehr 
willkommener und nicht unbeträchtlicher Faktor zur Neuregulierung des heimischen 
Geldmarktes sein. Man muß bedenken, daß Deutschland heute im Gegensatz zu 
früher vermöge seiner weitverzweigten und mächtigen einheimischen Industrie und 
Produktion alle seine ersten Anschaffungen für Kriegsbedarf — vielleicht mit Aus 
nahme der zu schonenden Bestände an Getreide und Vieh — im eigenen Lande 
machen kann und wird. Dadurch fließt ein großer Teil der im ersten Anlauf be 
nötigten Geldmittel alsbald wieder ins eigene Land zurück, und für diesen ersten 
Anlauf bedeutet das bare Geld aus dem Juliusturm schon sehr viel. 
Das Hauptreservoir aber, aus dem ein vorübergehend größerer Geldumlauf 
entnommen werden kann, bildet die Deutsche Reichsbank. Ihr festes, sich über das 
ganze Reich ausdehnendes Gefüge, welches jeden, auch den kleinsten Teil des wieder 
zurückströmenden Geldes auffängt und in die Erscheinung bringt, und der große, seit 
1872 angesammelte Goldvorrat gestatten der Reichsbank eine im Kriegsfall wesentlich 
zu erweiternde Notenausgabe, ohne daß dadurch eine Gefährdung der Reichsmark-- 
währung in Frage kommen kann. 
Auch eine nationale Pflicht aller wird es allerdings im Kriegsfall sein, die 
Reichsbank vor einem fühlbaren Goldabfluß nach dem Auslande zu bewahren, wie 
er ja z. B. durch das Zurückströmen größerer Mengen deutscher Fonds aus dem 
Ausland herbeigeführt werden könnte, wenn diese Fonds nicht willige Aufnahme von 
seiten deutscher Kapitalisten finden; diese müssen den Gegenwert durch Verkauf fremd 
ländischer Fonds im Auslande beschaffen. 
So bedauerlich es im Hinblick aus den Kriegsfall ist, wenn einheimische Renten 
zu Friedenszeiten in größeren Mengen ins Ausland fließen, so wenig läßt sich dieses 
vermeiden, — ein Korrelat hierzu bildet aber die häufig mit Unrecht angefochtene 
Plazierung ausländischer Anleihen in Deutschland, — und übrigens ist zu erwarten, 
daß Deutschland auch nn Kriegsfall im Auslande so guten Kredit und so viel Ver 
trauen zu seinen Renten behallen wird, daß es sich auch hierbei vor allem um das 
Parieren der ersten Angriffe auf den Markt der deutschen Renten handeln wird. 
Die der Deutschen Reichsbank innewohnende Elastizität wird für die Neu 
regelung des Geldverkehrs im Kriegsfall unser vornehmstes Rüstzeug sein. Aber 
auch sie wird ihre Aufgabe nicht erfüllen können, wenn ihr nicht eine „starke" Börse 
zur Seite steht, die imstande ist, auch im Kriegsfall große Umsätze für die deutschen 
Kapitalisten zu vermitteln und den Uberschuß der vorliegenden Aufträge auf dem 
Wege der Arbitrage mit dem Auslande zur Ausführung zu bringen. Es ist daher 
nicht minder eine „nationale" Pflicht der Regierung und der gesetzgebenden Fak 
toren, für die Wiederherstellung starker deutscher Börsen zu sorgen und nicht zu
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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