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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Dritter Teil. Industrie
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

366 Dritter Teil. Industrie. I. Allgemeines und Grundsätzliches. 
mehr und lebten besser als ich; so ging es fast 25 Jahre fort mit Sorgen und mühe 
voller Arbeit, und als ich dann eine größere Zahl von Leuten beschäftigte, war den 
noch mein Vermögen geringer, als was heute mancher Arbeiter der Gußstahlfabrik 
besitzt. Es waren alle sehr brave Leute, mit denen ich die Arbeiten begonnen und 
durchgeführt habe. Allen, von denen viele bereits in die Ewigkeit hinübergegangen 
sind, habe ich meinen vollen Dank für ihre Treue bewahrt. Jene aber, die ich von 
der Herde, vom Pflug, als tüchtige Handwerker, als Arbeitslose von allen Pro 
fessionen oder als Kinder von Witwen angenommen habe, traten bereitwillig bei 
mir ein, weil sie ihr Los verbesserten, und sie haben in den meisten Fällen auch 
dafür ihren Dank gerne ausgedrückt. Mancher von ihnen ist ein wohlhabender Mann 
geworden. (Viele Ältere, Meister und Arbeiter, die zum Teil schon vor ca. 46 Jahren 
bei mir eingetreten sind, genießen schon seit lange ihre Pension; andere arbeiten noch 
mit voller Kraft und alter Treue.) 
Den Leuten, die ich gebraucht habe, habe ich ihren Lohn gezahlt, meistens 
ihre Stellung verbessert und nach gesetzlichen Bestimmungen den Kontrakt ver 
längert oder sie entlassen. Mancher verlieh die Fabrik, um anderswo sich zu ver 
bessern, der eine ist gegangen, und ein anderer hat die Stelle wieder besetzt, und wo 
ursprünglich 3 Mann beschäftigt waren, standen später 15 000. Im Laufe der Zeit 
haben mehr als 100 000 Mann solchen Wechsel auf meinen Werken durchgemacht, und 
es ist ganz natürlich, daß solcher Ab- und Zugang fortdauern wird. Jeder Mann 
hat nach seiner Kraft und Fähigkeit seinen Lohn erhalten, und anstatt eines jeden 
konnte in den meisten Fällen auch ein anderer hingestellt werden. 
Es ist bisher keinem eingefallen, nach Empfang des vereinbarten Lohnes noch 
einen Anspruch zu erheben an den Gewinn. Für diesen Anspruch treten aber heutigen 
Tages gelehrte Volksbeglücker mit den schönsten Redensarten auf, und diese haben 
wesentlich zu den betörenden sozialisttschen Lehren geführt. 
Der Arbeiter hat die Erfindungen nicht gebracht. Er wird nicht betroffen von 
den Kosten und Verlusten, welche der Fabrikant für Versuche und Anlagen zu tragen 
hat. Für die Arbeit erhält er den Lohn. Es kann keine Rede davon fein, daß irgend 
jemand einen besonderen Anspruch behalte, außer solchem, der in Steigerung des 
Lohnes und des Gehaltes besteht und immer nur Folge größerer Leistungen ist. 
Das ist Sache der freien Vereinbarung. Die Erfindungen und die dazu gehörenden 
Produktionen habe i ch eingeführt; der Arbeiter darf aber nicht die Frucht verlangen 
von der Tätigkeit anderer; das ist gegen das jedem Menschen eingeborene Rechts 
gefühl. Wie jedermann, verteidige auch ich mein Eigentum; wie mein Haus, so ist 
auch meine Erfindung mein und die Frucht derselben, sie mag Gewinn sein oder 
Verlust. 
In seinem Lohne hat der Arbeiter den größeren Anteil am Ertrage. Denn 
durchschnittlich beträgt in guten Zeiten der Lohn mehr als drei Viertel des ganzen 
Wertes der Fabrikate; der Rest muß Zinsen, Entwertung, Verwaltungskosten, ver 
lorene Posten u. dgl. decken. Dann erst kommt der Gewinn. In schlechten Zeiten 
aber, wo der Arbeitgeber oft nichts verdient, vielleicht viel verliert, behält der 
Arbeiter immer noch seinen Lohn. Der Arbeiter, der in guten Zeiten Anteil am 
Gewinn verlangen möchte, müßte doch auch in schlechten Zeiten, wo zugesetzt wird, 
den Verlust teilen, und doch verlangt er auch dann vollen Lohn. Daher ist es not 
wendig, daß der Arbeitgeber in guten Jahren mehr verdient, als er gebraucht. 
Gerade wie der Landwirt muß er auf Wechselsälle vorbereitet sein. Beide haben oft 
die Kosten für die Saat und keine Ernte. Hat die Fabrik in guten Jahren ihr 
Kapital nicht vergrößert, so könnte sie in schlechten Jahren nicht bestehen und müßte 
die Arbeiter entlassen. — Das ist bisher in größerem Maße nicht nötig gewesen, sie 
hat, wenn alles darniederlag, dennoch die Arbeit fortgesetzt, auf Vorrat fabriziert
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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