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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

468 Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik. II. Industriestaat. 
Die heute übliche Pflege der Exportindustrie ist eine kurzsichtige Politik nach dein 
Herzen des Kapitals. Die wachsende exportindustrielle Bevölkerung findet in einer 
nicht fernen Zukunft weder Absatz für ihre Produkte noch Brot für ihre Existenz. 
Das Brot wird zunächst verteuert werden; aber bei sinkendem Werte des Exports und 
bei abnehmender Zinszahlung von seiten des Auslandes wird das Brot nicht einmal 
zum alten Preise bezahlbar sein. Die Brotländer werden in der Lage sein, der alten 
Welt ihre Bedingungen zu diktieren. Nur durch politischen Zwang wäre dieser 
Abhängigkeit zu entgehen, dadurch also, daß wir mit Waffengewalt Amerika zwingen, 
uns länger Getreide zu liefern, als seinem wirtschaftlichen Interesse entspricht. Das 
heißt, wir müßten die wirtschaftlich aufstrebenden Staaten zwangsweise auf der Stufe 
des Agrarstaats zurückhalten. Ich kann mir schlechterdings kein Bild davon machen, 
wie das geschehen soll, und halte auch den wahrscheinlichen Erfolg einer Messung der 
Kräfte für ungünstig: nicht weil wir an sich die Schwächeren wären, sondern weil wir 
in diesem Kampfe die idealen Mächte gegen uns hätten: das berechtigte Streben nach 
nationaler Entwicklung. 
Die andere Konsequenz ist die Arbeitslosigkeit und Brotlosigkeit der export 
industriellen Bevölkerung, und zwar, was zu betonen ist, eine plötzliche Brotlosig 
keit, und ferner, unter der Voraussetzung, daß es noch eine Anzahl Jahrzehnte bis 
dahin Zeit hat, eine plötzliche Brotlosigkeit ungeheurerMassen. Gerade in der 
Plötzlichkeit liegt hier die schlimmste Verschärfung der Gefahr. Diese Plötzlichkeit aber 
ist nicht nur möglich, sondern ist wahrscheinlich, weil die wirksamen Faktoren, die die 
Zuspitzung der Konkurrenz bedingen, ihrer Natur nach sich gegenseitig zu beschleunigtem 
Tempo steigern. Man nehme einmal an, Amerika sei nach so und so viel Jahren 
so weit, Europa entbehren zu können; die betreffende Partei gewinnt die Mehrheit, 
und mit amerikanischer Raschheit wird ein eigentlicher Prohibitivzoll errichtet. Die 
verschärfte Konkurrenz, die sich daraus zwischen den andern Staaten gegenseitig ergibt, 
führt zu weiteren Schutzzollbarrieren, die wieder für die übrigbleibenden die Sach 
lage verschlimmern, und so geht wie ein elektrischer Schlag die plötzliche Abschließung 
und die allgemeine Deroute um die Welt herum, — vergleichbar etwa der auch durch 
internationale Gegenstöße erfolgten plötzlichen Silberentwertung der letzten Jahr 
zehnte. Wenn wir dann eine exportindustrielle Bevölkerung von 30—40 Millionen 
Menschen haben, die in den wenigen Jahren oder Jahrzehnten arbeitslos wird, — 
dann ist es zu spät, den Bau unserer Volkswirtschaft schnell genug umzubauen, es be 
dürfte dafür der stetigen Arbeit von Generationen, und nicht früh genug kann damit 
begonnen werden. 
Wäre ich Geschäftsmann und an die Denkweise dieser großbürgerlichen Kreise 
gewöhnt, und man fragte mich über Exportpolitik, so würde ich ohne Besinnen ant 
worten: Selbstverständlich, frisch zu, nur Mut! Fragt man mich aber als verantwort 
lichen Reichsbürger, so kann ich nur warnen. 
Zweifellos wird man diesen Standpunkt kleinmütig schelten: man müsse Großes 
wagen, um Großes zu erreichen. Dem alten Brandenburg-Preußen habe es auch 
niemand zugetraut, daß es Weltmacht werden würde; ohne etwas Dreistigkeit bleibe 
man Philister. Wer dürfe eine solche kleinmütige Sprache in England führen? — 
Nun, man muß auch den Mut haben, kleinmütig zu scheinen. Gerade der e n g l i s ch e 
Nachbar wird nicht mehr lange in der Lage sein, in großen Worten uns als Vorbild 
zu dienen, weil er eben auf der abschüssigen Bahn viel weiter fortgeschritten ist als 
wir. Und ob wir noch so sehr Deutschlands Größe und Weltmacht wollen und Eng 
land beneiden, — eins ist es, was wir dem Engländer mit Recht oder Unrecht nach 
sagen, ohne es als nachahmenswert hinzustellen: das ist nicht seine Größe, sondern 
seine Vreitspurigkeit, in rücksichtsloser Zertretung fremder Rechte in allen 
fünf Weltteilen. Die Ablehnung solcher Vreitspurigkeit gälte selbst dann, wenn wir
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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