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Volkswirtschaftliches Quellenbuch

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Bibliographic data

fullscreen: Volkswirtschaftliches Quellenbuch

Monograph

Identifikator:
890771383
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10133
Document type:
Monograph
Author:
Mollat, Georg http://d-nb.info/gnd/139428143
Title:
Volkswirtschaftliches Quellenbuch
Edition:
Vierte, erweiterte und vermehrte Auflage
Place of publication:
Osterwieck/Harz
Publisher:
Verlag von A. W. Zickfeldt
Year of publication:
1913
Scope:
1 Online-Ressource (XXVIII, 654 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Volkswirtschaftliches Quellenbuch
  • Title page
  • Autorenverzeichnis
  • Contents
  • Erster Teil. Deutsche Volkswirte, Kaufleute und Industrielle
  • Zweiter Teil. Handel
  • Dritter Teil. Industrie
  • Vierter Teil. Weltwirtschaft und Handelspolitik
  • Fünfter Teil. Verkehr
  • Sechster Teil. Volkswirtschaftliche Zustände in den Vereinigten Staaten von Amerika
  • Index

Full text

9. Friedrich List. Charakteristik. 
21 
denken." So waren die Ideen, die List brachte, nichts neu Erfundenes, aber die Ver 
bindung, die Anwendung, die praktische Richtung, die populäre Verbreitung, die er 
ihnen gab, war nur sein Werk, und die unermeßlichen Kräfte, die er damit weckte, 
nur sein Verdienst. Wie viel beschämender für die Vorgänger, wenn alles das treff 
liche Material bereits vorhanden war und erst ein List kommen mußte, um es dem 
verborgenen Schachte zu entlocken und zum fruchtbaren Gemeingute der Nation zu 
machen?! Wie viel niederschlagender für sie, wenn sie die populären Wirkungen, die 
s i e seit Menschenaltern geübt, mit den großartigen Erfolgen verglichen, die List 
nur in den letzten sechs Jahren seiner Wirksamkeit errungen hatte! 
Der schroffe Ton, in welchem er seine Sache durchfocht, entsprang aus der Leb 
haftigkeit und dem Ernst seiner Überzeugung, nicht aus seinem innersten Wesen. List 
war eine weiche, gemütvolle Natur, voll argloser Hingebung an die Freunde, voll 
aufopfernder Liebe für die Seinigen, aufrichtig, vertrauensvoll und herzlich, in seinen 
gesunden Tagen von unverwüstlicher Heiterkeit und reich an dem schalkhaften schwä 
bischen Humor, der auch aus einzelnen seiner polemischen Schriften herausklingt. 
Von der gutmütigsten und wohlwollendsten Art, hatte er immer nur die Sachen, nie 
die Personen im Auge; es konnte ihm ein Gegner, dem er hart mitgespielt, vor die 
Augen treten, und er fand bei List eine joviale, herzliche Ausnahme. Erst die späteren 
Tage der Verkennung und Anfeindung, der körperlichen und gemütlichen Leiden 
störten jene heitere Stimmung; das früher so hingebende Vertrauen schlug dann 
nicht selten in Mißtrauen, der leichte und muntere Sinn in trübe, melancholische Ver 
bitterung um. Nur denen, die ihm nahe standen, den Seinigen besonders, war er 
aber auch in den Tagen der tiefsten Leiden der liebevolle Freund, Gatte und Vater 
und zwang sich, den innern Schmerz unter dem Gewand einer erkünstelten Ruhe zu 
verhüllen. 
Jene heitere Frische und Beweglichkeit des Geistes machte seinen persönlichen 
Umgang und seine Unterhaltung überaus anziehend. Immer neu und eigentümlich, 
übersprudelnd von schöpferischen Gedanken und Entwürfen, wirkte er auf alle, die ihm 
so näher kamen, erweckend, anspornend und befruchtend; er ließ, wie man von einem 
großen antiken Redner sagte, immer einen Stachel in der Seele des andern zurück. 
Diese lebendige, erweckende Kraft lag auch in seiner Darstellung; es war eine mäch 
tige, hinreißende Volksberedsamkeit, die aus seinen Aufsätzen heraussprach. In seinen 
Artikeln, sagte Laube sehr treffend, war mehr als bloßes Wissen und bloßer Beweis, 
es war ein drangvolles, den Leser zwingendes Leben in diesen Aufsätzen, ein voller, 
gewaltiger Mensch ordnete, regierte, trieb, unterwarf uns hinter diesen Zeilen und 
Sätzen, welche stets in künstlerischer Form stiegen und schwollen und am Ende des 
Artikels stets die höchste Höhe des Ausdrucks erreichten. Wen sie nicht überzeugten, 
den rissen sie fort, und wen sie nicht fortrissen, den bestürzten sie. Es focht in Lifts 
Worten ein Genius, welcher leider ziemlich ungekannt ist unseren Zeitungen poli 
tischen Themas. Nichts war trocken in Lifts Behandlung! Und wenn man obenein 
weiß, daß er über hundert Gesichtspunkte nicht sprach, absichtlich nicht sprach, weil 
er sparen gelernt hatte, um zu wirken, wenn man aus dem persönlichen Verkehr mit 
ihm erkannte, daß gerade die von ihm verschwiegenen Gesichtspunkte die ergiebigsten, 
die den Patrioten wie den Mann des Fortschritts entzückendsten sind, dann hatte man 
doppelt zu bewundern: die Fülle des Inhalts und die weise Beschränkung in dem, 
was eben zu äußern, was eben auszuführen war. 
In einem politisch reifen Lande, wo nicht erst der Boden umzuroden und die 
Wege zu bahnen waren, hätte ein solches Streben auch seine äußere Anerkennung 
gefunden; mächtige Parteien hätten einen solchen Mann getragen, die Natton ihm 
den Wirkungskreis angewiesen, der solchen Kräften entsprach. Er hätte dort in 
einem Parlamente oder am Ministertische seine Stelle gefunden; eine einzige der
	        

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Volkswirtschaftliches Quellenbuch. Verlag von A. W. Zickfeldt, 1913.
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