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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

118 
die, welche 10 erhielt, erhält jetzt 12; für die verschiedenen Arten der Arbeits 
leistungen sind die Leute jetzt freilich schlechter bezahlt; während früher 
die ungelernten 10 bekamen, erhalten sie jetzt nur 6. Die Gesamtbevölkerung 
erhält aber jetzt 54 Reallohn statt wie früher 30. Dieser eine Hinweis zeigt 
zur Genüge, wie es schwer ist, die Rückwirkungen der Veränderungen, welche 
das Geld- und Kreditwesen betreffen, richtig zu würdigen, solange die Über 
sichtlichkeit mangelt. Dies ist ein weiteres Moment, welches dafür spricht, 
daß im Kriegsfälle die Schaffung einer Großnaturalwirtschaft von leitenden 
Politikern gewünscht werden kann. Wenn sie sich auch nur auf Nahrungs 
mittel, Kohle und einige wichtige andere Bedarfartikel erstreckt, so ist da 
mit doch sehr viel für die Durchsichtigkeit der Güterbewegung geschehen, 
und gerade sie erleichtert viele Maßnahmen. Nichts ist störender als die 
Unmöglichkeit, sich über das Schicksal der Geldsummen und Güter zu unter 
richten. 
11. Rückwirkungen des Kriegs und der Rüstungen 
auf Produktion und Handel. 
Ich habe schon gelegentlich darauf hingewiesen, daß die Ausgaben für 
Rüstungen und Kriegszwecke auf die Produktion und den Handel in sehr 
verschiedener Weise wirken können. Sie vermögen unter Umständen den 
Handel, die Landwirtschaft, die Industrie gewisser Art erheblich zu schädigen. 
Man entzieht ihnen Geld, das sie zur Erweiterung der Betriebe brauchen, 
und führt es jenen Industriellen und Landwirten, welche für die Armee liefern, 
sowie den Soldaten zu. 
Wohl kommt das Geld wieder in Zirkulation, aber nachdem vorher die 
Geldentziehungen bereits Betriebsreduktionen zur Folge gehabt haben können, 
nachdem bereits Arbeitskräfte der Landwirtschaft und der Industrie entzogen 
wurden. Die Geldsummen, welche für die Armee verwendet werden, drücken 
zum Teil einen Entgang an Schulbildung, eine Verschlechterung der Hygiene, 
eine Reduktion der Produktion aus. Es gibt Völker, welche durch die Auf 
erlegung von Steuern nur zu einer erhöhten Produktion angeregt 
werden. In ihrem Bemühen, den alten Lebensstandard wieder zu erreichen, 
erweitern sie ihn nicht selten, andere wieder zahlen die Steuern und schränken 
sich mehr ein. Dies letztere ist vor allem bei südlicheren Völkern nichts 
Seltenes, auch Osteuropäer weisen häufig dieses Verhalten auf. Indirekt kann 
so die Militärmacht empfindlich geschädigt werden. Denn eine vermehrte 
Sterblichkeit, der Analphabetismus wirken ungünstig auf die Armee zurück. 
Es bedarf konkreter Nachforschungen, ob die Aufnahme von Anleihen oder 
Steuern auf ein Land lähmend oder anregend wirkt. 
Die indirekten Wirkungen auf Produktion und Gesundheit müssen immer 
im Auge behalten werden ; oft beachtet man sie erst, wenn es bereits zu spät 
ist. Der Vorteil, der unmittelbar für die Armee erlangt wird, kann mittelbar 
ihr wieder verloren gehen. Es kann schließlich dazu kommen, daß die Förde 
rung der Hygiene, des Schulwesens, der Produktion von der Armee gefordert 
wird, um die mittelbaren Schädigungen zu paralysieren. Die ersten Anregungen 
zur deutschen Arbeiterschutzgesetzgebung, die sich in der zweiten Hälfte des 
19. Jahrhunderts entwickelte, gehen zum Teil auf die Beobachtungen eines 
Offiziers zurück, der in den Rheinlanden, wo sich die Industrie überaus rasch 
ausgebreitet hatte, erschreckende Rückgänge der Tauglichkeit bei den Stel 
lungen beobachtete. Es war klar, daß durch Fürsorge für die Arbeiter, Ver 
ringerung der Arbeitszeit, Verbesserung der Arbeitsbedingungen usw. Abhilfe 
geschaffen werden konnte. 
Für Österreich-Ungarn sind solche Erwägungen von größter Wichtigkeit, 
weil die Monarchie unter den Rüstungen weit schwerer leidet, als etwa 
Deutschland, das in lebhaftestem Aufschwung begriffen ist. Österreich-Ungarn 
entwickelt sich an sich langsamer als Deutschland, durch die Aufwendungen 
für die Armee wird die Entwicklung nicht beschleunigt. Die Armee hat
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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