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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

scheinlich ist es, daß der Boykott eine erhebliche Rolle spielen wird, wie er 
z. B. in der Türkei und in Serbien gegen österreichisch-ungarische Waren zeit 
weilig geübt wurde. Der Boykott verengt den Absatz des Gegners, er fördert 
den Absatz der eigenen Industrie, die nun nicht mit jener des Auslandes kon 
kurrieren muß. Der Boykott wirkt wie ein Prohibitivzoll, nur daß er nicht 
formell von der Regierung ausgeht. Freilich dürfte man in Zukunft für einen 
Boykott der Privatpersonen die Regierungen verantwortlich machen. Es wäre 
denkbar, daß man, im Falle man die Macht dazu hat, sie zur Abnahme be 
stimmter Warenquanten zwingt, die sie dann an die Bevölkerung nach ihrem 
Ermessen weiter veräußern kann. Derartige und andere Pressionen gegenüber 
Regierungen wird man um so leichter anwenden, als in der Mehrzahl der Fälle 
ein großzügig organisierter Boykott von der Regierung zumindest geduldet, 
wenn nicht gar gefördert zu sein pflegt. 
Wir leben heute in einem Zeitalter, das schutzzöllnerischen Qedanken- 
gängen stark anhängt. Es ist dies eine von Zeit zu Zeit wiederkehrende 
Denkweise. Wenn ein Zeitalter dem Staat keine Eingriffe gestattete und in 
folge der ungezügelten Konkurrenz schwere Schäden sich bemerkbar machten, 
pflegte man in der Forderung nach Regierungshilfe und Schutzmaßnahmen aller 
Art keine Grenze finden zu können ; wenn dann durch übermäßige Kontrolle 
der Unternehmungsgeist gelähmt und vielfach Unfähige privilegiert werden, 
wendet sich der Zorn aller gegen die Aufsicht der Regierung. Da die Menschen 
wenig aus der Geschichte zu lernen pflegen, begnügt man sich meist nicht 
mit der Beseitigung der Schäden, sondern geht von einem Extrem ins andere 
über. Die schrankenlose Gewerbefreiheit wird durch eine Gewerbeordnung 
abgelöst, der zufolge eine Konditorei ohne besondere Konzession zwar kalte, 
nicht aber warme Limonaden verkaufen darf, weil letzteres nur einem Kaffee 
haus zukommt. Den Schutzzoll verteidigen viele als Erziehungszoll. Sie 
weisen darauf hin, daß der unentwickelten Industrie geholfen werden müsse. 
Daß sie hilfsbedürftig sei, spreche nicht gegen ihre tatsächlichen Fähigkeiten. 
Ein dreißigjähriger Schwächling könne mit Leichtigkeit einen fünfjährigen 
Athleten erdrosseln. Es war bekanntlich der Schutzzoll, der Deutschlands 
Industrie der englischen gegenüber konkurrenzfähig gemacht hat. Es gibt 
aber freilich Schutzzölle, die nicht dazu beitragen, die Produktion zu ver 
größern und zu vervollkommnen, sondern einer kleinen Gruppe von energischen 
Männern die Möglichkeit geben, Waren minderer Qualität zu hohen Preisen zu 
verkaufen, ohne die Konkurrenz des Auslandes fürchten zu müssen. In Zeiten, 
die dem Freihandel gewogen sind, wird man für die schutzzöllnerische Wirkung 
des Krieges kein rechtes Verständnis haben. Der Krieg ist für Freihändler, 
wie ich schon einmal erwähnte, nur eine Störung der Produktion, während 
der Schutzzöllner in ihm unter Umständen eine Anregung zur Produktion sieht, 
wenn dafür Sorge getragen wird, daß Fabriken, die während eines Krieges 
errichtet wurden, nach dem Kriege nicht schutzlos dem Auslande preisgegeben 
werden, wie dies nach den Napoleonischen Kriegen zum Teil der Fall war, 
als die Kontinentalsperre aufgehoben wurde, ohne durch entsprechende Schutz 
zölle ersetzt zu werden, die als Übergang hätten dienen können. 
Wir besitzen eine ausgezeichnete Schilderung der Kontinentalsperre 
von Peetz und Dehn. Napoleon wollte den englischen Handel treffen, soweit 
er Industrie- und Kolonialartikel betraf ; merkwürdigerweise verhinderte er 
nicht die Zufuhr von Getreide nach England, was wohl eine der ersten Taten 
eines modernen Napoleon gewesen wäre. Auch in einem modernen Welt 
kriege würde eine Kontinentalsperre der Industrie manche Förderung, aber 
auch manche Lähmung bringen. Die Lyoner Seidenindustrie beschäftigte im 
Jahre 1788 ungefähr 9000 Webstühle; deren Zahl ging infolge der Revolu 
tion auf ungefähr 3000 zurück, während die Kontinentalsperre sie im Jahre 
1810 auf ungefähr 14 000 ansteigen machte. In 20 Jahren hatte sich die An 
zahl verfünffacht. Auch die nordfranzösische Tuchindustrie florierte während 
der Kontinentalsperre. Es gab damals Natiohalökonomen, die sich dieser 
Wirkungen voll bewußt waren ; sie erklärten mit aller Präzision, die man nur 
wünschen kann, Frankreich habe durch die Kontinentalsperre eine eigene Indu 
strie bekommen und Mitteleuropa sei industriell von England unabhängig ge-
	        

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Selbstkostenrechnung Und Preispolitik. G.A. Gloeckner, Verlagsbuchhandlung, 1934.
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