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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

136 
hin schon kennt ; so könnte man zur Einführung des Zwangskurses für Giro 
geld kommen und schließlich zu Preistaxen schreiten, was übrigens gelegent 
lich der letzten, durch die Kriegsgefahr verursachten Preissteigerungen der 
Lebensmittel in Österreich bereits in Erwägung gezogen wurde. Es spricht 
für das uneinlösliche Girogeld, daß die Wiederaufnahme der Barzahlung leicht 
zu bewerkstelligen ist, da die Hoffnung besteht, viele Einleger, welche den 
Vorteil der Giroeinrichtung in der Not kennen lernten, würden nun auch in 
Friedenszeiten davon Gebrauch machen. Auch an das Zettelgeld hat man 
sich in Frankreich, wo das Thesaurieren besonders auf dem Lande unglaub 
liche Mengen beanspruchte, bekanntlich erst im Jahre 1870/71 gewöhnt. Wenn 
sich das uneinlösliche Girogeld etwa ähnlich bewähren sollte, wie das un 
einlösliche Bankpapiergeld, so wäre die Trennung von Binnengeld und Außen 
geld wieder um einen Schritt weiter gekommen. Man könnte so die Metall 
reserven für den Fall wirtschaftlicher Not und kriegerischer Verwicklungen 
in den Zentralstellen konzentrieren. Freilich müßte eine geeignete Gesetz 
gebung die Deckung des Girogeldes regeln, so wie z. B. die Deckung 
des uneinlöslichen Bankpapiergeldes in Österreich-Ungarn geregelt hat. Auch 
das Argument, die Einführung des uneinlöslichen Girogeldes würde eine große 
Umwälzung bedeuten, was übrigens keineswegs der Fall ist, spräche nicht 
gegen dasselbe, da ein großer mitteleuropäischer Krieg, zum 
mindesten provisorisch, eine gewaltige Umwälzung der 
Wirtschaftsordnung bedeuten würde, und zwar voraus 
sichtlich in der Weise, daß manche Ideen des Staats 
sozialismus verwirklicht würden. Die Staatsgewalt 
würde wahrscheinlich mehrfach in entscheidender Weise 
eingreif en, nicht nur, um den Nominalbedarf, sondern 
vor allem, um den Realbedarf zu decken. 
Das uneinlösliche Girogeld wäre das normale Zahlungsmittel im Kriegs 
fall, was den Vorschlägen jener entgegenkommt, welche ganz allgemein mit 
einer Erweiterung des Girowesens rechnen. Auszahlungen in Gold hätten 
nur in zwei Fällen zu erfolgen : an Mitglieder der kämpfenden 
Armee und ans Ausland. Geldzahlungen aus dem Ausland an In 
länder wären als Giroguthaben zu buchen. 
Käme der Staat in äußerste Not, so könnte er die Metallreserven antasten, 
das Girogeld wäre dann ungenügend gedeckt, entsprechend dem ungenügend 
gedeckten Papiergeld, das man so oft mit Erfolg verwendet hat. Daß manche 
Nachteile der Papiergeldemission beim Girogeld wegfallen würden, liegt auf 
der Hand. Der Auslandkredit kann, wenn die sonstigen Verhältnisse günstig 
sind, durch das Vorhandensein eines Gesetzes wachsen, das die Regierung zur 
Schaffung uneinlöslichen Girogeldes ermächtigt. Man kann dann sicher damit 
rechnen, daß alles verfügbare Gold dem Auslande zur Verfügung gestellt wird 
und nicht ins Publikum fließt, um in Strümpfen und Kasten versteckt zu 
werden. Bei wirtschaftlichen Krisen ist häufig nicht die im Inland zirkulie 
rende Goldmenge, noch weniger die von den Einzelnen thesaurierte Goldmenge 
für den Auslandkredit entscheidend, ausschlaggebend sind die Reserven, 
welche jederzeit flüssig sind. 
Es ist möglich, daß das uneinlösliche Girogeld, das bei man 
chen Banken des 17. Jahrhunderts bestanden hat, bald ebenso zum Handwerks 
zeug der Währungspolitiker gehören wird, wie heute das uneinlösliche Staats 
oder Bankpapiergeld. Es wäre zweckmäßig, die Eigenschaften dieses Giro 
geldes zu untersuchen, ehe es einmal irgendwo im Falle der Not eingeführt 
wird ; denn es ist der Wissenschaft angemessen, der Praxis vorauszugehen, 
und nicht erst dann zu erscheinen, wenn das Unglück schon geschehen ist, 
um es dann wissenschaftlich zu beschreiben und vielleicht nachträgliche Heil 
mittel zu erfinden.
	        

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Neuere Zeit. Heyfelder, 1904.
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