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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

148 
wendet. Eine solche Richtung von einiger Stärke fehlte aber vor einem Jahr 
hundert. Der Siegeslauf der Ideen des wirtschaftlichen Liberalismus wurde 
durch die Lebensordnung des damaligen Weltkrieges nicht aufgehalten. 
An der gegenwärtigen Lebensordnung fällt vor allem in die Augen, daß 
sich die Menschen durch sie stärker als früher in ihren Entschlie 
ßungen beeinflußt fühlen, was im allgemeinen als Last empfunden 
wird. Insbesondere die Erzeugung und der Verbrauch vieler Dinge unterliegt 
zahllosen Regelungen, ebenso die gesamte Verteilung der Lasten und An 
nehmlichkeiten. ln der Verkehrswirtschaft wird jeder Mensch als Kaufmann 
angesehen, der durch Kauf und Verkauf Gewinn zu erzielen trachtet. Da 
man Qewinnzunahme als Belohnung, Gewinnabnähme als Strafe bestimmter 
Maßnahmen auffassen könnte, dürfte man mit Recht die Frage aufwerfen, 
wodurch sich denn die Lebensordnung der Verkehrswirtschaft von der gegen 
wärtigen Lebensordnung grundsätzlich unterscheidet, die in vielen Fällen Unter 
lassung von Arbeit bestraft, die Durchführung belohnt. Ein wesentlicher 
Unterschied ist wohl darin zu erblicken, daß die Verkehrswirtschaft zwar Nach 
teile an gewisse Maßnahmen oder Unterlassungen knüpft, diese aber nicht 
grundsätzlich steigert, wenn der Einzelne bei diesen Maßnahmen oder Unter 
lassungen beharrt. Anders steht es z. B. dagegen heute. Wenn einem Men 
schen bestimmte Arbeiten im Rahmen eines Produktionsplanes vorgeschrieben 
sind, und er verringert die Arbeit, wobei er bereit ist, die Strafe in Kauf zu 
nehmen, so sucht die Zentralgewalt dies möglicherweise dadurch zu ver 
hindern, daß sie die Strafe steigert und schließlich bis zur Drohung mit der 
Vernichtung der Einzelperson geht. Die Verkehrswirtschaft kennt nur den 
psychologischen Druck der Marktverhältnisse, welcher ja zuweilen 
nicht unerheblich ist, die gegenwärtige Lebensordnung dagegen einen grund 
sätzlich unbeschränkten Druck. 
Die größere Ausbreitung der organisierten Wirtschaft und der entspre 
chenden Ideenwelt, was sich vor allem darin äußert, daß eine doch immerhin 
beachtenswerte Zahl von Denkern die neue Ordnung der Dinge als Vorläuferin 
kommender Wandlungen begrüßt, während dies in den napoleonischen Kriegen 
weit weniger der Fall war, erklärt sich vor allem daraus, daß die Ab 
bröckelung der Verkehrswirtschaft schon lange vor dem Welt 
krieg eingesetzt hatte. Gewisse verwaltungswirtschaftliche Maßnahmen hatten 
ohnehin immer bestanden ; hierzu zählt ja das ganze Steuersystem. Dazu 
kam noch, daß der Staat immer häufiger in das Kartellgetriebe regelnd eingriff 
und sich an Kartellen beteiligte. Man mußte bereits viele Jahre vor dem 
Kriege in solchen „S t a a t s k a r te 11 e n“ und „S t a a t s t r u s t s“ eine Wirt 
schaftseinrichtung erblicken, die eine große Zukunftsbedeutung hatte. Ab 
gesehen von solchen verwaltungswirtschaftlichen Erscheinungen staatlicher Art 
haben auch die Kartelle selbst einen Teil ihrer Wirksamkeit auf wesent 
lich verwaltungswirtschaftliche Maßnahmen gegründet. Wenn etwa ein Außen 
seiter durch Preisherabsetzungen niederkonkurriert wurde, war kein unmittel 
barer Reingewinn zu erzielen. Vielmehr bestand der Vorteil darin, daß weitere 
Außenseiter abgeschreckt wurden. Überdies gab es Kautionen, die verfallen 
konnten, also unmittelbare Strafleistungen ermöglichten. Wir sehen so allerlei 
Übergänge, welche von der Verkehrswirtschaft zur gegenwärtigen Lebensord 
nung führen. ' 
Während wir nun für die an dem einen Ende stehende Verkehrswirtschaft 
eine abstrakt-schematische Bearbeitung besitzen, fehlt eine solche für die ent 
gegengesetzte Lebensordnung, welche sich während des Weltkrieges in er 
heblichem Maße durchsetzte, vorher anbahnte. Wir haben nicht einmal einen 
allgemeinen Namen dafür, daß nicht der Einzelne durch seine Tauscherwä 
gungen den Ausschlag gibt, sondern eine Zentralstelle, welche unter Um 
ständen die Willensentschließungen aller vereinigen mag. Wir bringen dafür 
den Ausdruck „Verwaltungswirtschaft“ in Vorschlag. Die Verwaltungswirt 
schaft treffen wir ebenso dort an, wo Kartelle eine zentrale Führung in der 
Fland haben, wie dort, wo dieselbe Regierungsstellen anvertraut ist, wir finden 
sie aber ebenso auch innerhalb der geschlossenen Hauswirtschaft, innerhalb 
jedes Unternehmens, welches im allgemeinen zwischen seinen Teilen keine
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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