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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

163 
um Arbeitslosigkeit und ungenügende Einkommen zu beseitigen. Die Höhe 
der Einkommen wird im mer mehr von der Machtverteilung 
abhängen. Es dürfte aber auch die Verteilung der Arbeitskräfte zentral 
beeinflußt werden. Eine Zeitlang mag über den Krieg hinaus mit den Be 
stimmungen über die Arbeitsverpflichtung das Auslangen gefunden werden, 
später wird man aber wohl zu anderen Mitteln greifen, da der unmittelbare 
Zwang drückend empfunden wird. Vielleicht wird der Weg eingeschlagen 
werden, daß man Betriebe bestimmter Kategorie beschränkt und ihnen den 
Zuzug von Arbeitern sperrt. Der einzelne Arbeiter würde dann nicht zu einer 
bestimmten Arbeit genötigt, sondern nur in der Wahl etwas beschränkt sein. 
Der Widerstand gegen solche Maßnahmen dürfte durch die Vorteile, welche 
sich aus der Stabilisierung der Einkommen und Verringerung der Arbeits 
losigkeit für viele ergeben würden, wohl wettgemacht werden. Gelegentlich 
konnte man die Anschauung vertreten finden, nach dem Kriege werde unter 
ungünstigeren Arbeitsbedingungen als vor demselben gearbeitet werden, und 
wenn man früher von 8 bis 7 Uhr gearbeitet habe, so werde man nunmehr 
von 7 bis 8 Uhr arbeiten müssen, während gleichzeitig die Möglichkeiten einer 
Massenarbeitslosigkeit erwogen wurden, welche dadurch möglich werde, daß 
zahlreiche Arbeitskräfte aus dem Kriege zurückkehren würden, ein großer Teil 
aller Posten aber mit früher unbenützten oder unterbenützten Arbeitskräften 
besetzt sei, die sich schon vollkommen angepaßt hätten. Wenn wir sogar an 
nehmen, daß die Fülle von Arbeitskräften nicht verwendet werden könne, 
was aber in einer planmäßigen Verwaltungswirtschaft wohl unmöglich ist, weil 
ja mehr als genug Arbeiten im Interesse aller zu verrichten sind, so würde 
dennoch die Arbeitslosigkeit nur als Konsequenz der freien Verkehrswirtschaft 
eintreten. Eine organisierte Verwaltungswirtschaft dagegen würde wohl zu dem 
Mittel einer allgemeinen Arbeitszeitverkürzung greifen. Schon vor dem Kriege 
ist es ja vorgekommen, daß Kartelle, welche Arbeitseinschränkungen Vor 
nahmen, es den Arbeitern freistellten, zwischen der Entlassung eines Teiles 
der Arbeiter und Feierschichten zu wählen. Im allgemeinen wählten die Arbeiter 
im Qemeinschaftsinteresse Feierschichten. Würden in der organisierten Über 
gangswirtschaft durch Erfindungen die Produktionsleistungen der Maschinen 
plötzlich auffallend gesteigert werden, so würde wohl kaum eine allgemeine 
Arbeiterentlassung, sondern eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung 
die Folge sein. Vor hundert Jahren freilich, als die freie Verkehrswirtschaft 
einigermaßen ausgebildet herrschte, führte die Erfindung der Maschinen dazu, 
daß man Kinder zur Arbeit verwendete und infolge der gesteigerten Ent 
lassungen die Arbeitszeit verlängerte, bis auf qualvollen Umwegen, welche 
vielfach die Staatsordnung erschütterten, die Arbeitszeitverkürzung eintrat. Die 
Verkürzung der Arbeitszeit scheint übrigens in der Tendenz unseres Zeitalters 
zu liegen und kann wohl ohne Schädigung der Konkurrenzfähigkeit erfolgen, 
wenn sie in allen Staaten durchgeführt wird. 
Eine solche Entwicklung ist um so wahrscheinlicher, als die Natural 
rechnung den Gedanken klar hervortreten läßt, die Produktion sei nur 
um des Konsums willen da, und eine Erweiterung der Produktion könne 
im allgemeinen nur genützt werden, wenn auch die Konsumzeit verlängert 
wird. Viele Dinge, wie Bücher, Wohnung usw. werden ungenügend genützt, 
weil ihre Eigentümer die Zeit darauf verwenden müssen, immer neue Gegen 
stände herzustellen. Die überlieferte Wirtschaftsordnung suchte ja mit Hilfe 
der Mode und anderen Maßnahmen eine künstliche Verschwendung einzuführen, 
um den Mangel an Konsumzeit teilweise wett zu machen. Es unterliegt wohl 
keinem Zweifel, daß die überkommene Proportion zwischen Konsumzeit und 
Produktionszeit bei allen Klassen der Bevölkerung weit vom Optimum entfernt 
ist. Ein großer Teil der Menschen beschäftigt einander ge 
genseitig, ohne daß ein Mehrgenuß erzielt würde. In mancher 
Flinsicht wird dieses Verhalten durch den Volkscharakter bedingt. Während in 
einzelnen Gebieten der Unternehmer sich häufig die Frage vorlegt, wie weit 
er durch Betriebserweiterungen seine Konsumzeit verringere, tut er das in 
anderen seltener. Die Verkürzung der Arbeitszeit dürfte auch durch die nach 
dem Kriege zunehmende Verwendung der Technik begünstigt werden, welche 
11*
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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