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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

4 
keine Neutralen kennt, wie dies zum letztenmal vor hundert Jahren in den napoleo- 
nischen Kriegen der Fall war. Es gibt da z. B. keine „äußeren“ Anleihen 
mehr, da jeder kämpfende Staatenverband auf sich selbst angewiesen ist. Es 
wäre eine wichtige Aufgabe, auf Grund der Beobachtungen, die man über die 
Wirkungen des Balkankrieges auf die Weltwirtschaft gemacht hat, allgemeinere 
Ergebnisse zu formulieren. 
Merkwürdigerweise hat die Friedensbewegung sich bisher auf ökonomischem 
Gebiet sehr steril gezeigt. Die jetzt durch das Carnegie Endowment for Inter 
national Peace angeregten Einzeluntersuchungen können nicht hierher gerechnet 
werden, weil sie inhaltlich kein Ausfluß der Friedensbewegung sind, da laut 
Statut die Division of Economics and History völlig objektive Arbeiten über die 
ökonomischen und historischen Ursachen und Wirkungen der Kriege zu 
fördern hat, daher Ergebnisse nicht ausgeschlossen sind, welche die Friedens 
bewegung nicht zu unterstützen geeignet erscheinen. Die ökonomischen Aus 
führungen der Pazifisten sind meist wenig originell und kommen häufig über 
recht unzulängliche Berechnungsversuche nicht hinaus, welche die durch die 
Kriege verursachten Verluste in Geldsummen zum Ausdruck zu bringen suchen. 
Sie begehen damit freilich einen Fehler, der auch bei Nichtpazifisten recht 
verbreitet ist. Hier, wie so oft, versagt die geldwirtschaftliche Betrachtungs 
weise vollständig. Besonders verfehlt ist dies Vorgehen dort, wo man den Ver 
such macht, Leistungen in natura nach irgendeinem Maßstab geldwirtschaftlich 
umzurechnen.i^) In großzügiger Weise hat die Problemstellung Normann 
Angell gefördert, dessen Werk auch in Deutschland einiges Aufsehen ge 
macht hat.15) Es leidet darunter, daß es von vornherein tendenziös angelegt 
ist und die angeregten Fragen zu wenig gründlich behandelt. Dazu kommt 
noch, daß alle Thesen möglichst übertrieben formuliert werden, wodurch sie 
grotesk und skurril wirken. Wenn auch die Verquickung von Propaganda und 
Forschung nicht immer schädlich sein muß — begeistert ja nicht selten gerade 
ein bestimmtes praktisches Ziel den Forscher und macht ihn scharfsichtig —, so 
ist doch gerade auf diesem so heiklen Gebiete von einer reinlichen Scheidung 
zwischen Forschung und Propaganda am meisten zu erwarten, weil die Resul 
tate, die der Vertreter eines bestimmten Zieles von der Wissenschaft erhofft, 
einerseits nicht sehr rasch gefunden Und andererseits nicht in wenigen Sätzen 
formuliert werden können, sondern viele Klauseln nötig machen, die für den 
Parteikampf nicht sehr brauchbar sind. Dagegen ist aber selbstverständlich 
nichts einzuwenden, daß der Forscher, der in seinen wissenschaftlichen Publi 
kationen vorsichtig alles abwägt und vieles im Zweifel lassen muß, nebenbei 
als Vertreter einer Idee zukünftige Forschungsergebnisse im Interesse prak 
tischen Handelns antizipiert und sich für sein Ziel mit aller Energie einsetzt. 
Gerade der Balkankrieg zeigt so recht deutlich, wie mannigfaltig die Folgen 
sein können, die der Krieg in den heute empirisch vorliegenden Volkswirt 
schaften hervorzurufen vermag, und wie unwahrscheinlich es ist, daß sich die 
Bedeutung des Krieges für die Volkswirtschaft eindeutig und kurz formulieren 
läßt. Wir sehen, wie er hier schwerste Störungen, dort nur geringfügige Ver 
änderungen hervorruft, vielleicht an anderen Stellen geradezu anregend wirkt. 
1*) Einen geistvollen, wenn auch nicht ausreichenden Versuch hat Otto 
Effertz in seiner kleinen, heute fast ganz vergessenen Schrift : Die Kosten des 
Heeres, Wien 188'9, unternlommen, in der er, entsprechend seinen in „Arbeit und 
Boden“ ausgesprochenen Grundgedanken, eine Berechnung durchzuführen sich 
bemüht, welche alle Kosten auf Arbeit und Boden reduziert, ein Verfahren, das 
prinzipiell den Vorteil besitzt, daß es ebensogut auf geldwirtschaftlich, wie auf 
naturalwirtschaftlich organisierte Gemeinwesen anwendbar ist. Die Schwierig 
keiten, welche sich daraus ergeben, daß inkommensurable Größen, wie Arbeit 
und Boden, zu Summen zusammengefaßt werden, deutet Effertz S. 23 an. 
^5) Normann Angell, Die große Täuschung. Eine Studie über das 
Verhältnis zwischen Militärmacht und Wohlstand der Völker. Leipzig 1910. 
Neuerdings unter geändertem Titel: „Die falsche Rechnung“ in einer Volksausgabe 
erschienen.
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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