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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

Die Kriegswirtschaftslehre wird die Staaten in Gruppen teilen und überdies auch 
darauf Rücksicht nehmen, in welchem Staatensystem sich ein bestimmter Staat 
befindet. Sie wird einen Unterschied zwischen solchen Gebieten zu machen 
haben, die im wesentlichen die Eigentümlichkeiten der Geldwirtschaft auf 
weisen, welche vor allem durch eine Häufung leicht kündbarer oder kurz 
fristiger Verträge charakterisiert ist, und zwischen jenen Gebieten, in denen 
die Naturalwirtschaft überwiegt und das traditionelle Zusammengehörigkeits 
gefühl manche Schäden leichter ertragen läßt. Es wird von großer Bedeutung 
sein, ob in einem Staate die Grundl^sitzverteilung eine gleichmäßige oder un 
gleichmäßige ist, ob man es mit Heeren der allgemeinen Wehrpflicht oder 
mit Söldnerheeren zu tun hat, ob in Friedenszeiten Produktionseinschränkungen 
stattzufinden pflegen oder aber alle vorhandenen Kräfte voll ausgenutzt 
werden. Kurzum, schon eine flüchtige Übersicht zeigt, welch reiche Gliederung 
die neue Disziplin notwendigerweise besitzen wird und welche Fülle von 
Problemen der Lösung harren. 
Die Kriegswirtschaftslehre wurde zum Teil so stark vernachlässigt, weil die 
Theorie der Volkswirtschaft bis jetzt noch nidht genügend elastisch ist, um 
verschiedene Ordnungen der Wirtschaft gleichzeitig zu umspannen. Die Histo 
riker und Geographen werden durch die Natur der Dinge dazu gedrängt, von 
vornherein verschiedene Wirtschaftsstufen und verschiedene Wirtschaftsformen 
zu unterscheiden und anschaulich zu schildern. Die theoretischen National 
ökonomen aber haben vielfach, veranlaßt durch unklare naturwissenschaftliche 
Analogien, darnach getrachtet, eine einzige Wirtschaftsordnung als „die“ Wirt 
schaftsordnung zu konstruieren und die verschiedenen empirisch Vorgefundenen 
als unwesentliche Variationen anzusehen. Viele suchten nach einer Theorie der 
Wirtschaft, wie man etwa nach einer Theorie der Astronomie sucht. Weit förder 
licher wäre es in mancher Hinsicht gewesen, wenn man die verschiedenen 
Wirtschaftsordnungen mit verschiedenen Maschinentypen verglichen hätte, die 
möglicherweise einander so fremd sein könnten, wie eine Dampfmaschine einer 
Elektrisiermaschine. Auch noch andere Mängel der Theorie waren wirksam, 
auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Was aber wieder die Be 
handlung der Wirtschaft vom historischen oder geographischen Standpunkt 
aus anlangt, so bestand die Neigung, den Krieg als Abweichung vom Normal 
zustand zu charakterisieren. Und es ist bemerkenswert, daß selbst National 
ökonomen wie Oppenheimer iß), die doch dem Krieg als Historiker und 
Soziologen eine ausreichende Würdigung zuteil werden lassen, seine Eingliede 
rung in die Wirtschaftsordnung nicht durchführen. Es scheint, daß eben die 
heutige Struktur der nationalökonomischen Theorie eine solche Eingliederung 
verhindert. ,, i ' i I . I I I i 
Ein Ausbau der Kriegswirtschaftslehre zu einer geschlossenen Theorie wurde 
die Entfaltung der Volkswirtschaftslehre überhaupt sehr fördern, weil man sich 
so daran gewöhnen würde, neben der Friedenswirtschaftslehre, um diesen Ausdruck 
zu gebrauchen, auch eine Kriegswirtschaftslehre anzuerkennen. Vielleicht wird 
auf diesem Wege rascher als auf einem anderen die Einsicht zum Durchbruch 
kommen, daß die volkswirtschaftliche Theorie in der Lage ist, vielerlei Kom 
plexe von Erscheinungen zu beschreiben, die verschiedene Verschiebungsregeln 
für ihre Elemente auf weisen. Abgesehen davon, daß die Kriegswirtschaftslehre 
die Erforschung der konkreten Wirklichkeit intensiver, als dies bisher der Fall 
war, ermöglichen wird, da sie einen immer vorhandenen Faktor bewußt an 
dauernd berücksichtigt, wird sie mit dazu beitragen, die Entfaltung der Gesamt 
disziplin zu fördern. Deren heutigem Zustand entsprechend werden sich in 
der Kriegswirtschaftslehre die soziologischen, historischen, logischen und psycho 
logischen Bestandteile zunächst noch nicht reinlich voneinander trennen lassen, 
und sie wird den Mangel, der darin besteht, ebenso zu tragen haben, wie die 
übergeordnete Gesamtdisziplin. 
IG) F. Oppenheimer, Der Staat. Frankfurt a. M,
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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