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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

37 
denszeiten unmöglich, in jedem Augenblick alle, ja nur einen erheblichen Teil 
aller Zahlungen in Bar zu leisten, um wieviel weniger im Kriegsfall. Bestimmte 
Typen von Unternehmungen, so z. B. Sparkassen, weisen grundsätzlich nur 
einen geringen Grad von Liquidität auf.120) 
Die von mancher Seite erhobene Forderung, die Liquidität mehr zu be 
rücksichtigen, könnte eine weitere Hemmung unserer ohnehin schon stark ge 
hemmten Produktion und Konsumtion bedeuten. Ein Ausweg wäre möglich, 
wenn man die Realkredite etwa in Rentenschulden umwandelt oder statt der 
festen Beladung wenigstens teilweise Anteilschaftsbelastung durchführt.121) 
Schließlich ist nicht die Liquidität, sondern der Verbrauch das oberste Ziel 
unserer Wirtschaft. Rießer hebt mit Recht gelegentlich hervor,122) daß 
eine völlige ^Kriegsbereitschaft' der Kreditbanken ihre „Qeschäfts- 
bereitschaft" teilweise ausschließen würde. Eine vollständige Kriegsbereit 
schaft ist ja nie durchführbar, denn dies würde z. B. heißen, daß Notenbanken 
nur vollgedeckte Noten ausgeben dürften, ist doch eine prinzipielle Berechnung, 
wieviel Noten zur Einlösung präsentiert werden, unmöglich. 
Die Reserven an Gold, Goldforderungen und leicht realisierbaren Ausland- 
und Inlandwerten werden immer nur von verhältnismäßig geringer Bedeutung 
sein können. Ob der Rat, sich vor Festlegung großer Beträge zu bewahren, 
durchführbar ist, läßt sich schwer diskutieren, da die Statistik über diese Punkte 
wenig Auskunft gibt. Im großen und ganzen muß man wohl sagen, daß alle 
Kreditinstitute und sonstigen Unternehmungen nur mit normalen Erschütterungen 
unserer Wirtschaft redhnen können, weil nur so unser Wirtschaftsbetrieb 
möglich ist. Je mehr man schwere Erschütterungen in Rechnung zieht, desto 
mehr schädigt man den normalen Wirtschaftsbetrieb. Daß man aus diesem 
Dilemma heute nicht heraus kann, ist eine wesentliche 
Eigentümlichkeit unserer Wirtschaft. Daß der Krieg zeitweilig 
dazu führt, insbesondere dann, wenn man einmal die Metallwährung aufgegeben 
hat, die üblichen Forderungen an die Liquidität fallen zu lassen, ist, wie wir 
sahen, mit eine Ursache gelegentlichen Aufschwungs. Daß dann freilich wieder 
Rückschläge folgen, gehört mit zu der eben charakterisierten Eigenschaft unserer 
Organisation. Diese Fragen werden deswegen immer wichtiger, weil sich der 
Liquiditätsgrad der Bankbilanzen immer mehr verschlechtert.^^^) Hierzu kommt 
noch, daß viele, in normalen Zeiten sichere, kurzfristige Forderungen in Kriegs 
zeiten nicht erfolgreich hereingebracht werden können, was die Situation weiter 
verschlimmert. 
Überblicken wir die durch den Kriegsfall gegebenen Schwierigkeiten auf 
dem Gebiete des Zahlungsmittel- und Kreditwesens, so sehen wir, daß sie alle 
schon in Friedenszeiten vorhanden sind und daß es ein Irrtum wäre, den 
Krieg als ihre Ursache anzusehen. Nach den Erfahrungen des letzten Jahr 
hunderts scheint es aber beinahe, daß im Vergleich mit Wirtschaftskrisen 
in Friedenszeiten die eigentlichen Kriegskrisen verhältnismäßig milde ver 
laufen. Zum Teil dürfte dies damit Zusammenhängen, daß der Krieg, 
wie wir sahen, nicht selten Kräfte sidh frei entfalten laßt, die sonst zurück 
gedrängt waren, und weil andererseits der Staat tiefer eingreift als in 
Krisenzeiten. In Friedenszeiten überläßt man es gemeinhin der Börse 
und den Banken, zu helfen, wie es eben geht, während in Kriegszeiten, wo 
das Staatswohl in ganz anderer Weise auf dem Spiele steht, auch energi 
schere Eingriffe in die Wirtschaftsfreiheit gemacht wer 
den. Dabei schreckt man prinzipiell, wie man immer wieder 
sehen kann, vor keinem Schritt zurück, der irgendwie ge - 
120) In Deutschland sind 61 0/0 der Einlagen in Hypotheken und etwa 28 0/0 
in Wertpapieren angelegt. Vgl. J. R i e ß e r, a. a. O. S. 35. 
121) VV. Neurath, Elemente der Volkswirtschaftslehre. 4. Aufl. Wien 
1903, S. 139. Vgl. Rodbertus, Zur Erklärung und Abhilfe der heutigen 
Kreditnot der Grundbesitzer. Jena 1869, II, S. 80. 
122) Vgl. J. Rießer, a.a.O.S. 28. 
123) J. Rießer, a. a. O. S. 31.
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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