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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

58 
Naturalien einzahlte, konnte veranlassen, daß eine gleiche Getreidemenge in Süd 
ägypten ausbezahlt werde. Die Geldordnung begann erst zu dominieren — ob 
gleich das Naturaliengirowesen sich gerade während der Geldordnung weiter 
entwickelte —, als Ägypten ein erobernder Staat wurde. Wie kam das? Ver 
setzen wir uns in jene Zeit. Eine ägyptische Garnison wird z. B. in Damaskus 
stationiert. Dorthin kommen Araber aus dem südlichen Arabien, um z. B. Pferde 
zu verkaufen. Der Ägypter hat daheim im Speicher Getreide liegen, das er viel 
leicht gerne dem Araber überweisen würde. Aber der Araber erklärt ihm, daß 
er nach Saba zurück müsse, und dort kenne man diese Einrichtung nicht, und 
selbst, wenn man sie kenne, sei es unmöglich, auf eine Getreideüberweisung 
einzugehen, weil beim Ausbruch des Krieges alle Forderungsrechte hinfällig 
würden. Der Araber dürfte daher von dem Ägypter irgendein Ding verlangen, 
das er gleich mitnehmen kann. Es müßte verhältnismäßig leicht transportabel 
und sofort verwendbar sein oder aber ihm daheim die Möglichkeit geben, sich 
das zu verschaffen, was er braucht, etwa Papyrus, Blausteinschmuck, Rohsilber 
oder ähnliches mehr. 
Die Vermehrung solcher Geschäfte kann zu einem systematischen Verkehr 
führen. Es entstanden Kaufleute, welche den internationalen Handel übernahmen. 
Diese fanden bald bestimmte Eigenschaften der internationalen Handelsartikel 
heraus. Zunächst bevorzugten sie Artikel, die mit einem möglichst 
geringen Risiko belastet waren. Dahin gehörten solche, die ein 
weites Absatzgebiet hatten, wie Goldgefäße, Silberschmuck, Tonwaren, gefärbte 
Stoffe lusw. Vor allem waren es Schmuck- und Luxusgegenstände, nicht 
Artikel des täglichen Lebens. Dies erklärt sich in erster Reihe 
daraus, daß die Gebrauchsartikel des täglichen Lebens nur in beschränkter Menge 
gekauft wurden. Schmuck wurde aber insbesondere von den 
Wohlhabenden ohne Grenzen an geschafft. Man legte Horte 
an und der Schatzhandel ist daher für jene frühe Periode besonders charakteristisch. 
Reiche Männer besaßen nicht einen, sondern zehn, zwanzig Dreifüße, weit 
mehr, als sie je verwenden konnten. Wir können diese Zustände ziemlich deutlich 
aus den Schilderungen der Ilias und Odyssee kennen lernen. Auch werden die 
internationalen Händler wohl jene Dinge bevorzugt haben, bei denen das Risiko 
dadurch verringert wurde, daß der jährliche Zuwachs, der auf den Markt geworfen 
wurde, klein war im Verhältnis zur Gesamtheit der betreffenden Ware. Wenn 
z. B. die Getreideernte eines Jahres doppelt so groß ist als die des vorhergehenden, 
so merkt man das an den Preisen sehr deutlich ; wenn die Goldernfe doppelt 
so groß ist als im vorhergehenden Jahr, so merkt man das weit weniger, we5I 
dieser Zuwachs nur wenig gegenüber den immer im Verkehr befindlichen Geld 
massen ins Gewicht fällt. Schließlich werden die Händler gemerkt haben, 
daß sie durch das Aufbewahren von Fertigfabrikaten ein 
größeres Risiko liefen, als durch das Aufbewahren von Roh 
stoffen. Rohes Silber ließ sich jederzeit in eine Spange oder ln eine Scheibe 
verwandeln. Aber was sollte der Händler tun, wenn Silberbroschen gesucht 
wurden und er nur Spangen hatte? Auf diese und ähnliche Weise wurden wohl 
die unverarbeiteten Metalle die wichtigsten internationalen Zahlungsmittel. Die 
Einführung gemünzten Geldes war anfänglich von geringer, 
rein v e rk ehrstechnischer Bedeutung. Von wirklicher wirtschaftlicher 
Tragweite war erst die Schaffung minderwertiger Münzen. Das Geld 
setzte zunächst keine Organisation voraus, es vermittelte den Verkehr 
zwischen Menschen, die einander nie mehr nahe traten, wohl gar Ländern ange 
hörten, die miteinander im Kriege lagen. Das Edelmetall war dort 
Bindeglied, wo eine staatliche oder gesellschaftliche 
Ordnung fehlte. 
Wie wirkten nun solche Vorgänge auf das Inland zurück? Die Händler 
waren nun darauf bedacht, sich im Inland die für den internationalen Handel 
nötigen Tauschmittel zu verschaffen, und immer häufiger suchte man sich im 
gewöhnlichen Leben durch die Veräußerung von Waren Güter des internationalen 
Handels zu verschaffen. Die Zahlungsweise, welche im ungeordneten intern- 
nationalen Verkehr notwendig war, fand langsam auch im nationalen Zählungs 
verkehr Eingang, wo sie nicht notwendig war. Eine weit höhere Organi-
	        

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Die Untersuchung Landwirtschaftlich Und Gewerblich Wichtiger Stoffe. Verlagsbuchhandlung Paul Parey, 1906.
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