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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

59 
sation, die auf der staatlichen Ordnung basierte, die entstehende Groß natural 
wirtschaft, wurde durch eine Umsatzform verdrängt, die für Feinde und 
Fremde geschaffen worden war. Das Geld, welches auf dem internationalen 
Markte die Fernsten einander annäherte, entfernte nun im Inlande die Nächsten 
voneinander; Brüder beginnen im Inlande einander wie fremde Kaufleute anzu 
sehen. Es ist hier nicht der Ort, die eigenartige Doppelwirkung des Geldes, 
näher darzustellen, wie es einerseits verbindet, anderseits trennt, aufbauend und 
zersetzend, befreiend und knechtend wirkt. Das Gesagte dürfte wohl genügen, 
um zu zeigen, daß man der Geldordnung an sich kritisch gegenüberstehen und 
vor allem bei Erörterung prinzipieller kriegswirtschaftlicher Fragen sich davor 
hüten müsse, sie als eine Selbstverständlichkeit Wuzunehmen. 
Allmählich aber beginnt das Geld eine neue Wandlung durchzumachen, es 
unterliegt wieder der organisierenden Kraft der Gesellschaft. Wir können uns 
ein Bild von dieser Wandlung machen, wenn wir uns in das Feldlager eines 
antiken Heeres versetzen. Der Feldherr hat von zu Hause zu wenig Sold be 
kommen. Er prägte nun z. B. neues Geld aus, das die alte Bezeichnung führte, 
aber weniger Edelmetall enthielt. Der neue Denar hatte z. B. nur halb so viel 
Gold als der alte. Nichtsdestoweniger verkündete der Feldherr, daß alte Schul 
den mit den neuen Denaren gezahlt werden könnten, daß die Händler die neuen 
Denare so wie die alten anzunehmen hätten, daß aber sie ihrerseits wieder ihre 
Abgaben in neuen Denaren leisten könnten. Diese Maßnahmen bewährten sich 
und fanden vielleicht Verbreitung im ganzen Lande. Es schien ein Mittel ge 
funden, den Güterumsatz mit weniger Edelmetall als bisher zu ermöglichen. Vor 
allem aber konnte die Regierung sich jederzeit Geld verschaffen, indem sie aus 
einer Anzahl alter Geldstücke eine größere Anzahl neuer prägte. Die ersten 
Schwierigkeiten ergaben sich wohl im internationalen Verkehr. Wenn einer 
der oben erwähnten Krieger in Damaskus dem Araber neue Denare als Zahlung 
anbot, zog dieser wohl seine Wage heraus, um sie zu wiegen. Für ihn sind 
die Denare Dinge, die daheim umgeschmolzen werden, um als Schmuck zu dienen, 
er nimmt sie nur, insoferne sie Gold enthalten, der Name, den die Münzen führen, 
ist ihm gleichgültig, ebenso, ob man damit im Staate, der sie geprägt hat, Schulden 
zahlen kann oder nicht. Wenn der Soldat nun mehr Denare als früher für ein 
Pferd zahlen mußte, mag er wohl über Fälschung geklagt haben. Und so gelangt 
bereits das Altertum zu zwei Standpunkten: der eine sieht in der Münze ein 
Ding, das seine Kaufkraft dem Metallgehalt verdankt, der andere sieht darin 
ein Ding, das seine Kaufkraft staatlichen Verfügungen verdankt. Beide hatten 
recht, der eine, soferne die Münze als internationales, der andere, soweit 
sie nur als nationales Zahlungsmittel in Anspruch genommen wurde. 
Vollwertiges Geld, das ist solches, für das man sich ungefähr so viel Metall 
kaufen kann, als in ihm enthalten ist, konnte jederzeit auch international verwendet 
werden ; das minderwertige Zeichengeld dagegen, für das man sich mehr Metall 
im Inlande kaufen konnte, als es enthielt, brachte Nachteil, wenn man es inter 
national verwenden wollte. Unsere Noten sind nun eine Art Zeichengeld, das 
den Endpunkt der Edelmetallverringerung repräsentiert, es ist stofflich beinahe 
wertlos, aber auch unsere Silbergulden, unsere Kronenstücke, kurz alle Geldsorten, 
außer den Zehn- und Zwanzigkronenstücken, sind Zeichengeld. 
Wir sehen aus diesen kurzen Andeutungen, daß wir scharf zwischen W e 11 - 
g e 1 d und Inlandsgeld unterscheiden müssen. Wir können vielleicht einmal 
auch zu einem Zeichengeld gelangen, das zum Weltgeld wird, wenn entsprechende 
internationale Abmachungen getroffen werden. Alle Bemühungen, eine inter 
nationale Banknote zu schaffen, zielen ja dahin. Die Verwirklichung dieser 
Projekte scheint freilich heute noch in weite Ferne gerückt zu sein; zum Teile 
infolge der Befürchtung, daß im Kriegsfälle die internationale Note völlig versagen 
könnte, vor allem aber auch deshalb, weil jeder Staat wohl für sich die Emission 
von Noten veranlassen würde, ohne auf die internationalen Abmachungen Rück 
sicht zu nehmen. Es gibt viele, welche die Weltnote nur 
dann für durchführbar halten, wenn die internationalen 
Abmachungen eine größere Bedeutung als heute erlangt 
haben werden und vor allem die Kriegsgefahr sehr herab 
gemindert, wenn nicht beseitigt erscheint.
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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