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Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

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Bibliographic data

fullscreen: Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft

Monograph

Identifikator:
891221816
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-76666
Document type:
Monograph
Author:
Neurath, Otto http://d-nb.info/gnd/118587420
Title:
Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag von Georg D. W. Callwey
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (231 Seiten)
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Contents

Table of contents

  • Durch die Kriegswirtschaft zur Naturalwirtschaft
  • Title page
  • Contents

Full text

67 
er nun Jahrzehnte lang für andere roboten muß. Das Schuldenmachen kann) 
aber auch bedeuten, daß der Staat sich so mächtig entfaltet, daß er seine 
Kräfte gar nicht allein zu verwerten vermag. Es kann auch eine Aktiengesell 
schaft derartige Erfolge erzielen, daß sie die Absatzgelegenheiten nur dann aus 
zunützen, neue Bestellungen nur dann zu übernehmen vermag, wenn sie erweitert 
wird. Diese Erweiterung kann im allgemeinen in doppelter Weise erfolgen. Die 
Aktiengesellschaft kann ihr Aktienkapital vermehren, indem sie Aktien emittiert, 
sie kann aber auch Schulden machen, indem sie z. B. Obligationen emittiert. Die 
Aktienbesitzer erhalten einen Anteil am Reingewinn, während die Obligationen 
besitzer Anspruch auf fixierte Summen haben. Dem Staat steht aber nur eine 
dieser beiden Formen zur Verfügung, um eine „Betriebserweiterung“ durchzu 
führen: die der Obligationenemission. Der Staat kann nicht einzelnen Indivi 
duen einen Anteil am Reingewinn des Staates zusprechen, da er ja kein Erwerbs- 
untemehmen ist, welches ein Maximum an Reingewinn anstrebt. Es würde 
auch dem modernen Empfinden widersprechen, wenn der Gewinn eines Krieges 
in Geld berechnet an Aktionäre zur Verteilung käme. Es hat aber wohl schon, 
Kriege gegeben, deren Erfolge unmittelbar in Dividenden zum Ausdruck kamen; 
dahin gehören z. B. die Kriege der Ostindischen Kompagnie, die ein Privatunter 
nehmen war, welches Indien als Erwerbsobjekt aus nützte und aus diesem Grunde 
Kriege führte. Der Staat kann also seinen „Betrieb“ im allgemeinen nur mit 
Hilfe von Obligationenemissionen erweitern. Der Obligationenbesitzer kann 
auf diese Weise am Gedeihen des Staates Anteil haben. 
Soweit der Staat Anleihen vorwiegend in Inlandsgeld aufnimmt, werden 
sich die Gläubiger im Inlande aufhalten. Anleihen, welche im Auslande begeben 
werden, liefern im allgemeinen Weltgeld als Erlös. Die Tatsache, daß eine 
Inlandsanleihe in Papiergeld aufgenommen wird, besagt noch nichts über den 
Rückzahlungsmodus. Es kann Vorkommen, daß der Staat bei der Aufnahme 
der Anleihe Papier erhält, aber sich verpflichtet, die Anleihe in vollwertigem 
Metallgeld zu verzinsen und zurückzuzahlen. 1868 haben z. B. die Nordstaaten 
während des Sezessionskrieges eine Anleihe unter diesen Bedingungen aufge^- 
nommen. 
Es kommt auch der umgekehrte Fall vor. Ein Staat nimmt die Anleihe 
ganz oder überwiegend in Weltgeld auf, verpflichtet sich vielleicht sogar auch, 
sie in Weltgeld zurückzuzahlen,- kann dies aber dann nicht, und befriedigt alle 
Gläubiger oder zumindest jene, die im Inland wohnen, mit Zeichengeld. Man 
spricht in einem solchen Fall insbesondere, wenn die Kaufkraft des Zeichen 
geldes gegenüber dem Weltgeld sehr gesunken ist, wohl schon von einem Staats 
bankrott. 
Ich will nun den Unterschied anzudeuten versuchen, der zwischen den 
Wirkungen besteht, welche Anleihen und jenen, welche Steuern zur Folge haben. 
Die Steuern werden in ähnlicher Weise verteilt, wie etwa die allgemeine Wehr 
pflicht. Jeder wird herangezogen, es wird nicht gefragt, ob einer Geld eben, 
flüssig hat oder nicht. Anders bei der Anleihe. Derjenige, welcher Geld frei 
hat, wird vielleicht die Gelegenheit verwenden, es zinstragend in Staatspapieren 
anzulegen, während ein anderer, der möglicherweise weit reicher ist, kein Bargeld 
frei hat, oder es besser in Fabriken und anderen Unternehmungen verwenden kann. 
Wir müssen uns ja darüber klar sein, daß die Entziehung großer Geldsummen 
durch Kriegsanleihen häufig auf Kosten der industriellen und agrarischen Pro 
duktion erfolgt, die schwer darunter leiden können. Das Aufnehmen von Anleihen 
wirkt ähnlich wie das Werben von Truppen in England. 
Wir dürfen aber nicht übersehen, daß durch die Anpassung der Anleihen 
an die Rentabilität zwar Rentabilitätsstörungen, wie sie bei Steuern Vorkommen, 
etwas verringert sind, daß aber Unternehmen, welche weniger rentabel sind 
und daher durch Anleiheaufnahmen, soweit sie mit kreditiertem Geld 
arbeiten, zunächst getroffen werden, gesellschaftlich oft von größter Wichtigkeit 
sind, da ja die Rentabilität sich keineswegs mit dem öffentlichen 
Nutzen deckt. Es sind dies Probleme sehr prinzipieller Natur, die ich hier 
nur kurz anzudeuten vermochte. 
Nicht unwichtig ist auch die Erörterung der Frage, wie die Aufnahme 
von Anleihen auf die verschiedenen Einkommenklassen wirkt,
	        

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Durch Die Kriegswirtschaft Zur Naturalwirtschaft. Verlag von Georg D. W. Callwey, 1919.
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