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Die Arbeiterfrage

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Bibliographic data

fullscreen: Die Arbeiterfrage

Monograph

Identifikator:
891224181
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-65049
Document type:
Monograph
Author:
Levenstein, Adolf http://d-nb.info/gnd/116961155
Title:
Die Arbeiterfrage
Place of publication:
München
Publisher:
Verlag Ernst Reinhardt
Year of publication:
1912
Scope:
1 Online-Ressource (406 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
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Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
B. Das seelische Verhältnis der Arbeiter zu ihrer berufsmäßigen Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Die Arbeiterfrage
  • Title page
  • A. Erhebungs-Methode
  • B. Das seelische Verhältnis der Arbeiter zu ihrer berufsmäßigen Arbeit und ihren Arbeitsbedingungen
  • C. Die positive Wünsche der Arbeiter in bezug auf die Umgestaltung ihrer ökonomischen Lage
  • D. Die Beziehungen der Arbeiter zu den sozialen Gemeinschaften
  • E. Die Stellung der Arbeiter zu den außenberuflichen Kultur- und Lebensproblemen
  • F. Schluß

Full text

besitzt, wird der Körper überwältigt. Meine Hände stehen 
noch viele Minuten unwillkürlich still. Mir graut vor jedem 
neuen Arbeitstage, und wenn ich morgens die Arbeit aufnehme, 
kann ich mir kaum vorstellen, zehn Stunden diese Marter zu er 
tragen. Ich verlasse darum, muß die Arbeit verlassen. An jeder 
neuen Arbeitsstätte findet der Geist wenigstens zunächst An 
regung: das geht immer einige Wochen, und der gequälte Zu 
stand beginnt von neuem. Und doch — ich muß, hören Sie, 
ich muß sie zeitweilig verlassen, weil sonst die monotone Arbeit 
mich zermürbt. Dann lebe ich in elender Schlafstelle, von meinen 
Lieben getrennt, und wilde Sehnsucht quält mich.“ Bei einem 
Metalldreher, der tagtäglich seit sechseinhalb Jahren dieselben 
Stücke dreht, wirkt die Arbeit so deprimierend, daß er seine Ma 
schine öfters mit Vehemenz zum Stillstand bringt und davonläuft, 
in die Schmiede, Schlosserei, und wahrhafte Freude empfindet, 
wenn die Arbeitsmaschine plötzlich versagt, obgleich er als 
Akkordarbeiter durchaus materiellen Verlust erleidet. Ein Ma 
schinenschlosser wirft öfters den Antriebriemen herunter, wenn 
die Monotonie der Arbeit für ihn nicht mehr erträglich, oder er 
ölt die Maschine so oft, daß sie nachher in Öl schwimmt, um 
Gelegenheit zu haben, das überflüssige öl abzuwischen. Ein 
Schmiedegeselle schreibt poetisch: 
„Es klingt der Amboß unter meines Hammers Schlag, 
Sein Klang tönt voll in meiner Seele wieder, 
Denn auch da drinnen grollt es dumpf und bang, 
.Wenn man mir Fesseln schlägt, die Arbeit macht zur Last, 
Doch lustig, heiter, wenn die Arbeit Freude*.“ 
Ein Metallschleifer: „Ich finde kein Interesse an meiner 
Arbeit, und sehe ich am Feiertage auch nur die Schornsteine 
Unserer Fabrik, dann ist es mir, als würde ich an etwas recht 
Ungehöriges erinnert.“ Eine ganze Kategorie Arbeiter, die in einer 
Automobilfabrik beschäftigt und immer dieselbe monotone Teil 
arbeit zu verrichten haben, hatten gar keine Uhr mehr nötig. 
Sie sahen an ihrer eintönigen Beschäftigung, welche Zeit es ist 
Ein Metallarbeiter, der nur Weißblech-Kaffeebretter stanzt: Immer 
dieselbe Arbeit. Immer bumst die Maschine. In der ersten Zeit 
hatte ich oft zu singen oder zu flöten versucht. Das habe ich 
* Adolf Levenstein, „Arbeiterphilosophen und Dichter“, Morgen-Verlag 
Berlin W 9, 1909. 
50
	        

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Die Arbeiterfrage. Verlag Ernst Reinhardt, 1912.
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