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Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

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Bibliographic data

fullscreen: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Monograph

Identifikator:
895603128
URN:
urn:nbn:de:zbw-retromon-10120
Document type:
Monograph
Author:
Merck, Klemens http://d-nb.info/gnd/1064962637
Title:
Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
Edition:
Sechste, völlig neu bearbeitete Auflage
Place of publication:
Leipzig
Publisher:
G.A. Gloeckner, Verlag für Handelswissenschaft
Year of publication:
1919
Scope:
1 Online-Ressource (IV, 555 Seiten)
Digitisation:
2017
Collection:
Economics Books
Usage license:
Get license information via the feedback formular.

Chapter

Document type:
Monograph
Structure type:
Chapter
Title:
N
Collection:
Economics Books

Contents

Table of contents

  • Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe
  • Title page
  • A
  • B
  • C
  • D
  • E
  • F
  • G
  • H
  • I
  • J
  • K
  • L
  • M
  • N
  • O
  • P
  • Q
  • R
  • S
  • T
  • U
  • V
  • W
  • X
  • Y
  • Z
  • Index

Full text

Nelkenzimt 
297 
Neunaugen 
rötlichem Mark. Die frische Wurzel riecht 
schwach nach Gewürznelken, verliert den Ge 
ruch indes beim Trocknen und schmeckt bitter 
und zusammenziehend. Als wichtigste Bestand 
teile sind Gerbstoff, ätherisches Öl und Stärke 
nachgewiesen worden. Verwendung findet die 
N. bei Durchfällen und äußerlich als blutstillen 
des Mittel. 
Nelkenzimt (lat. Cortex cassiae caryophyl- 
latae, frz. Canelle, engl. Kaneel) nennt man die 
Stammrinde von Dicypellium caryophylla- 
tum, einem in Brasilien und Westindien wach 
senden, zur Familie der Laurineen gehörigen 
Baume. Die Ware bildet zusammengerollte 
Röhren, die der Hauptsache nach aus der glatten 
rotbraunen Bastschicht bestehen und nur teil 
weise noch mit Außenrinde bedeckt sind. Der 
Geruch und Geschmack erinnert zugleich an 
Zimt und an Nelken. Man verwendet die 
Rinde bei der Bereitung aromatischer Liköre. 
Früher wurde sie auch als Heilmittel gebraucht. 
Ihr Pulver dient außerdem zur Verfälschung 
der Gewürznelken. 
Nerolin ist der Handelsname für /J-Naphthol- 
methyläther, C 10 H 7 .O.CH 3 , und ß-Naphthol- 
äthyläther, C 10 H 7 OC 2 H 6 , die beide durch mehr 
stündiges Erhitzen von /J-Naphthol mit dem be 
treffenden Alkohol und konz. Schwefelsäure ge 
wonnen werden und dem Orangenblütenöl ähn 
lich riechen. 
Nessel. Die Fasern verschiedener Nesselarten 
werden zur Herstellung von Spinnfasern in 
feinen Geweben (Nesseltuch) benutzt, so beson 
ders von Boehmeria (s. Chinagras, Ramie) in 
China, von Urtica nivea und japonica in 
Japan, von U. postulata in Nordamerika, 
Mexiko, Kuba, Brasilien und Australien. Auch 
Frankreich hat den Anbau von U. nivea in 
Südfrankreich und Algier gefördert. In Deutsch 
land war die Verwendung der früher viel be 
nutzten Faser vonU. dioica, der gewöhnlichen 
großen Brennessel, infolge der Einfuhr von 
Baumwolle in den Hintergrund getreten, bis die 
Abschneidung der überseeischen Zufuhr im 
Kriege sie der Vergessenheit entriß. Nachdem 
0- Richter ein brauchbares Verfahren zur Ab 
scheidung der Faser durch Aufschließung mit 
Alkali und nachfolgende Behandlung mit Wal- 
ze n und Waschen erfunden hatte, setzte eine 
lebhafte Sammeltätigkeit und auch planmäßiger 
Anbau ein, der für mehrere Fabriken, u. a, in 
Zschopau, ausreichendes Material lieferte. Die 
gewonnene Faser, die in Menge von to kg 
aus ioo kg frischer Nesselstengel gewonnen 
wird, zeigt eine spezifische Festigkeit von 51,5 
(Baumwolle 37,6) und einen wollartigen Cha 
rakter, der sie als Zusatz zu Wolle für Triko- 
ta gen, Möbelplüsch und Garne („Solidonia“) 
geeignet erscheinen läßt. Zu einer völligen Ver 
drängung der Baumwolle wird ihre Menge aller 
dings nicht ausreichen, da der höchstmögliche 
Anbau auf 1—1,2 Millionen Dz. geschätzt wird. 
Nesselblüten (Taubnekselblüten, lat. Flores 
laniii albi, s. urticae mortuae, frz. Fleurs ortie 
rn°rte, engl. Nettle flowers) nennt man die 
BJunienkronen der zu den Labiaten gehörigen 
Taubnessel Lamium album. Die Blüten 
werden ohne den Kelch gesammelt und finden 
as blutreinigendes Mittel Verwendung, 
Neublau (Waschblau). Das eigentliche N. 
zum Blauen der Wäsche besteht aus Stärke, 
die mit Indigkarmin gefärbt und in kleine 
Täfelchen geformt ist. An seiner Stelle wird 
fast nur noch künstlicher Ultramarin ange 
wandt, der mit heißem Wasser angerührt und 
dem Blauwasser zugesetzt wird. Er ist hierzu 
auch ganz geeignet, während Berlinerblau, das 
ebenfalls bisweilen mit Stärke oder Kreide ge 
mischt als N. verkauft wird, ein starkes Ver 
gilben der Zeuge bewirkt. Berlinerblau ist 
leicht daran erkennbar, daß es beim Kochen mit 
Sodalösung seine Farbe verliert und braun wird. 
Den Namen Neublau führt auch ein Teer 
farbstoff, der mit Echtblau (s. d.) iden 
tisch ist. 
Neugelb nennt man verschiedene gelbe Teer 
farbstoffe, nämlich das Säuregelb D und 
das gewöhnliche Säuregelb (Neugelb L), 
ferner auch das Zitronin und Kurkumein 
(s. d.) und das Flavaurin (s. d.). 
Neukokzin. Diesen Namen führen zwei Azo 
farbstoffe. Der eine, auch Koschenille 
rot A und Brillantponceau (nicht zu ver 
wechseln mit einem anderen ebenso genannten 
Farbstoff, s. Brillantponceau) genannte, besteht 
aus dem Natronsalze der Naphthionsäureazo- 
betanaphtholdisulfosäure und erscheint im Han 
del als scharlachrotes, in Wasser leicht lös 
liches Pulver. Der andere, auch Neukokzin R, 
Kristallponceau 6 R genannt, besteht aus 
dem Natronsalze der Alphanaphthylaminazo- 
betanaphtholdisulfosäure und bildet schöne 
braunrote Kristalle mit Goldglanz, die sich in 
Wasser mit ponceauroter Farbe lösen. Beide 
Farbstoffe färben Wolle im sauren Bade rot. 
Neunaugen (Bricken, Pricken, Felsen 
sauger, frz. Lamproies, engl. Lambreys), die 
bekannten Vertreter der Rundmäuler, aal 
artiger Tiere, die bisweilen zu den Fischen ge 
rechnet, bisweilen aber auch von ihnen getrennt 
werden und durch den Saugmund charakteri 
siert sind, haben ihren sonderbaren Namen da 
her, daß man die sieben Kiemenlöcher, die auf 
jeder Seite liegen, für Augen ansah und sich 
noch dazu um zwei verzählte. Von den zwei 
Arten: Flußbricke (Petromyzon fluviati- 
lis) und große Seebricke oder Lamprete 
(Petromyzon marinus), kann die erstere, die 
gewöhnlich kaum fingerdick und höchstens 
3 dm lang ist, bei gehöriger Schonung an 9 dm 
lang werden. Die oben olivengrünen, am Bauche 
silberweißen Fische haben ein sehr zähes Leben 
und lassen sich daher auch, mit Schnee ver 
packt, lebendig weit versenden. Sie leben be 
sonders in den Flüssen Norddeutschlands, der 
baltischen Ostseeprovinzen und Englands, hal 
ten sich im Sommer in der Tiefe auf, steigen 
aber im Winter in die Höhe und werden dann 
in der Weise gefangen, daß man Löcher in 
das Eis haut und Birkenreisig hineinsteckt, an 
das sie sich oft in Menge ansaugen. Die Tiere 
werden ausgenommen, schwach geröstet oder 
gebraten, mit Essig, Gewürzen und Lorbeer 
blättern eingelegt und in den bekannten Fäß- 
chen von den preußischen Ostseestädten so 
wie von Bremen und Lüneburg in den Handel 
gebracht. — Die Lamprete (P. marinus), die 
in fast allen europäischen Meeren lebt, über
	        

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